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It’s Trump: Was jetzt auf Banker zukommt

Trump banking

Trump wird’s. Damit ist die Zeit gekommen, alle Hoffnungen auf ein vernünftiges Amerika fahren zu lassen. Keine guten Vorzeichen für die Zukunft. 2017 dürfte ein weiteres schwieriges Jahr für Banker werden. Laut Bernstein Research führe die Wahl Trumps zu einem „scharfen Einbruch bei den Ergebnissen durch höhere Risiken, geringere Kreditvergabe und höheren Druck auf die Margen.“ Damit dürften Banken neue Sparrunden bevorstehen, aber es gibt auch so manchen Vorteil.

Sind die Zeiten der Überregulierung passé?

„Dodd-Frank [das Verbot des Eigenhandels] macht den Bankern ihre Arbeit unmöglich“, wetterte Trump vor nicht allzu langer Zeit. „Es macht es den Bankern sehr schwer, Leuten und Unternehmen Geld zu geben, die Jobs schaffen. Damit muss Schluss sein.“

Unterdessen haben die meisten New Yorker Finanzprofis, mit denen eFinancialCareers gesprochen hat, den Schock noch nicht überwunden. „Ich kann meine Tochter nicht großziehen mit diesem Schwein als Präsidenten“, klagt einer.

Die erhöhte Volatilität sorgt kurzfristig für bessere Gewinnchancen

Von der erhöhten Volatilität nach dem Brexit-Referendum hat das Trading der Banken profitiert. Dies könnte sich nach dem unterwarteten Wahlsieg von Trump wiederholen. Da gewissermaßen eine neue Weltordnung eingepreist werden muss, könnte die Achterbahnfahrt an den Börsen sogar besonders rasant ausfallen. Die Analysten von Lombard Odier rechnen jedenfalls damit, dass besonders riskantere Anlageformen in den nächsten Tagen unter Druck geraten werden. Nach anfänglicher Nervosität fällt das Minus im DAX mit unter 1 Prozent allerdings moderat aus.

Vor einigen Tagen haben die Analysten von Barclays darauf  hingewiesen, dass politische Schocks zwar eine Rolle spielen, noch wichtiger allerdings seien Wachstumsaussichten und Strategien. Viel wird davon abhängen, welche Folgen die versprochenen Steuererleichterungen und das „Durchgreifen in der Wirtschaftspolitik“ haben werden. Bei der Verkündung seines Wahlsiegs hat Trump versprochen, das Wirtschaftswachstum zu verdoppeln.

Wenig Spaß für Wealth Manager

Wenn die Märkte Achterbahn fahren, dann werden vermögende Privatkunden vorsichtig. Bernstein zufolge stellt dies vor allem für Privatbanken eine schlechte Nachricht dar. „Die großen politischen Themen wie die mögliche Wahl Trumps bereiten unseren Kunden große Sorgen“, sagte beispielsweise ein Zürcher Family Office-Manager noch kurz vor der Wahl.

Der Niedergang der Bankaktien und damit der aufgeschobenen Vergütungen geht weiter

Die Barclays-Analysten prognostizierten, dass Aktien von Finanzdienstleistern infolge eines Sieges von Clinton besser als der Markt abgeschnitten hätten. Dies basierte auf der Erwartung, dass die US-Notenbank die Zinsen im Dezember anheben werde. Mit dem Sieg Trumps steht hiervor ein großes Fragezeichen. Es ist nicht einmal sicher, dass Janett Yallen noch lange an der Spitze der Zentralbank stehen wird – schließlich wurde sie in Trumps Wahlkampagne heftig attackiert. Die Analysten von Lombard Odier rechnen damit, dass die für September geplante Anhebung des Leitzinses angesichts der neuen Unsicherheiten ohnehin obsolet ist.

Der mögliche Ausfall der Leitzins-Anhebung stellt laut Bernstein jedoch nicht die einzige Herausforderung für Banken dar. Hinzu kommen die steigende Unsicherheit und der Einbruch der Gewinne. Vor allem Institute mit hohen illiquiden Positionen in ihren Bilanzen dürften unter Druck geraten. Auch eine Kapitalerhöhung wird immer schwieriger, was vor allem für die Deutsche Bank eine ganz schlechte Nachricht darstellt. Laut Bernstein hängen von den europäischen Banken vor allem Credit Suisse, Barclays und UBS von den Erträgen aus ihrem US-Investment Banking ab. Längerfristig könnte das US-Investment Banking allerdings von einer Lockerung der Regulierung profitieren.

Schlechte Aussichten für Manager von Aktienfonds und Aktien-Trader

„Ein Sieg Clintons würde theoretisch zu einer Rally von 3 bis 4 Prozent führen und ein Sieg Trumps zu einem Ausverkauf von 10 bis 11 Prozent“, haben die Barclays-Analysten zu Wochenanfang geschrieben. Die Aktienmärkte gerieten bereits während des Bekanntwerdens von Clintons E-Mailaffäre unter Druck. Auch wenn die ersten Reaktionen nach der Wahl Trumps verhalten ausfielen, können die Ausschläge zunehmen.

Barclays schreibt weiter, dass Aktien aus Schwermaschinenbau, Lastwagenindustrie, Flugzeugbau und Verteidigungsindustrie von Trumps‘ Sieg profitieren könnten. Ähnliches gilt für Goldminenbetreiber und Pipelinebauer. Dagegen dürften die Aktien aus der Gesundheitsbranche und dort vor allem von Krankenhausbetreibern purzeln. Da die Erträge der Banken aus dem Aktienhandel meist mit den Aktienkursen korrelieren, fallen die Aussichten für die Aktienhändler bescheiden aus.

Die Risikomodelle der Banken werden getestet

Mit Trumps‘ Sieg ist die Unsicherheit zurück. Die Banken überarbeiten schon seit langem ihre Risikomodelle. Jetzt könnte die Stunde der Wahrheit geschlagen haben, ob die neuen Modelle halten, was sie versprechen. Laut der Deutschen Bank bedeutet ein Sieg Trumps nichts Geringeres als „ein neues Paradigma für die Anleihemärkte“. Dies ist allerdings noch nicht eingepreist. Unterdessen hat das Adam Smith Institute darauf hingewiesen, dass die neuen Risikomodelle noch nicht mit einem weltweiten Liquiditätsschock getestet wurden wie etwa durch Verwerfungen an den Märkten von US-Staatsanleihen. „An der Wall Street weiß keiner, wie er das einpreisen kann“, sagte Portfoliomanager Steven Chiavarone von Federal Global Investment Management der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Zinskurve wird steiler und die Risiken müssen neu bewertet werden

„Angesichts der hohen Wahrscheinlichkeit von Steuererleichterung in einer Zeit der Vollbeschäftigung wird die Zinskurve von US-Staatsanleihen unserer Meinung nach steiler werden“, heißt es von den Lombard Odier-Analysten. Ganz ähnlich sehen dies die Barclays-Kollegen. Da derartige Anleihen eine gewichtige Rolle im Eigenkapital der Banken spielen, kann dies ganz eigene Probleme mit sich bringen, obgleich steigende Zinsen eigentlich ein gutes Zeichen für Banken darstellen.

Zeit von der Wall Street aufs Land zu ziehen

Auch wenn die Boni bei der Wahl Trumps keine Rolle spielten, sollen sie hier nicht übergangen werden. Die variablen Vergütungen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit geringer als im Vorjahr ausfallen und jetzt womöglich noch ein wenig niedriger.

„Ich möchte nicht länger in New York City arbeiten“, meint ein Fondsmanager. „Die Wall Street hat es schon hart getroffen. Es fällt heute schwer einen Job zu finden, mit denen sich die Lebenshaltungskosten bestreiten lassen. Das gilt sogar für mich.“ Die gute Nachricht für Banker lautet: Trump will den Spitzensteuersatz von 39,6 Prozent kürzen.

 

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