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Compliance muss nicht langweilig sein: Comdirect bringt offenbar BVB-Attentäter zur Strecke

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Compliance steht im Ruf einen besonders langweiligen Berufszweig der Finanzdienstleistungen darzustellen – mit allerdings reichlich Jobangeboten. Doch die neueste Wendung im Fall des Anschlags auf dem Mannschaftsbus des BVB wirft ein ganz anderes Licht auf den Beruf. Offenbar haben die Compliance-Mitarbeiter der Comdirect den BVB-Attentäter zur Strecke gebracht.

Laut Bundesanwaltschaft hatte Sergej W. kurz vor dem Anschlag 15.000 Put-Optionsscheine mit einer Laufzeit bis zum 17. Juni auf die BVB-Aktie im Wert von 78.000 Euro gekauft, die er mit einem erst am 3. April aufgenommenen Verbraucherkredit finanziert hatte. Die Idee: Nach dem Anschlag mit vielen toten BVB-Spielern würde die Aktie des Fußballclubs auf Talfahrt gehen und die Put-Optionsscheine drastisch zulegen. Da Optionsscheine regelmäßig einen Hebel von fünf und mehr aufweisen, wäre der Wert der Optionsscheine um den Faktor des Hebels in die Höhe geschossen. Schnell wäre ein Kursgewinn von Millionen drin gewesen.

Auf den Geldsegen musste Sergei W. allerdings verzichten. Da der Anschlag glücklicherweise weitgehend misslang, gab die BVB-Aktie bis gestern gerade einmal um 4 Prozent auf 5,40 Euro nach. Auch intraday schwankte der Kurs lediglich zwischen 5,72 und 5,39 Euro.

Der Plan – so sich der Verdacht erhärten sollte – ist umso teuflischer, als Sergei W. den Verdacht mit fingierten Bekennerschreiben auf den islamistischen Terror leitete.

Der 28jährige mit deutschem und russischem Pass hat offensichtlich von Bomben mehr Know-how als vom Trading. Denn eine so hohe Summe an Put-Optionsscheinen auf eine Aktie mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 496 Mio. Euro zu setzen, löst natürlich Verdacht aus. Die Compliance-Mitarbeiter der Comdirect witterten offenbar Lunte und meldeten den Vorfall. Die Online-Tochter der Commerzbank wollte auf Anfrage von eFinancialCareers zu dem Vorgang keine Stellung beziehen. „Wir dürfen uns aus rechtlichen Gründen dazu nicht äußern“, sagte eine Unternehmenssprecherin. „Generell sind wir aber wie andere Banken auch nach dem Kreditwesengesetz und dem Geldwäschegesetz verpflichtet, entsprechende Verdachtsfälle dem zuständigen Landeskriminalamt und dem Bundeskriminalamt zu melden.“

Dies wurde offenbar Sergei W. zum Verhängnis. Rasch bekamen die Ermittler heraus, dass Sergei W. die Put-Optionsscheine von einem Zimmer des Hotels L’Arivée online gekauft hatte, wie die IP-Adresse verriet. Im dem gleichen Hotel war auch die Mannschaft des BVB abgestiegen. Sergei W. hatte extra ein Zimmer mit Blick auf den Anschlagsort gewünscht und ging – wie die Bild-Zeitung berichtet – nach der Tat seelenruhig ein Steak essen.

Heute Morgen gegen 6 Uhr wurde der Deutsch-Russe von der GSG 9 überwältig. Ihm werden „versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.“


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