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Die acht ärgerlichsten Fehler bei Consulting-Bewerbungen

Consultant

So mancher Consultant hält sich für Superman oder -woman (Foto: Getty Images)

Die Consulting-Branche brummt. Die Analysten von JP Morgan rechnen, dass allein bei der Deutschen Bank bis zu 30.000 Consultants im Einsatz sind – bei nur 100.000 Mitarbeitern. Entsprechend gesucht sind derartige Profile. „Von der großen Strategieberatung bis zur kleinen Consulting-Boutique suchen alle“, bekräftigt Headhunter Raphael Rosenfeld  von Argos Advisors in München. Allerdings begehen auch kluge Consultants weniger kluge Fehler im Bewerbungsprozess:

1. Die Projektliste fehlt

„Ärgerlich ist, dass ich immer wieder einer Projekt-Übersicht hinterhertelefonieren muss“, betont Headhunter Marcus Michel von contagi PERSONAL in Frankfurt. In der Consulting-Branche zähle die Projektarbeit zum Alltag. „Wie ein Track Record in M&A gehört daher eine Projekt-Liste zu einer jeden Consulting-Bewerbung.“ Die Liste stelle einen separaten Anhang zum Lebenslauf dar und enthalte Projekt-Titel, die Projekt-Leitung, Budget bzw. Projektgröße, Dauer, die eigene Rolle dabei und ob das Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde oder nicht. „Da gilt die Regel: Lieber mehr als weniger. Kürzen kann man immer noch“, rät Michel.

Diese Daten ließen sich durchaus zusammenfassen, ohne gegen Diskretion oder Datenschutz zu verstoßen. Statt „Goldman Sachs“ schreibe man dann eben von „internationaler Großbank“.

2. Mangelnde Reisebereitschaft

„Es kommt immer wieder vor, dass Kandidaten in einem Vorstellungsgespräch sagen, dass sie nur zwei oder drei Tage die Woche reisen wollen“, berichtet Michel. Im Consulting gehöre die Reisebereitschaft einfach dazu. Auch sei es unrealistisch gewissermaßen als Gegenleistung für eine höhere Reisetätigkeit einen Gehaltsaufschlag von 30 Prozent zu verlangen. Bei einem Arbeitgeberwechsel seien eher Steigerungen zwischen 10 bis 20 Prozent verhandelbar.

3. Sein Netzwerk nicht nach Insider-Infos zu fragen

PwC, EY, KPMG und Deloitte beschäftigen unzählige Mitarbeiter. „Jeder kennt jemanden, der bei dem fraglichen Unternehmen arbeitet“, sagt Rosenfeld. „Daher wird erwartet, dass die Kandidaten sich bei jemanden aus ihrem Netzwerk über die Interna informieren.“ Das gelte nicht allein für die Big 4, sondern auch für die einschlägigen Strategieberatungen. „Wer dort zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, kennt dort auch einen Mitarbeiter z.B. aus dem Studium. Er muss ja nicht unbedingt in der gleichen Praxis-Gruppe arbeiten“, meint Rosenfeld. „Gute Leute kennen gute Leute, sage ich immer.“ Wer keine Insider-Infos einhole, sich über den Arbeitgeber in spe nicht ausreichend informiere und nur das Übliche wiedergeben könne, signalisiere damit wenig Interesse an der Stelle. Kandidaten sollten sich vor einem Gespräch also über Fortbildungsmöglichkeiten, Events und ähnliche Interna informieren. Von renommierten Arbeitgebern werde eine überdurchschnittliche Vorbereitung erwartet.

4. Sich fürs Zentrum des Universums zu halten

„So mancher Consultant hält sich für das Zentrum des Universums, um den die Planeten kreisen“, kritisiert ein Headhunter, der nicht genannt werden möchte. „Die Kandidaten haben keine Zeit für ein Telefonat oder nur für fünf Minuten am Flugsteig, bevor sie in den nächsten Flieger steigen.“ Dies gelte nicht nur für die Consultants der großen Strategieberatungen, sondern auch für die Mitarbeiter der Big 4. Der Headhunter wünscht sich mehr Bodenständigkeit und Kooperationsbereitschaft. Allerdings gesteht der Headhunter ein, dass einige Consultants derart viele Anfragen von Personalberatern erhalten, dass sie manchmal genervt sind.

5. Durchblicken zu lassen, dass es bloß ums Geld geht

Bei einem Wechsel des Arbeitgebers werden Kandidaten regelmäßig nach der Motivation für diesen Schritt gefragt. „Da will der Arbeitgeber dann einen guten Grund hören“, betont Rosenfeld. Keinesfalls dürfe der Kandidat durchblicken lassen, dass es ihm bloß ums Geld gehe.

6. Das Problem mit den Standardbewerbungen

Regelmäßig bewerben sich Kandidaten mit den immer gleichen Anschreiben und Lebensläufen auf unterschiedliche Stellen. Dies sei zwar keine Besonderheit von Consulting-Bewerbungen, aber dennoch ärgerlich. „Lebenslauf und Anschreiben müssen immer maßgeschneidert für die jeweilige Stelle werden“, betont Rosenfeld. „Dazu muss der eigene Lebenslauf mit dem Anforderungsprofil der Stelle abgeglichen werden.“

7. Zögerliche Rückmeldungen

Motivation zeige sich auch an rascher Kommunikation. Rosenfeld empfiehlt, jede E-Mail z.B. bei der Abstimmung der Termine von Vorstellungsgesprächen zügig zu beantworten. „Es ist vollkommen in Ordnung zu schreiben, dass man an dem Termin verhindert sei.“ Die Antwort herauszuschieben, komme jedoch schlecht an.

8. Mangelnde Pünktlichkeit

Es handelt sich eigentlich um eine Selbstverständlichkeit, dennoch wird es regelmäßig falsch gemacht. „Es kommt immer wieder vor, dass Kandidaten zu spät zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen. Das stellt ein absolutes Tabu dar. Man muss immer einen Puffer einplanen“, kritisiert Rosenfeld. Seiner Erfahrung nach scheint diese Sekundärtugend vor allem jüngeren Kandidaten abzugehen. „Und wenn man tatsächlich zu einem Vorstellungsgespräch wegen eines gestrichenen Fluges oder Zuges oder einer Vollsperrung zu spät zu kommen droht, dann muss man das frühzeitig dem Unternehmen mitteilen“, betont Rosenfeld. „Dann nehmen das die Arbeitgeber positiver auf und versuchen das Gespräch dann doch noch zu ermöglichen.“


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