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Die kranken deutschen Banken: Bain erwartet Abbau von 115.000 Stellen

Notaufnahme

Wenn es nach Bain geht, bedarf die deutsche Bankenlandschaft einer Notoperation.

Die Strategieberatung Bain & Company stellt den deutschen Banken ein vernichtendes Zeugnis aus. Laut der neuen Studie „Deutschlands Banken 2016: Die Stunde der Entscheider“ gibt es zwischen Ost- und Bodensee noch 115.000 Banker zu viel. 2015 beschäftigte die Branche hierzulande noch 613.000 Mitarbeiter. Zum Vergleich: In Großbritannien waren es gerade einmal 321.000 Beschäftigte, obgleich der Anteil der Branche an der Volkswirtschaft weitaus höher ausfällt als in Deutschland. Im bevölkerungsreicheren Japan waren es gerade einmal 297.000 Beschäftigte.

Während Deutschlands Banken bei der Beschäftigung spitze sind, belegen sie bei der Rentabilität in Bains Vergleichsstudie den letzten Platz. Von 2012 bis 2015 generierten die Institute hierzulande eine jährliche Eigenkapitalrendite von durchschnittlich mickrigen 2 Prozent – zu wenig um die Eigenkapitalkosten von 6,5 Prozent zu erwirtschaften. Dagegen waren es in Großbritannien 3, in Frankreich 5 und in den Vereinigten Staaten sogar stolze 9 Prozent. Diese Daten zeigen, dass die deutsche Bankenlandschaft die Krise noch lange nicht überwunden hat.

Quelle: Bain

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Verantwortlich für das Desaster sind laut Bain die Kleinteiligkeit der deutschen Bankenlandschaft mit ihren rund 1700 Instituten. Dadurch würden Skaleneffekte entfallen und der Wettbewerb verstärkt. Einen weiteren Grund sieht Bain in den problematischen Geschäftsmodellen der deutschen Banken. Noch immer setze die Branche zu sehr auf das Zinsgeschäft. Während in Deutschland der Zinsüberschuss 2015 noch 73 Prozent sämtlicher Erträge ausmachte, waren es in Großbritannien 54, in Frankreich 53 und in der Schweiz schmale 44 Prozent. Im Zeitalter der Nullzinsen stellt dies die deutschen Banken vor große Herausforderungen. Laut Bain sei der Unterschied zwischen Guthabens- und Kreditzinsen von komfortablen 2 Prozent vor der Krise auf nur noch 1,2 Prozent zusammengeschrumpft.

Quelle: Bain

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Allerdings fallen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Bankenarten in Deutschland gewaltig aus. Erstaunlicherweise erweisen sich ausgerechnet die mittlerweile fusionierten Spitzeninstitute der Genossenschaftsbanken als besonders gute Kaufmänner. 2015 belief sich die Eigenkapitalrendite von DZ und WGZ Bank auf stolze 7,3 Prozent. Diese Zahl vermittelt laut Bain auch noch ein falsches Bild. Denn nach einer Rendite von 10 Prozent im Vorjahr haben die Genossen ihr Eigenkapital aufgestockt, womit die prozentuale Rendite nachgab. Ohne diesen Effekt hätte die Eigenkapitalrendite 2015 bei 8,3 Prozent gelegen. Auch die Renditen der Direkt- und Automobilbanken liegen mit 7,1 und 6,6 Prozent über den Eigenkapitalkosten von 6,5 Prozent.

Quelle: Bain

Quelle: Bain

Das Schlusslicht bilden ausgerechnet die Großbanken und Sparkassen mit jeweils 1,7 Prozent. Auch die über 1000 Genossenschaftsbanken erwirtschafteten bescheidene 2,9 Prozent. Offenbar haben sämtliche Bankengruppen zu kämpfen, die große, teure Filialnetze unterhalten. Daher erwartet Bain in den kommenden Jahren einen Abbau von weiteren 10.000 Filialen und 115.000 Jobs. Viele Genossenschaftsbanken und Sparkassen seien einfach „too small to survive.“

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