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Wie ein 24jähriger einen 100 Mio. schweren Risikokapitalfonds aufzieht

BlackRock

Wen es aus der Millenniums-Generation ins Banking zieht, bringt meist genaue Vorstellungen über seine berufliche Zukunft mit. Die Karriereleiter hinaufzuklettern, gehört immer seltener dazu. Bei Abbas Kazmi begann das Umdenken schon damit, ein Jobangebot des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock statt das einer großen Investmentbank anzunehmen.

„Bei BlackRock handelte es sich um eine große Chance und die Ausbildung ist exzellent, wobei die Arbeitszeiten kürzer als in der Investment Banking Division ausfallen. Mir blieb also genügend Freizeit, um eigene unternehmerische Projekte voranzutreiben“, erzählt er. „Mir war schon lange klar, dass ich meine eigene Venture Capital-Gesellschaft aufmachen und meine eigenen Unternehmen aufbauen wollte. Die Arbeit bei BlackRock vermittelte mir die Erfahrungen, die Glaubwürdigkeit und die Kontakte zu den richtigen Leuten, um mein Ziel zu verfolgen.“

Kazmi hat u.a. Praktika bei der Deutschen Bank und Goldman Sachs absolviert, dennoch hat er sich für einen Einstiegsjob bei BlackRock entschieden. Mit 24 verließ er das Unternehmen, um mit Collegiate Capital seinen eigenen 100 Mio. Dollar schweren Venture Capital-Fonds aufzuziehen.

Das Ziel des Fonds besteht darin, die besten und innovativsten Forschungsergebnisse von britischen Unis aufzugreifen. Dabei handelt es sich oft um Fintech, aber auch um Digital Media, Energie und Cyber Security. Collegiate Capital hilft dabei, die Ideen umzusetzen. Dazu beschäftigt Collegiate Capital beispielsweise in seinem Support-Team 30 Programmierer. Weiter wird Kazmi von erfahrenen Führungskräften unterstützt wie Mike Davis, früher Managing Director der UBS, Steve Taylor, einem ehemaligen EY-Partner, Chris Buchanan, dem ehemaligen CIO der Nobel Group, sowie dem IT-Experten Ed Shnayder.

Dagegen zählt Kazmi gerade einmal 24 Lenze und hat einen begehrten Job beim weltgrößten Vermögensverwalter für sein eigenes Unternehmen aufgegeben. Doch wieso?

„An irgendeinem Punkt in Ihrer Karriere müssen Sie eine Entscheidung treffen. Ich wollte schon seit langem lieber für mich selbst arbeiten und meine eigenen Unternehmen gründen als für einen großen Finanzdienstleister. Derzeit sind meine finanziellen Verpflichtungen gering: In meinem Alter habe ich weder Frau, noch Hypothek oder Kinder. Es handelt sich also um den richtigen Zeitpunkt, um ein Risiko einzugehen und sich in ein unternehmerisches Abenteuer zu stürzen. Dabei stelle ich auch keinen Einzelfall dar. Viele Leute durchlaufen die Ausbildungsprogramme der Investmentbanken, bevor sie den nächsten Schritt wagen – mit starker Berufserfahrung und einem ebenso guten Lebenslauf.“

„Die meisten Unternehmer, zu denen ich an Unis spreche, sind in meinem Alter“, ergänzt Kazmi. „Das erleichtert die Zusammenarbeit. Sie betrachten mich als auf gleicher Augenhöhe und nicht als einen Großinvestor.“

Obgleich die Investmentbanken seit kurzem zögern, mehr Nachwuchsbanker einzustellen, gibt es immer noch eine Reihe Programme, um die Jobzufriedenheit der Millenniums-Generation zu verbessern. Dabei kann es sich beispielsweise um Express-Beförderungen oder um Beschränkungen der Arbeitszeit handeln. Es soll sichergestellt werden, dass die Managing Directors nicht mehr pünktlich zum Wochenende die jungen Investmentbanker mit unnötiger Arbeit überschütten.

Kazmi bestätigt, dass er nicht auf „Multi-Millionenboni aus früherem Jahren“ zurückgreifen kann. Damit befindet er sich in einer anderen Situation als ein Senior Banker, der sich erst in späteren Jahren selbständig macht. Allerdings hat er schon während seiner Unizeit einige Unternehmen gegründet und verkauft, was ihm finanziell weiterhilft.

Er rät Analysten und Associates schon in jungen Jahren genügend Kontakte aufzubauen, um ihr eigenes Unternehmen relativ schnell aufziehen zu können. Laut Kazmi dreht sich alles ums Networking.

„Die Leute nehmen es als selbstverständlich hin, dass sie für einen der größten Pensionsfonds der Welt arbeiten oder dass Staatsfonds zu ihren Kunden zählen. Dabei handelt es sich um eine Chance, persönliche Beziehungen zu den Schlüsselpersonen dieser Unternehmen aufzubauen“, betont Kazmi. „Wenn Sie in einem Großunternehmen arbeiten, dann haben Sie auch die Gelegenheit mit Leuten unterschiedlichster Qualifikation zusammenzuarbeiten. Bei uns herrschte eine Rotation und dies ermöglichte mir ein internes Netzwerk aufzubauen.“

Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Arbeit für einen großen Finanzdienstleister einen automatisch mit den erforderlichen Kompetenzen zum Aufbau seines eigenen Unternehmens versieht. Kazmi erzählt, dass er schon seit seinem 16. Lebensjahr am Aufbau von Start-Ups beteiligt gewesen ist. Schon in seiner Zeit an der Westminster School hat er sein eigenes Computerspiel entwickelt, das er als Verbindung von FIFA, Sims und Second Life bezeichnet.

2011 hat er die Oxford Guild Society an den Start gebracht, die mittlerweile auf 14.000 Mitglieder angewachsen ist. Diese habe ihm nicht nur eine Reihe an Türen geöffnet, sondern erlaubt ihm auch „jedem in der Welt eine E-Mail zu schreiben und eine Antwort zu erhalten.“ Diese Gesellschaft lädt Gastsprecher ein wie den Hip-Hopper Kanye West, den Nobelpreisgewinner Muhammad Yunus sowie die ehemaligen Chefs der Credit Suisse und der Deutschen Bank Brady Dougan und Josef Ackermann.

Mit anderen Worten: Es benötigt Erfahrung, gute Verbindungen und die Ausbildung bei einem großen Finanzdienstleister, um sein eigenes Unternehmen aufzuziehen. Doch auch das Timing spielt eine kaum zu unterschätzende Rolle. „Sie müssen wissen, wann Sie ein Risiko eingehen können. Derzeit ist in Großbritannien das Umfeld für Fintechs und andere Start-Ups sehr günstig. Der Brexit hat sich als Schlagloch erwiesen, dennoch gibt es auch weiterhin Chancen.“

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