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GASTBEITRAG: Wieso Weihnachten die schlimmste Zeit des Jahres im Banking ist

Christmas in banking

Die Weihnachtszeit im Banking ist schlimm. Eigentlich sollte dies offensichtlich sein. Das ganze Jahr reduziert sich auf einen Monat. Schließlich wird die Frage beantwortet, ob Sie das Anderthalbfache oder sogar Doppelte Ihres Jahresgehalts als Bonus erhalten oder aber vor die Tür gesetzt werden.

In meinen 17 Jahren im Banking habe ich eine Reihe von Bankern erlebt, denen pünktlich zu Weihnachten und damit vor der Bonussaison gekündigt wurde. Das ist zwar unfair, kommt aber vor. Und dabei geht es nicht nur um das liebe Geld. Zu dieser Jahreszeit ergeben sich auch Probleme rund um das Thema Beförderungen. Meine schlechtesten Zeiten lagen daher immer im Dezember. So wurde mir 2010 gesagt, dass ich nicht zum Managing Director befördert werde. Ich bin buchstäblich nachhause gegangen, um mich auszuheulen. Meine Frau kann Ihnen ein Lied davon singen. Ich durfte miterleben, wie sich diese Geschichte regelmäßig wiederholte – gleich ob es sich um die Beförderungen zum Vice President, Managing Director oder Partner handelte.

Doch belassen wir es dabei. Falls Sie in den Finanzdienstleistungen arbeiten, dann kennen Sie das ohnehin. Die eigentliche Frage lautet eher, wie Sie damit umgehen.

Zunächst müssen Sie sich vergegenwärtigen: Selbst wenn Sie zu den schlechtbezahltesten Leuten im Banking gehören, kassieren Sie doch weitaus mehr als in der Realwirtschaft. Laut dem Datenanbieter PayScale liegt die Durchschnittsvergütung eines Geschäftsführers in Großbritannien beispielsweise bei 280.000 Pfund (333.000 Euro). Dies kassieren 54jährige nach drei Jahrzehnten Arbeit. So mancher Investmentbanker dürfte sich angesichts solcher Summen überbezahlt fühlen.

Falls Sie mit einer Jahresvergütung von 250.000 bis 350.000 Euro nicht auskommen, sollten Sie sich erst einmal Ihren hedonistischen Lebensstil abgewöhnen, bevor es dafür zu spät ist. Doch bei den meisten Leuten geht es gar nicht um das Geld selbst, sondern um die Wertschätzung, die damit ausgedrückt wird.

Es geht also ums Ego. Und übersteigerte Egos führen zu Neid und Stolz. Als ich noch im Banking arbeitete, stellt mein eigenes Ego zweifelsohne meinen größten Feind dar. All mein Ärger unterbezahlt zu sein, stammte aus dem Vergleich mit anderen Leuten. Ich brauchte das Geld gar nicht, um meinen Lebensstandard zu halten, doch für mein Ego war es überlebenswichtig. Ich musste mir selbst beweisen, dass ich 1 Mio. Dollar wert war. Mein Selbstwertgefühl war an die Bilanz der Bank, meine Jahresvergütung und meinen Jobtitel gebunden.

Das stellte einen großen Fehler dar. Rasch ertrug es mein Ego nicht mehr, dass ein Kollege 10 bis 30 Prozent mehr kassierte. Anstatt mir vor Augen zu führen, dass ich drei- bis viermal mehr verdiente, als ich es mir mit 22 vorstellen konnte, drehte ich durch, nur weil irgendwer mehr als ich verdiente. Wenn man darüber nachdenkt, hört sich das reichlich absurd an. Doch haben Sie das nicht auch schon mal erlebt?

Drittens erweist es sich oft als Segen, nicht befördert worden zu sein. Sie würden überrascht sein, wie Stress und Erwartungen mit jeder Beförderung zunehmen. Normalerweise besteht der einzige Grund, eine Beförderung zu wünschen, in unserem eigenen Stolz. Wir wollen, dass die Welt anerkennt, wie großartig wir sind. Wir wollen den neuen Stellentitel in unserem eigenen LinkedIN-Profil lesen. Dazu hat Starinvestor Warren Buffett vor einigen Jahren etwas sehr Kluges gesagt:

„Sie sollten Ihr Leben nach Ihren eigenen Wertmaßstäben leben und sich nicht an anderen orientieren. …  Würden Sie lieber als der großartigste Liebhaber der Welt betrachtet werden, obwohl Sie selbst wissen, dass Sie der schlechteste sind? Oder würden Sie lieber wissen, dass Sie der beste Liebhaber der Welt sind, auch wenn andere Sie für den schlechtesten halten?“

Anstatt sich auf anstehende Beförderungen zu versteifen, sollten Sie versuchen, auf dem Level eines Managing Directors mitzuspielen, obwohl Sie nur ein Vice President sind. Denn Sie müssen erst beweisen, dass Sie die Beförderung verdient haben.

Bei meiner alten Firma gab es das Sprichwort: „Du musst den Job erledigen, bevor Du ihn bekommst.“ Falls Sie wie ein Vice President handeln und den Job eines Vice Presidents erledigen, dann werden Sie auch immer ein Vice President bleiben. Sie erhalten den Jobs erst, wenn Sie bewiesen haben, dass Sie ihn auch erledigen können.

Daher werden Beförderungen eher zwei Jahre zu spät als zu früh ausgesprochen. Sie haben alle Zeit der Welt. Auf lange Sicht spielt das alles keine Rolle.

Nachdem wir uns mit diesen Ärgernissen abgegeben haben, will ich Ihnen auch ein paar Tipps geben, wie Weihnachten mehr Spaß macht:

1. Wie groß auch immer Ihre Vergütung ausfällt, Ihre Oma wird Sie immer für einen Rockstar halten.

2. Die meisten von uns können sich glücklich schätzen, weder behindert noch todkrank zu sein. Das ist wertvoller als jeder noch so hohe Bonus.

3. Seien Sie dankbar für alles, was Sie bislang erreicht haben.

4. Und schließlich: Sie müssen niemanden dazu bringen, wie ein Rockstar bezahlt zu werden, denn eigentlich werden Sie das schon.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street“ (WilowWallStreet.com).

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