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Null-Bonus und Stellenabbau: Verlassen die Deutsche Bank-Mitarbeiter das sinkende Schiff?

Illustration of businessman on sinking boat

Keine Frage, die Deutsche Bank hat schon bessere Zeiten erlebt: Erst die großangelegte Restrukturierung samt Wegfall tausender Stellen; jetzt auch noch die weitgehende Streichung der Boni vom Vice President aufwärts. Damit scheinen alle Zeichen auf eine große Abgangswelle beim Personal zu stehen – eigentlich.

Exodus lässt auf sich warten

„Bei uns melden sich nicht vermehrt Mitarbeiter der Deutschen Bank“, sagt Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim, der vor allem für M&A und das Corporate Banking sucht. „Vielleicht sind Mitarbeiter der Deutschen Bank für Headhunter leichter ansprechbar, das ist aber schon alles.“

„Noch registrieren wir keine verstärkte Nachfrage von Investmentbankern der Deutschen Bank“, beobachtet Headhunterin Magdalena Bohn von MB Consulting in Frankfurt. Sie geht ebenfalls davon aus, dass die Ansprechbarkeit der Kandidaten höher als in der Vergangenheit ausfalle. Während früher die Deutsche Bank in Frankfurt als das Maß aller Dinge gegolten habe, seien die Mitarbeiter des Konzerns heute eher bereit, zu anderen Adressen zu wechseln. „Der Ruf der Deutschen Bank hat in der jüngsten Vergangenheit schon sehr gelitten.“

Wo ein Wille ist, ist meist kein Weg

Doch ohne freie Stelle anderswo führt auch der stärkste Wechselwille nirgendwohin. „In den meisten Bereichen des Investmentbankings gibt es einfach zu wenige Stellen in Frankfurt“, kommentiert Bohn. „Wir empfehlen den Kandidaten immer, nicht vorschnell zu kündigen, sondern abzuwarten, bis sich eine passende Gelegenheit bietet.“

Ganz ähnlich sieht dies Headhunterin Angela Hornberg von Advance Human Capital in Frankfurt: „Wir haben ganz klar einen Arbeitgebermarkt. Es gibt einfach zu viele Banker im Markt, die entweder schon Opfer der x-ten Restrukturierung geworden sind oder unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber waren.“

Die hohen Fixgehälter verlocken nicht gerade zu einem Wechsel

Für die geringe Nachfrage von Deutsch-Bankern macht Headhunter Thomas von Ciriacy-Wantrup von Fricke Finance & Legal in Frankfurt die hohen Jahresgehälter des Konzerns mitverantwortlich. Als die EU die Boni von Bankern bei dem Doppelten des Jahresgehaltes deckelte, hat u.a. die Deutsche Bank ihre Grundgehälter signifikant angehoben. „Die Fixgehälter sind mittlerweile so hoch, dass sich viele schlechter stellen, wenn sie die Deutsche Bank verlassen würden“, meint von Ciriacy-Wantrup. Entsprechend gering falle der Wechselwille aus.

Unterdessen hält Hornberg die Bonus-Kürzungen für überfällig. „Schon seit Jahren sage ich, dass der Glaubenssatz, dass man für gute Leute horrendes Geld zahlen müsse, einen Irrweg darstellt. Damit finden Sie nur Söldner, die den eigenen Geldbeutel über die Interessen der Bank stellen“, kritisiert Hornberg. In jedem BWL-Lehrbuch könne man nachlesen, dass es sich beim Geld nur um einen kurzfristigen Motivator handelt. „Es ist höchste Zeit, sich von diesen Glaubenssatz zu verabschieden.“


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