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Die große Illusion Theresa Mays: Wieso sich ein einheitlicher Finanzmarkt von USA und UK als Bumerang erweisen könnte

Passporting UK US Trump

Wenn die britische Premierministerin Theresa May den frisch ernannten US-Präsidenten Donald Trump an diesem Freitag treffen wird, liegen große Hoffnungen der Londoner City auf ihr. Angeblich spielt Trump mit dem Gedanken, ein neues Handelsabkommen zu offerieren, das den Banken im jeweils anderen Land einen freien Marktzugang „bei minimalen regulatorischen Hürden“ eröffnet. Für britische Ohren klingt dies zunächst verführerisch. Dennoch mahnen City-Veteranen zur Vorsicht.

„Großbritannien droht weitaus mehr Geschäft an New York als an die EU zu verlieren“, warnt David Buik, der Marktkommentare für die unabhängige Bank Panmure Gordon in London verfasst. Buik hat selbst für den Brexit gestimmt, dennoch warnt er May ganz genau nachzudenken, bevor sie ein Angebot Trumps annimmt. „Die Verbindung von New Yorks Trading-Kompetenz und die mögliche Aufweichung regulatorischer Kontrollen machen New York zu einem attraktiven Ort für Geschäfte.“

Der Analyst von US-Banken Christopher Wheeler von Atlantic Equities in London hat bereits 37 Jahre in der Londoner City verbracht. Auch er mahnt zu Vorsicht: „Die Chefs der US-Banken haben bereits signalisiert, dass sie nach einem Brexit wahrscheinlich mehr Personal nach New York verlagern und Trump könnte versucht sein, dies zu erleichtern.“ Laut Wheeler könne so ein vermeintlicher Sieg für die City zu einem regelrechten Bumerang werden. „Wenn es einfacher ist in New York Geschäfte zu machen, wieso verlagern Sie nicht einfach Personal nach New York und sparen damit sogar noch Kosten?“

Allerdings sind auch Vorteile eines einheitlichen Finanzmarktes zwischen den USA und Großbritannien denkbar. David Mortlock ist Global head of equities bei Berenberg und leitet die Londoner Niederlassung der Hamburger Bank. Ihm zufolge könnte es sich um eine gute Sache handeln. „Die USA verfügen über die tiefsten und profitabelsten Kapitalmärkte der Welt und es würde britischen Unternehmen helfen, einen leichten Zugang zu diesen Märkten zu haben, um so leicht Eigen- und Fremdkapital aufzunehmen.“ Ein solches Abkommen könnte auch einen Joker in den anstehenden Verhandlungen mit der EU darstellen. „Wenn die EU eine Kapitalmarktunion anstrebt, dann denke ich nicht, dass sie wollen, dass Großbritannien in Richtung USA blickt.“

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Je mehr sich Großbritannien an der amerikanischen Regulierung (oder Nichtregulierung) orientiert, desto weiter driftet sie vom regulatorischen Umfeld der EU ab. Mortlock gesteht, dass sich dies zu einem Problem auswachsen könne. Seiner Einschätzung nach würden allerdings übereinstimmende Regulierungen und das sogenannte „Passporting“ überschätzt. „Im Großhandelsgeschäft stellt Passporting das falsche Thema dar“, sagt er und verweist dabei auf einen Artikel der Financial Times. „Es gibt keinerlei Passvorschriften, dass Aufträge an den Börsen der City ausgeführt werden müssen, ebenso wenig wie in New York, Chicago oder Tokyo“, heißt es dort. Das sieht Mortlock ganz ähnlich: „Großkunden kaufen bereits Finanzprodukte rund um den Globus, ohne sich um das Passporting zu scheren. Und sie werden diese Produkte nach einem Brexit auch weiterhin in Großbritannien kaufen.“

Ein solches Abkommen mit den Vereinigten Staaten könne überdies Londons Rolle als Brücke zwischen den USA und Asien stärken. „Die Londoner City hat, was die Zeitzone und die geografische Lage betrifft, Vorteile gegenüber New York. Wir verfügen seit 70 Jahren über die Infrastruktur und besitzen einen exzellenten Track Record und es herrscht keinerlei Inselmentalität“, sagt Buik. Allerdings gebe es auch keinen Grund für Selbstgefälligkeit. Der Aufstieg von Shanghai könne Offshore-Finanzplätze wie London in der Zukunft überflüssig machen.

Auch Wheeler hält die Hoffnungen, wonach London zu dem Offshore-Finanzzentrum Chinas avancieren könne, für übertrieben. „Die chinesischen Banken siedeln sich bereits in Luxemburg an, um eine Basis in der EU zu haben“, sagt Buik. Vor allem aber müsse sich die die britische Regierung darüber klar sein, dass die Amerikaner zunächst ihre Eigeninteressen verfolgen. „Eine helfende Hand wird es nicht gratis geben.“

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