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Geplatzter Karrieretraum: „Ich habe meine Jugend mit der Jagd nach einem Finance-Job vergeudet“

Is it worth applying to finance

Pünktlich zum Beginn der Finanzkrise 2008 hat Charlie Park, was natürlich nicht sein richtiger Name ist, sein Studium begonnen. Bear Stearns war bereits zusammengebrochen und von JP Morgan übernommen worden. Lehman war gerade dabei, den gleichen Weg einzuschlagen. Die Reste wurden hier von Barclays verwertet. Obgleich die Finanzwelt in sich zusammenzubrechen drohte, hat Park sein Ziel nicht aus den Augen verloren: Er studierte Wirtschaftsmathematik, um nach seinem Abschluss in den Finanzdienstleistungen unterzukommen. Einen Plan B hatte er nicht.

„Ich habe Wirtschaftsmathematik studiert, um in Finance anzufangen“, erinnert sich Park. „Jeder aus meiner unmittelbaren Familie hat in Finance gearbeitet. Meine Mutter hat in Finance gearbeitet, mein Vater hat in Finance gearbeitet. Damit bin ich aufgewachsen und ich wollte die gleiche Richtung einschlagen.“

Park hatte Glück. Er konnte sich bereits vor dem Abschluss seines Studiums einen Einstiegsjob sichern. Es kam sogar noch besser. Es handelte sich um einen Job bei einem Hedgefonds, die normalerweise kaum direkt von Unis einstellen. Doch bevor seine Karriere richtig losgehen sollte, war sie auch schon entgleist. „Eine Woche vor meinem Abschluss erhielt ich von dem Hedgefonds einen Brief, in dem sie mir mitteilten, dass sie die Einstellung um eine Jahr verschieben müssten“, erzählt Park. „Was konnte ich in dieser Situation unternehmen? Schließlich hatte ich die Einstellungssaison anderswo verpasst.“

Da er also zwölf Monate überbrücken musste, hat er sich halbherzig nach einem Contractor-Job in Finance umgeschaut. „Wenn Sie einen Job in Finance suchen, dann müssen Sie 1000 Prozent in den Bewerbungsprozess investieren“, sagt er. „Das habe ich unterlassen. Denn ich wusste, dass ich in einem Jahr einen Job bei dem Hedgefonds haben würde, also habe ich es auf die leichte Schulter genommen.“ Darüber hinaus erhielt er einen Kurzzeitvertrag bei einer Private Equity-Gesellschaft, bevor er endlich bei dem Hedgefonds anfangen durfte.

Wer indes nach seinem Studium als Analyst bei einer Investmentbank anfängt, profitiert von einer ausgezeichneten Ausbildung. Doch bei dem Hedgefonds war dies nicht der Fall. „Es herrschte kaum eine ausbildungsfreundliche Atmosphäre“, sagt er. „Ich musste mir alles selbst beibringen. Der einzige Weg zu lernen, wie man ein Finanzmodell aufstellt, bestand darin, die bereits existierenden Modelle zu sezieren und zu schauen, wie sie funktionieren. Sie haben mich einfach ins kalte Wasser geworfen und wollten sehen, ob ich schwimmen kann.“

Er blieb etwas länger als 24 Monate. Nachdem der Fonds 30 Prozent seines Anlagevermögens verloren hatte, stand einen Entlassungsrunde an. „Es herrschte ,last in, first out‘ – gleich wie gut die individuelle Performance ausgefallen ist“, sagt Park.

Mit gerade einmal 25 musste er erleben, wie es sich anfühlt, aus der Arbeitslosigkeit heraus einen Job zu suchen. Das ist schwieriger als von der Uni aus. „Es ist sehr schwierig, wieder einen Job bei einem Fonds zu finden, wenn Sie einmal draußen sind“, sagt er. „Jeder geht davon aus, dass Ihr Abgang mit Ihrer Performance zusammenhing und wird die Finger von Ihnen lassen. Nur wenn Sie bei einem Hedgefonds angestellt sind, finden Sie einen Job bei einem anderen Hedgefonds.“

Trotz dieser ungeschriebenen Regel fand Park einen neuen Job. Diesmal handelte es sich um ein sechsmonatiges Praktikum bei einem Hedgefonds. „Es war so etwas wie ein verlängertes Vorstellungsgespräch“, erzählt er. „Sie wollten sehen, wie ich mich schlage und anschließend entscheiden, ob sie mich anstellen oder nicht.“ Nach sechs Monaten stand Park abermals auf der Straße, obgleich er einige der Aktien empfohlen hatte, die in jenem Jahr zu den Werten mit der besten Performance zählten.

Mittlerweile ist Park mit den Finanzdienstleistungen durch. Die vergangenen acht Monate hat er als Business Analyst bei einem IT-Unternehmen verbracht und er will nicht mehr zurück. „Sie schauen auf die Finanzjobs und sehen, dass die Vergütung sehr hoch ausfällt“, sagt er. „Aber es gibt auch beträchtliche Nachteile. Sie versprechen Dir, dass die Arbeitsbelastung im Laufe der Zeit abnimmt – aber das tritt niemals ein. Vielmehr gewöhnen Sie sich einfach an die langen Arbeitszeiten. Es herrschen Nepotismus und Intrigen. Ich habe versucht, Regression und Analysis und andere kompliziertere Datenanalyse-Techniken in meinen Finanzmodellen zu berücksichtigen und traf damit nur auf hartnäckigen Widerstand.“

In seinem neuen Job werde sein Beitrag geschätzt, sagt Park, und auch die Kultur sei ausbildungsfreundlicher. „Es herrscht die Einstellung: ,Die Flut hebt alle Boote‘ und nicht ,Wer nicht frisst, wird gefressen“ und die langen Anwesenheitszeiten wie bei Hedgefonds.“ Mittlerweile ist Park 26 und wünscht sich, schon eher seine Ambitionen in den Finanzdienstleistungen aufgegeben zu haben. „Ich habe das Licht gesehen und ich weiß, wie die Leute in anderen Branchen arbeiten. Ich werde sicherlich nie wieder in diese tiefe, dunkle Welt zurückkehren.“

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