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Der kleine Unterschied: Die guten Karrierechancen von Investmentbankerinnen

Investmentbankerin

Das bezweifelt auch niemand.

Es gibt einen Ort in Deutschland, wo das Patriarchat noch unangefochten ist: die Handelssäle der Banken. „Der Anteil der Frauen im deutschen Investment Banking liegt unter 10 Prozent“, schätzt die ehemalige Investmentbankerin und heutige Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt.

Nach der Datenbank von Headhunter Jan Graffelder von Look & Graffelder in Frankfurt liege der Anteil der Frauen in der Investment Banking Division (M&A, Equity Capital Markets und Debt Capital Markets) bei rund 10 Prozent. In Sales & Trading seien es sogar nur etwa 5 Prozent. „Es herrscht also ein veritabler Mangel an jungen Investmentbankerinnen“, stellt Graffelder fest.

Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig

Obgleich Frauen rund die Hälfte der BWL-Studenten in Deutschland ausmachen, belegen sie seltener Fachgebiete, die fürs Investment Banking relevant sind. „Das klassische Investment Banking ist für junge Frauen auch nicht wahnsinnig interessant“, sagt Tamm. „Junge Frauen stören sich eher an der hierarchischen Kultur als ihre männlichen Kollegen.“ Der relativ späte Kundenkontakt, wie er in der Branche üblich ist, schrecke Frauen ebenfalls eher ab.

Dagegen sei das Thema Kinder und Familie bei der Berufswahl selten ausschlaggebend. Laut Tamm gelange diese Thematik erst in den Fokus, wenn die Frauen den Berufseinstieg hinter sich und den Associate-Level erreicht hätten. Die Entscheidung zum Ausstieg aus dem Investment Banking werde meist nicht kurzfristig, sondern wohlüberlegt getroffen. „Frauen planen ihr Leben durchaus langfristig“, sagt Tamm.

Die Kultur im Handelssaal sei heute weniger von Testosteron geprägt, als es Filme wie „Wall Street“ oder „Wolf of Wall Street“ suggerieren. „Namentlich die jüngeren Investmentbanker benehmen sich höflich gegenüber Frauen und wissen was sich gehört“, meint Tamm. Allerdings kennt sie auch eine Investmentbankerin, die in einem Großraumbüro die einzige Frau ist. Sie wage es nicht, als letzte zur Arbeit zu erscheinen oder als erste zu gehen. „Da befindet man sich in der klassischen Minderheitensituation“, kommentiert Tamm.

Gehaltsunterschiede nur noch gering

An der Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen scheint es nicht zu liegen. „Es gibt immer noch leichte Gehaltsunterschiede“, beobachtet Graffelder zwar. „Die fallen allerdings deutlich geringer als in anderen Branchen aus.“

Frauen müssen sich nur melden

Die Banken haben das Problem schon seit längerem erkannt und versuchen gegenzusteuern. In London soll es sogar schon Investment Banken geben, die 80 Prozent ihrer Einstiegsjobs an Frauen vergeben, wie ein ehemaliger Investment Banker berichtet.

Ohnehin seien Associates und vor allem Junior Vice Presidents in Bereichen wie M&A Mangelware. „Es gab einfach ein paar Jahre, in denen zu wenig eingestellt wurde“, sagt Graffelder. Einen weiblichen Junior Vice President zu finden, falle umso schwerer. Dennoch wollen sämtliche Banken ihre Frauenquote im Investment Banking steigern. „Die Personalabteilungen haben oft sogar Anweisung von ganz oben, die Frauenquote zu erhöhen“, sagt Graffelder. Entsprechend begehrt seien Investmentbankerinnen in Frankfurt. „Falls eine Stelle zu besetzen ist, dann verlangen meine Kunden mittlerweile regelmäßig, dass sich unter meinen eingereichten Kandidaten wenigstens eine Frau befindet“, berichtet Graffelder.

Dies führt zu kuriosen Situationen. Obgleich z.B. offene Stellen in Sales & Trading in Frankfurt selten und Kandidaten zahlreich sind, hätten weibliche Bewerber gute Aussichten. „Mir haben sogar schon Kunden gesagt, wenn ich eine Frau für den Bereich Sales & Trading habe, dann könne ich sie auch ohne Vakanz vorbeischicken“, erzählt Graffelder. „‚Die kriegen wir schon an Bord‘, heiße es.“


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