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GASTBEITRAG zum Prop Trading: Wieso wir wieder Eigenhändler brauchen

Why banks need prop traders

Philipp Ersatz hat früher im Derivatehandel gearbeitet – es handelt sich  um ein Pseudonym. In einem Gastbeitrag erläutert er, wieso die Abkehr der Banken vom Eigenhandel (Prop Trading) ein Fehler gewesen ist.

Goldman Sachs‘ Zinshändler Tom Malafronte hat seiner Bank einen Profit von 100 Mio. Dollar beschert, indem er im Januar Ramschanleihen kaufte und diese Tage und Wochen später gewinnbringend wieder verkaufte. Gut gemacht, Tom. Das erinnert mich wehmütig an die Vergangenheit.

Nachdem die Volker Rule – das Verbot des Eigenhandels – umgesetzt wurde, gibt es immer weniger Leute wie Tom. Sein ehemaliger Vorgesetzter beschreibt ihn als jemand, der „gewaltige Risiken“ eingehe. Auch wenn es für Tom gut gelaufen ist, sollten die Banken eigentlich keine solchen Leute einstellen. Vielmehr sollen sie Maschinen beschäftigen, die Käufer und Verkäufer zusammenzubringen. Den Menschen obliegt nur noch die Überwachung der Prozesse. Risikoträger alter Schule wie Tom sollten eigentlich der Vergangenheit angehören.

Der „Flash Crash“ des Pfunds in der vergangenen Woche wäre nicht geschehen, wenn Leute wie Tom auch heute noch Devisen handeln würden. Denn bei Leuten wie Tom geht es nicht nur darum, Risiken einzugehen. Vielmehr sind sie auch Spezialisten für Liquidität. Die Märkte für Hochzinsanleihen sind reichlich undurchsichtig. Einmal sind sie liquide, ein anderes Mal nicht. Aus diesem Grunde werden Leute wie Tom benötigt, die die Märkte kennen und Liquidität herstellen, wenn diese erforderlich ist.

Im Vergleich zu den Märkten von Hochzinsanleihen, sind die Devisenmärkte sehr liquide. Den Kunden wird es überlassen, selbst an die Märkte zu gehen und elektronisch zu handeln. Das geht so lange gut, bis die Liquidität ausfällt. In einem solchen Fall weiß niemand, was zu tun ist. Niemand kennt sich heute mit Liquidität aus.

Stattdessen dreht sich heute an den elektronischen Märkten alles um die Spreads. Liquidität wird als Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs gefeiert; niemand verschwendet hierauf einen tieferen Gedanken. In der guten alten Zeit drehte sich hingegen alles um Liquidität und diese zu gewährleisten. Niemand hat sich hinter den Maschinen versteckt. Niemand hat Liquidität als Selbstverständlichkeit betrachtet. Vielmehr drehten sich unsere Gedanken jeden Tag um Liquidität; das Gewährleisten von Liquidität, das war unsere Aufgabe.

Sie können sagen, dass die Prop Trader alter Schule Geld gaben, wenn es niemand anderes mehr wollte. Sobald die Liquidität austrocknete, haben wir das Restrisiko geschultert, mit einem Wertpapier dazustehen, das niemand wollte. Dafür wurden wir und die Banken bezahlt, für die wir arbeiteten. Doch heute sorgt in chaotischen Zeiten niemand mehr für Ordnung. Jeder erwartet, dass schon irgendwer anderes Liquidität zur Verfügung stellt. Was passiert aber, wenn sich niemand findet?

Ohne Leute wie Tom, ohne die Eigenhändler alter Schule, sind die Märkte voller Spieler ohne eigenen Einsatz. Die Maschinen übernehmen das Market Making, so lange ihnen die Preise passen. Falls dies nicht der Fall ist, falls etwas passiert, das die Risikolimits der Maschinen übersteigt, dann stellen sie den Handel ein. Niemand ist in solchen Märkten dafür zuständig, für Liquidität zu sorgen. Niemand wird dafür bezahlt. Die Regulierungsbehörden haben einen großen Fehler begangen, indem sie den Eigenhandel der Banken weitgehend verboten haben – leider.

Auch tausende von risikoscheuen Computern werden niemals menschliche Wesen wie Tom ersetzen können, die den Auftrag haben für Liquidität zu sorgen und empfindliche Risiken eingehen. Wenn Sie Tom aus der Gleichung eliminieren, dann bleiben Sie mit den Maschinen zurück, um die aktuellen Märkte zu stabilisieren. Wenn sich die Märkte von diesem Niveau allzu weit entfernen, dann werden sie zu einem gefährlichen Ort. Und jetzt, da die meisten alten Eigenhändler ausgeschieden sind, müssen unerfahrene Techniker mit den Ergebnissen des Blutbads zurechtkommen, die zwar alles über Algorithmen wissen, nichts aber von der Gewährleistung von Liquidität, wenn diese verschwunden ist.

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