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Commerzbank im Bonuslimbo ganz vorn: Es gibt aber auch Hoffnung

Commerzbank

Bei der Bezahlung gewinnt die Commerzbank jeden Limbo-Wettbewerb. (Foto: Getty Images)

Es geht immer noch etwas tiefer. Das mussten die Commerzbank-Mitarbeiter abermals am eigenen Portemonnaie erfahren. Die Boni werden um weitere 100 Mio. zusammengestrichen. Da der Bonuspool im Vorjahr bei gerade einmal 318 Mio. Euro lag, stellt dies ein Minus von fast einem Drittel dar. Finanzchef Stephan Engels führte dies auf den Personalabbau und die geringere Profitabilität zurück. „Das ist für unsere Kolleginnen und Kollegen keine gute Nachricht, aber folgerichtig, da die variablen Vergütungen an die Performance der Bank gebunden sind“, sagte Engels.

Im internationalen Vergleich stellt die Commerzbank immer schon ein Bonusleichtgewicht dar. Zwar hat die Deutsche Bank angekündigt, die individuellen Boni für sämtliche Mitarbeiter vom Vice President aufwärts zu streichen, dennoch rechnen Beobachter trotz eines Milliardenverlusts nur mit einer Halbierung des Bonuspools auf 1,2 Mrd. Euro.

Erst 1350 von 9600 Stellen eingespart

Auch beim Personalaufwand kommt die Commerzbank voran. 2016 konnte die Bank rund 1350 Stellen einsparen. Im Herbst hatte die Bank angekündigt, 9600 Stellen bis 2020 abzubauen. Laut Engels werden Stellenabbau und die damit eingesparten Kosten erst nach 2017 voll in den Ergebnissen sichtbar. Die Bank werde „soweit wie irgend möglich“ auf betriebsbedingte Kündigung verzichten. Eine endgültige Einigung mit dem Betriebsrat stehe jedoch noch aus. Tatsächlich konnte die Bank ihre Gesamtkosten gerade einmal um 57 Mio. Euro auf 7,1 Mrd. Euro senken. Verantwortlich dafür waren u.a. zusätzliche Ausgaben wie etwa für die neue Bankenangabe in Polen.

Quelle: Commerzbank

Quelle: Commerzbank

Gewinn purzelt auf gut ein Drittel

Doch die Bank hat nicht nur ein Kosten, sondern vor allem eine Ertragsproblem. Die Erträge purzelten 2016 um 4 Prozent auf 9,4 Mrd. Euro. Unterdessen kletterte die Kreditvorsorge um über 200 Mio. auf rund 900 Mio. Euro – verantwortlich hierfür war einmal mehr das kriselnde Schifffahrtsgeschäft. Dieser Wert soll in 2017 wieder auf unter 600  Euro zurückgehen. Unter dem Strich stand ein Vorsteuerergebnis von 643 Mio. Euro – im Vorjahr waren es noch 1,8 Mrd. Euro gewesen. Dabei profitierte die Commerzbank 2016 auch noch von einige Sondereffekten. Die Aufwands-Ertragsquote im operativen Geschäft verschlechterte sich von 73,1 auf 75,5 Prozent. Die Bank mussten für jeden Euro Ertrag also fast 76 Cent auf den Tisch legen.

Schwaches Firmenkundengeschäft

Dabei schwächelt auch der traditionelle Geldbringer des Konzerns, das Firmenkundengeschäft. Hier purzelten die Erträge um fast 10 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro und das operative Ergebnis um sogar 24 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Wieder einmal glänzte das Mittelstandsgeschäft, das mit Erträgen von gut 1,9 Mrd. Euro fast auf Vorjahresniveau lag. Das Aktiengeschäft (EMC) ging um 22 Prozent auf 329 Mio. Euro zurück. Im Filialgeschäft lagen Erträge und operatives Ergebnis mit 4,8 bzw. 1,1 Mrd. Euro nur leicht unter Vorjahresniveau.

Beste Chancen für IT-Experten bei der Commerzbank

Doch auch bei der Commerzbank ist nicht zappenduster. So hat die Bank ihren „Digital Campus“ in Frankfurt mit derzeit rund 300 Mitarbeitern an den Start gebracht. Diese Zahl könnte mittelfristig auf 1000 Beschäftigte aufgestockt werden. Bis 2020 will die Bank 80 Prozent aller relevanten Prozesse digitalisiert haben. Das Beispiel Commerzbank bestätigt einmal mehr, dass derzeit die IT noch vor der Compliance in der Bankenbranche der Beschäftigungsgarant ist.

Entwarnung gibt es auch von der Eigenkapitalfront. Allein vom dritten zum vierten Quartal legte die Kernkapitalquote von 11,8 auf 12,3 Prozent zu. Damit liegt die Commerzbank über den 10,75 Prozent, die die Europäische Zentralbank in Zukunft von der Bank verlangt.

Brexit: Keine Abzugspläne aus London

Noch beschäftigt die Commerzbank an ihrem Londoner Standort in der Gresham Street rund 1000 Mitarbeiter. „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits Kapaziäten von London nach Frankfurt verlagert”, sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke. Dies sei im Zuge früherer Restrukturierungen erfolgt. „Das macht uns entspannter. Ich sehen keinen Handlungsbedarf für unser Haus.”


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