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GASTBEITRAG: Welche Fragen ich als Fintech-Manager in Vorstellungsgesprächen stelle

Hong Kong fintech

Während meiner langen Banking-Karriere in Europa und Asien habe ich schon auf beiden Seiten des Tisches gesessen. Ich war selbst Bewerber und Hiring Manager. Doch heute befinde ich mich als Gründungspartner und Chef des Hongkonger Fintech-Unternehmens FinFabrik eher auf der Arbeitgeberseite. Ich möchte Ihnen einen kurzen Überblick über den Typ von Bankern geben, die Fintech-Start-Ups wie meines gerne anheuern, und welche Fragen wir in Vorstellungsgesprächen stellen.

Von entscheidender Bedeutung ist, dass die Kandidaten ihre Hausaufgaben erledigen – einfach weil wir als kleines Unternehmen darauf achten, dass jemand gut zur Unternehmenskultur passt. Wir  können auch nicht hunderte an Lebensläufen sichten, wie das eine Bank mit der Hilfe eines Headhunters machen kann.

Eine der ersten Fragen lautet stets: „Wieso haben Sie sich bei uns beworben?“ – zumal die Fintech-Unternehmen in Hongkong derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Obgleich Sie alles kennen sollten, was über uns öffentlich verfügbar ist, wollen wir keine Plattitüden hören.

Sie sollten also wissen, wer zu den Gründern zählte, und welche Finanzierungen uns bei der Umsetzung unserer Idee geholfen haben. Doch noch wichtiger ist, dass Sie unsere Marke und unsere Produkte kennen, und wissen, wie diese zu Ihren eigenen Zielen passen.

Darüber hinaus müssen Sie auch unsere Wettbewerber (oder den Mangel an ihnen) kennen und was uns attraktiv macht. Es genügt nicht zu wissen, dass es bei uns eine offene Stelle, ein anständiges Gehalt plus Aktienoptionen gibt.

Falls es Ihnen allein ums Geld geht, dann können Sie sich eine Bewerbung bei uns sparen. Denn bei der Bezahlung können wir nicht mit den Banken mithalten und ihre Aktienbeteiligungen werden womöglich lange brauchen, um ihren Wert zu realisieren.

Wenn Sie verstehen, wie groß und wie weit entwickelt wir sind, dann wissen Sie auch, wie wichtig Multi-Tasking für den Job ist – wobei multipler Feuerwehreinsatz die Sache eigentlich besser trifft. Mit anderen Worten: Sie müssen sehr anpassungsfähig sein und verstehen, welche Rolle bei uns festgelegte Arbeitsmuster spielen oder eben auch nicht.

Eine weitere einführende Frage lautet: „Können Sie sich bitte selbst vorstellen? Für mich ist dabei besonders wichtig, wie Sie Ihre Geschichte aufbauen. Wie Sie die verschiedenen Jobs und Lebensabschnitte miteinander zu eine kohärenten Geschichte verknüpfen.

Unzweifelhaft sollte Ihre Berufserfahrung Sie geformt haben. Doch noch mehr interessiert mich, welche Lektionen Sie im Verlauf Ihrer Berufserfahrung gelernt haben und wie sie die Punkte artikulieren.

Niemand stellt ein fertiges Produkt dar und bei Fintech handelt es sich um eine rasant verändernde Branche. Daher muss in einem Vorstellungsgespräch auch Ihre Bereitschaft zum Lernen herüberkommen.

Geben Sie also nicht vor, mehr zu wissen als tatsächlich der Fall. Ich könnte Sie nach Anlageklassen, dem Markt, der Regulierung, Kunden, dem Geschäft oder der IT fragen und dabei werde ich schnell herausfinden, wie tief Ihr Wissen tatsächlich reicht.

Weiter frage ich Bewerber gern: „Was ist besonders an Ihnen und wie können Sie uns weiterhelfen?“

Ihre „persönliche Marke“ stellt Ihr wichtigstes Charakteristikum und Unterscheidungsmerkmal dar. Schließlich besteht ein Fintech-Start-Up aus vielen beweglichen Teilen und jedes muss zu einem besseren Ganzen beitragen.

Während meiner gesamten Karriere – heute noch mehr als früher – habe ich nach Leuten gesucht, die besser als ich sind. Ich vielen Fällen ist das nicht einmal schwer. Aus bloßem Eigennutz heraus will ich von diesen Leuten lernen und sie werden mich auch auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Doch Vorsicht: Wir sind zwar ein Team von kenntnisreichen, lustigen und passionierten Profis, aber bei uns gibt es kein Platz für große Egos, weshalb Sie besser auch keines mitbringen.

Schließlich lautet meine wichtigste Frage: „Besitzen Sie eine Leidenschaft?“

Dabei geht es gar nicht darum, welche Leidenschaft Sie verfolgen. Vielmehr sagt mir dies, dass Sie etwas haben, an dem Sie sich in schwierigen Zeiten festhalten können.

Meine Leidenschaft besteht im Kampfsport. Daran können Sie schon ablesen, wie ich ticke, falls wir uns bei einem Vorstellungsgespräch in Hongkong treffen sollten.

Alex Medana ist Chef des Fintech-Unternehmens FinFabrik in Hongkong. Davor hat er den Kundendienst der Deutschen Bank im asiatisch-pazifischen Raum geleitet.

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