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INTERVIEW mit Investment Banking-Chef: Das Geheimnis hinter dem Personalaufbau von Berenberg

Berenberg

Seit Anfang 2017 ist David Mortlock Mitglied der erweiterten Geschäftsführung von Berenberg, wo er für das Investment und Corporate Banking verantwortlich ist. In einem Interview erläutert er die Wachstumsstrategie der Bank, was Berenberg anders macht und wie junge Leute in Equity Research, Sales & Trading immer noch Karriere machen können.

Berenberg hat den Personalaufbau fortgesetzt, während größere Banken Restrukturierungen vorgenommen haben? Werden Sie auch in 2017 einstellen?

Ja. In den USA planen wir rund 30 Leute einzustellen: 15 Aktienanalysten und fünf Leute in Equity Sales sowie eine Handvoll Salestrader und Trader. Aber es gibt Pläne für weitergehende Einstellungen für 2018 und darüber hinaus. Schließlich wollen wir in den kommenden drei bis fünf Jahren mit unserem US-Geschäft eine ähnliche Größe wie bei unserem britischen und europäischen Geschäft erreichen.

Das würde bedeuten, dass Sie in diesem Zeitraum rund hundert Leute einstellen müssen?

Genau. Die USA stellen den weltweit größten Aktienmarkt dar mit einem Ertragspotenzial von 8,5 Mrd. Dollar. Für uns handelt es sich um eine große Chance.

In den vergangenen Jahren habe ich viel Zeit in den USA verbracht und mit den dortigen Investoren und mit Leuten gesprochen, die dort versuchten ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen – einige sind damit gescheitert. Wir haben ein klares Bild vor Augen, was wir machen wollen und wie viele Leute wir dafür benötigen. Einer der Hauptfehler von Unternehmen besteht darin, dass sie rennen möchten, bevor sie auch nur gehen können und sich zu früh auf zu hohe Kosten einlassen. Wir wollen das ähnlich wie unser europäisches Geschäft aufbauen, indem wir die Kosten parallel zu den Erträgen ansteigen lassen.

Wie sieht es in Großbritannien aus? Stellen Sie dort weiterhin ein?

In Großbritannien gibt es drei Bereiche, in denen wir Personal aufbauen wollen. Das erste ist Sales & Trading und alles, was mit Execution zu tun hat. Dieser Prozess läuft jetzt bereits seit zwei Jahren und hängt mit der Umsetzung von MiFID II zusammen. Wir beabsichtigen, fünf bis zehn Leute für die Execution-Seite einzustellen. Der zweite Bereich ist das Geschäft mit britischen Unternehmenskunden, wo wir ebenfalls fünf bis zehn neue Leute einstellen werden. Wir führen immer mehr ECM-Transaktionen in Großbritannien durch und wir haben auch im Corporate Broking mehr Unternehmenskunden. Wir müssen sicherstellen, dass wir über ausreichend Ressourcen für diese Chancen verfügen.

Der dritte Bereich stellt unser Absolventenprogramm dar. Wir stellen jeden Oktober etwa 25 bis 30 Absolventen ein. Unabhängig von der Marktentwicklung bauen wir unsere Talente von unten her auf. Jenseits des Absolventenprogramms nehmen wir selektive Einstellungen vor. Die Zeiten, als wir unser Personal in Großbritannien aggressiv aufgebaut haben, sind vorbei.

Gibt es Einstellungspläne für Frankfurt?

Wir verfügen über gut ausgestattete ECM- und Equity Sales Teams in Frankfurt. Es gibt keine großen Ausbaupläne fürs Investment Banking in Frankfurt.

Wie stehen die Chancen, dass Sie im Zuge des Brexits Personal von London nach Frankfurt verlagern?

Gering. Als deutsche Bank verfügen wir über eine Banklizenz in der EU und wir besitzen hier auch viele Clearing- und Settlement-Aktivitäten.

Und falls andere Banken gute Leute verlieren, weil sie Geschäft verlagern, dann ergeben sich für uns vielleicht Einstellungschancen. Falls die Unternehmen den Brexit nutzen, um ihre Kosten zu verringern, dann stellt dies ebenfalls eine Chance für uns dar, gute Leute zu gewinnen.

In den vergangenen Jahren haben wir gesehen, dass viele Banken ihr Equity Research, Sales & Trading ganz dichtgemacht oder verkleinert haben. Sie investieren in den Sektor. Was machen Sie anders? Wie verdienen Sie Geld damit?

Wir haben unser Aktiengeschäft in Europa über viele Jahre ausgebaut. Unser Ansatz beginnt von unten mit einer Analyse einzelner Aktien und wir hören von unseren Kunden, dass es sich um eines der besten Produkte in Europa handelt.

Es gibt viele Analyse-Boutiquen, die die 200 größten Werte in Europa beobachten. Das ist auch völlig in Ordnung. Ich denke aber nicht, dass sie sich entsprechend der Branche weiterentwickelt haben. Wir beobachten 650 Aktien, einschließlich 300 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 3 Mrd. Euro. – dazu gehören viele Small und Mid Caps in Großbritannien, Deutschland, der Schweiz und Benelux.

Und das betrifft nicht nur die Aktienanalyse. Wie beschäftigen über 70 Mitarbeiter in Equity Sales, womit wir eines der größten Vertriebsteams in Europa unterhalten. Ein Großteil unseres Geschäfts besteht im Aufbau enger Kundenbeziehungen und in einem guten Kundendienst. Wenn man die Sales-Teams verkleinert droht die Kundenbeziehung verloren zu gehen.

Im Markt sind einige sehr große Banken unterwegs – einige sind stärker als andere. Auf der anderen Seite gibt es viele kleine Boutiquen, Nischenanbieter und Research-Only-Firmen. Wir sind eine mittelgroße Handelsbank. Von unserer Größe gibt es nur noch wenige auf dem Markt – von Unternehmen, die sich nicht alltäglich auf ihre Bilanz verlassen. Wir verfügen über eine gesunde Bilanz, ein stabiles Management und eine stabile Aktionärsbasis, was es uns erlaubt, das Geschäft ordentlich und profitabel auszubauen.

Welchen Rat würden Sie jungen Leuten mit auf den Weg geben, die in diesen schwierigen Marktbedingungen eine Karriere in Equity Research, Sales & Trading anstreben?

Mittlerweile bin ich über 18 Jahre in der Branche. Alle paar Jahre heißt es, das Ende des Investment Bankings und des aktiven Fondsmanagements sei gekommen. Generell handelt es sich bei den Finanzdienstleistungen um eine sehr anpassungsfähige Branche. Mein Rat an junge Leute lautet daher: Genießen Sie den Job, für das, was er ist. Es handelt sich immer noch um eine fabelhafte Karriere. Es geht unglaublich schnell zu, sie ist intellektuell sehr herausfordernd und Sie kommen mit vielen interessanten Leuten und Daten in Kontakt. Sie benötigen wirklichen Enthusiasmus. Falls Sie dies mitbringen, dann können Sie immer noch eine attraktive Karriere machen.

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