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Eine ganz besondere Spezies: Wie Ex-McKinsey-Berater das Schweizer Banking steuern

McKinsey

Der Mackie stellt zwar eine rare, aber keinesfalls vom Aussterben bedrohte Spezies dar. Er ist stets vorzüglich ausgebildet und bringt beste Referenzen mit. Sein bevorzugter Lebensraum sind Vorstände von Großbanken wie UBS und Credit Suisse. Dagegen sucht er die Nahrungsgründe in den Vorständen kleinerer Banken wie Vontobel oder LGT nur selten auf, den von Julius Bär meidet er sogar gänzlich.

Offenkundig beginnt eine außerordentliche Karriere häufig bei der Strategieberatung McKinsey, während es die Konkurrenten von Boston Consulting, Bain oder Roland Berger deutlich seltener in die Vorstände Schweizer Banken verschlägt. Konkret:

1. Credit Suisse: Vier Mackies im Vorstand

Tidjane Thiam, Konzernchef

Thiam hat so alles mitgenommen, was französische Elitehochschulen an Ausbildung bieten. Zunächst hat er Mathematik und Physik an der École National Supérieure des Mines in Paris studiert und anschließend einen MBA vom INSEAD in Fontainebleau in der Nähe von Paris erworben. Bis 1994 arbeitete er als Berater bei McKinsey in Paris, London und New York – zuletzt als Partner. Nach einigen Jahren in der öffentlichen Verwaltung der Elfenbeinküste kehrte er von 2000 bis 2002 zu McKinsey in Paris zurück. Anschließend war er bis 2015 für die Versicherungsunternehmen Aviva und Prudential tätig – zuletzt als Vorstandschef.

Pierre-Olivier Bouée: Chief Operating Officer

Bouée hat eine sehr französische Karriere gemacht. Nach einem Jurastudium und einem BWL-Studium in Paris hat er die École Nationale d’Administration absolviert, die die obersten Führungskader des französischen Staates heranzieht. Entsprechend hat er seine Karriere in leitenden Funktionen im französischen Superministerium für Wirtschaft und Finanzen begonnen. Danach stand die „Pantouflage“ an, worunter in Frankreich der Wechsel vom höheren Staatsdienst in die freie Wirtschaft verstanden wird. Bouée arbeitete von 2000 bis 2004 gemeinsam mit Thiam bei McKinsey und folgte ihm zu Aviva, Prudential und der Credit Suisse – ein bewährtes McKinsey-Gespann also.

Peter Goerke, Personal- und Marketing-Chef

Goerke hat BWL an der Uni St. Gallen studiert und war von 1997 bis 2000 Berater bei McKinsey in Zürich und Chicago. Ebenso wie Thiam und Bouée war er vor 2015 einige Jahre beim Versicherungsriesen Prudential tätig.

Joachim Oechslin, Risikochef

Nach einem Ingenieursstudium in Winterthur und einem Mathematikstudium an der ETH Zürich hat Oechslin seine Karriere 1998 bis 2001 bei McKinsey begonnen. Vor seiner Berufung zum Risikochef der Credit Suisse arbeitete der Schweizer bei Winterthur, AXA und Munich Re.

2. UBS: Drei Mackies plus ein BCG-Alumni im Vorstand

Martin Blessing: Chef des Filialgeschäfts und der UBS Schweiz

Nach einem Studium an der Uni St. Gallen und einem MBA an der University of Chicago hat der Spross einer alten Bankerdynastie 1989 bei McKinsey & Company begonnen, wo er es bis 1996 zum Partner brachte. Erst 1997 wechselte er zur Dresdner Bank. Bevor er im September seine Stelle bei der UBS antrat, war er viele Jahre Chef der Commerzbank.

Sabine Keller-Busse, Personalchefin

Sabine Keller-Busse besitzt einen Master und eine Promotion der Uni St. Gallen. Von 1995 bis 2008 – also rund 13 Jahre – arbeitete die heutige UBS-Personalchefin bei McKinsey. Erst 2008 – also vor rund acht Jahren – ist sie ins Banking gewechselt, indem Sie das Privatkundengeschäft der Credit Suisse für die Region Zürich leitete.

Ulrich Körner, Chef des Asset Managements und der UBS EMEA

Auch Ulrich Körner hat BWL an der Uni St. Gallen studiert. Nach der Promotion hat Körner 1989 seine Karriere als Wirtschaftsprüfer bei PwC begonnen. Von 1993 bis 1998 arbeitete er als Unternehmensberater bei McKinsey in Zürich. Ins Banking wechselte Körner 1998 – als Finanzchef der Credit Suisse Schweiz.

Andrea Orcel, Chef des Investment Bankings

Orcel ist kein Mackie, sondern gehört der artverwandten Spezies der Boston Consulting Group-Alumni an, die es deutlich seltener in die Vorstandsetagen Schweizer Banken schafft. Der Italiener hat nach seinem Studium der BWL an der Uni Rom und einem MBA am INSEAD seine Karriere bei Boston Consulting begonnen, wo es ihn nicht lange hielt. Schon Anfang des 90er Jahre wechselt es ins Investment Banking von Goldman Sachs und Merrill Lynch.

3. LGT: Zwei Mackies im Vorstand

Roberto Paganoni: Chef von LGT Capital Partners in Pfäffikon

Der Diplom-Ingenieur der RWTH Aachen hat anschließend in BWL an der Uni St. Gallen promoviert. Von 1989 bis 1997 war Schubiger in verschiedenen Stationen bei McKinsey in Düsseldorf, Brüssel und Zürich tätig. Anschließend wechselte er als Head of Alternative Assets zur LGT in Zürich.

Olivier de Perregaux: Finanzchef

Olivier de Perregaux hat nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Uni St. Gallen seine Karriere bei McKinsey begonnen. Nach zwei Jahren bei Zurich Financial Services verschlug es den Schweizer 1999 zur LGT, wo er seit 2006 Finanzchef ist.

4. Vontobel: Ein Mackie im Vorstand

Georg Schubiger: Chef des Private Bankings

In den Vontobel-Vorstand hat sich allein ein Mackie verirrt. Schubiger hat BWL in St. Gallen und Politische Wissenschaft am College of Europe in Brügge studiert. Von 1996 bis 2002 war er bei McKinsey beschäftigt. Nach einigen Stationen bei skandinavischen Banken wechselte Schubiger 2012 zu Vontobel, wo er das Private Banking verantwortet.

Fazit

Nicht nur gelernte Banker machen eine Karriere im Banking. Wer es bis an die Spitze einer Schweizer Großbank bringen möchte, hat beste Chancen, wenn er nach dem Studium bei McKinsey beginnt. Bei Credit Suisse und UBS sitzen immerhin sieben ehemalige McKinsey-Berater im Vorstand.

An der Credit Suisse lässt sich überdies schön erkennen, wie die Netzwerke der Mackies funktionieren: Thiam, Bouée und Goerke kennen sich nicht nur von der Strategieberatung her, sondern haben gemeinsam bei Prudential gearbeitet.

Doch auch über den Einstieg in die Strategieberatung lassen sich aus unserer Zusammenstellung interessante Schlüsse ziehen: McKinsey scheint seinen Nachwuchs besonders gern von der Uni St. Gallen zu rekrutieren. Von den zehn Mackies haben immerhin sieben dort Wirtschaftswissenschaften studiert.


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