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GASTBEITRAG: Studenten interessieren sich kaum noch fürs Investment Banking

MD soave

Nein. Banking ist längst nicht mehr sexy. Dabei handelt es sich um ein Klischee, aber wie jedes Klischee trifft es zu. Ich arbeite seit 14 Jahren in den Finanzdienstleistungen in New York City – zuletzt als Managing Director. Ich habe also den Verlust des Sexappeals selbst miterlebt.

Wenn ich vor zehn Jahren bei Campus-Veranstaltungen erschien, haben mich die Studenten sofort umringt. Das war vor der Finanzkrise. Damals zahlten die Banken noch viel Geld und sobald Leute wie ich im Alter von 26 zum Associate befördert wurden, hatten wir in den Augen der meisten einen Traumjob. Als ich das letzte Mal einen Campus besuchte, im Herbst 2016, wurde ich ignoriert. Die Leute besuchten zwar noch unseren Stand auf der Karrieremesse, doch in weitaus geringerem Maße als zuvor. Zum ersten Mal musste ich herumlaufen und Studenten ansprechen, ob sie für uns arbeiten wollen. Unterdessen tummelten sich die Studenten bei den IT-Unternehmen und bei anderen Branchen. Das stellt ein schlechtes Zeichen dar: Denn diese Leute sollten eigentlich die Zukunft des Bankings repräsentieren.

Es gibt einen Grund, wieso es so weit kommen konnte und dieser Grund wird nicht einfach abzustellen sein. Die Banken sind gezwungen, ihre Eigenkapitalrendite anzuheben. Die meisten Institute sind immer noch nicht in der Lage, ihre Eigenkapitalkosten zu erwirtschaften. Solange das der Fall ist, können sie keine reine Meritokratien wie Facebook oder die Buy-Side darstellen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Kosteneinsparungen.

In den alten Tagen war das anders. Damals haben Sie als Analyst im Banking mit 85.000 Dollar angefangen und in den ersten drei Jahren konnten Sie Ihre Vergütung verdreifachen. Doch heute heben die Banken einfach die Gehälter ihrer Stars alljährlich um 10 bis 15 Prozent an. Den wirklichen Leistungsträgern in der Millennial-Generation ist das einfach zu wenig. Wenn Sie so lange Arbeitszeiten und Anstrengungen investieren, dann wollen sie dafür auch bezahlt werden.

Es hilft auch nicht, wenn die jüngeren Banker nach oben schauen und eine ganze Generation älterer Banker sehen, aus denen einfach die Luft heraus ist. Leute wie ich bleiben bei der Stange, weil sie auf fünf Jahre verteilten Bonusansprüchen sitzen und nicht wissen, was sie sonst anstellen können. Unsere Bezahlung fällt geradezu täglich. Wer früher 3 Mio. verdiente, kassiert heute nur noch 1 Mio. und die Verbindung zur Performance ist lange verloren gegangen. Es gibt keinen Anreiz mehr, sich wirklich anzustrengen und etwas zu erlegen. Es wird auch nicht mehr geprahlt. Wir tun nur noch so als ob. Eigentlich sollten wir gehen, aber wir haben keine Ahnung, welche Alternativen uns bleiben.

Dies stellt auch den Grund dar, wieso die 21jährigen, sobald wir sie erst einmal eingestellt haben, oft nicht bleiben. Banken wie die meine kämpfen mit dem riesigen Problem, die Analysten nach ihrem zweiten Jahr vor einem Abgang abzuhalten. Immerhin sind es die Juniors, die die Alltagsarbeit leisten. Da es davon weniger gibt, müssen die Restlichen auch noch mehr als ihre Vorgänger arbeiten. Sie schauen nach oben und sehen, wie Leute wie ich ihren Aufstieg blockieren. Sie müssen feststellen, dass sich ihre Gehaltsanhebungen auf 15 Prozent jährlich beschränken. Es gibt keine positiven Aspekte mehr. Und daher ziehen sie weiter, um ihr Glück anderswo zu finden – nämlich bei irgendetwas mit Sexappeal, der den Banken abgeht. Das ist eine Schande.

Bei Marty Smith handelt es sich um ein Pseudonym. Er arbeitet als Managing Director im Kapitalmarktgeschäft einer Großbank.

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