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Das Vorbild der großen Tiere: Was Sie von UBS- und CS-Vorständen für Ihre Karriere lernen können

Karriere

Während sein Nachfolger an der Commerzbank-Spitze Martin Zielke mit der Entlassung von 9600 Mitarbeitern für ein Rauschen im Blätterwald sorgt, hat Martin Blessing nahezu geräuschlos zum 1. September seinen Posten als neuer UBS Schweiz-Chef angetreten. Den beiden Schweizer Großbanken werden erhebliche Spannungen zwischen der Welt des angelsächsischen Investment Bankings und des eidgenössischen Wealth Managements nachgesagt. Doch was müssen Banker mitbringen, um es bei UBS und Credit Suisse bis ganz nach oben zu schaffen. Die Antwort ergibt sich aus einer Analyse der jeweils zwölf Vorstandsmitglieder von UBS und Credit Suisse.

Woher die Vorstandsmitglieder stammen

UBS

Einen interessanten Einblick in die Kultur gewährt schon die Untersuchung der Nationalitäten der Vorstandsmitglieder. Mit sechs bzw. fünf Schweizer Vorständen stellen die Eidgenossen bei beiden Banken immer noch die relative Mehrheit. Bei der UBS ist mit Sergio Ermotti sogar ein Tessiner Chef. Auch Martin Blessing steht bei der UBS als deutscher Staatsbürger nicht allein dar. Immerhin vier Vorstandsmitglieder verfügen über einen deutschen Pass – zwei davon sind indes Schweizer-Deutsche Doppelbürger. Dagegen sind die drei Angelsachsen klar in der Minderheit. Hieran dokumentiert sich auch der Teilrückzug der UBS aus dem Investment Banking, den Ermotti mit der Aufgabe des Anleihehandels eingeleitet hat.

Credit Suisse

Dagegen ziehen bei der Credit Suisse die fünf Angelsachsen mit den fünf Eidgenossen gleich. Die Compliance-Chefin Lara J. Warner wird als Amerikanerin und Australierin allerdings doppelt gezählt. Anders als bei der UBS stammen mit Asienchef Helman Sitohang aus Indonesien und CEO Tidjane Thiam aus der Elfenbeinküste zwei Vorstände aus den Schwellenländern. Die CS zählt wiederum zwei Franzosen – inklusive Thiam – und keinen Deutschen. Insgesamt scheinen Deutsche und Schweizer bei der UBS bessere Chancen zu haben.

Was und wo die Vorstände studiert haben

UBS

Wie nicht anders zu erwarten haben die meisten UBS-Vorstände einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund. Allein vier haben übrigens an der Uni St. Gallen studiert. Eine Ausnahme stellt Risikovorstand Christian Bluhm dar, der Mathe an der Uni Erlangen-Nürnberg studiert und dort auch promoviert hat. Rechtsvorstand Markus U. Diethelm bringt sinnigerweise ein Jurastudium der Uni Zürich mit. Anschließend hat er Master und Promotion an der juristischen Fakultät von Stanford erworben. Generell sind hohe Bildungsabschlüsse bei der UBS Trumpf. Fünf Vorstände bringen eine Promotion und vier einen MBA mit. Von den Vorständen ohne MBA haben drei – inklusive Ermotti – an einem Advanced Management Program (AMP) einer Eliteuni teilgenommen. An der Wharton Business School schlägt ein solcher fünfwöchiger Kurs mit 55.000 Dollar zu Buche.

Credit Suisse

Bei der Credit Suisse ergibt sich interessanterweise eine empfindlich andere Studienfachverteilung. Von den zwölf Vorständen haben immerhin vier Mathematik, Natur- und Ingenieurswissenschaften – die sogenannten MINT-Fächer – studiert und vier Rechtswissenschaften. CS-Chef Tidjane Thiam hat z.B. zunächst Mathemathik und Physik an der renommierten École Nationale Supérieure des Mines in Paris studiert und anschließend einen MBA am ebenso renommierten INSEAD in Fontainebleau erworben. Umgekehrt fehlt die Dominanz der Wirtschaftswissenschaften und der Uni St. Gallen. Nur zwei Vorstände haben promoviert und nur einer bringt einen MBA mit – und zwar Thiam höchstpersönlich.

Welche Berufserfahrung die Vorstände mitbringen

UBS

Es wundert schon ein wenig: Obgleich die UBS der Weltmarktführer im Wealth Management ist, verfügen lediglich zwei der zwölf Vorstände über eine lupenreine Wealth Management-Karriere: Private Wealth Management-Chef Jürg Zeltner und Asienchefin Kathryn Shih. UBS-Chef Ermotti hingegen hat den Großteil seiner Karriere im Investmentbanking von Merrill Lynch und der Unicredit verbracht, wobei er vor allen im Geschäft mit Aktien und Aktienderivaten tätig war. Auch Investment Banking-Vorstand Andrea Orcel hat 20 Jahren im Investment Banking von Merrill Lynch zugebracht. Meist stammen die Vorstände entweder von Schweizer Finanzdienstleistern oder US-Investment Banken.

Etwas aus dem Bild heraus fällt der neue UBS-Schweiz-Chef Martin Blessing, der lange Jahre leitende Positionen im Filialgeschäft von Commerzbank und Dresdner Bank innehatte – und natürlich Chef der Commerzbank gewesen ist. Obgleich er mit seinem Wechsel zur UBS Schweiz formell die Karriereleiter hinabgestiegen ist, halten Personalprofis Blessings Entscheidung für einen klugen Schritt. Die UBS spielt nun einmal in einer anderen Klasse als die notorisch kriselnde Commerzbank. Mit Blessing und Personalchefin Sabine Keller-Busse finden sich übrigens gleich zwei ehemalige McKinsey-Partner im UBS-Vorstand. Überdies hat Finanzchef Kirt Gardner bei der Management Beratung BearingPoint eine führende Tätigkeit ausgeübt.

Credit Suisse

Corps-Geist verbindet. Vor seinem Start bei der Credit Suisse 2015 war Konzernchef Thiam bereits CEO der britischen Versicherungsriesen Prudential und Aviva – zeitgleich mit dem Chief Operating Officer der Credit Suisse Pierre-Olivier Bouée. Und auch Personalchef Peter Goerke ist 2015 von Prudential zur Credit Suisse gestoßen. Alle drei waren zuvor bei McKinsey beschäftigt. Zusammen mit Risikovorsand Joachim Oechslin sind also vier Mackies im CS-Vorstand vertreten. Interessanterweise haben Global Markets-Vorstand Brian Chin und Wealth Management-Chef Iqbal Khan viele Jahre ihrer Karriere bei den Big 4 verbracht. Es führen also auch Wege von PwC, EY, KPMG und Deloitte in den Credit Suisse-Vorstand.

Und was fehlt

Obgleich die UBS der größte CFA-Arbeitgeber der Welt ist, scheint ein CFA kein Plus beim Aufstieg in den Vorstand darzustellen. In diesem Punkt gleichen sich übrigens die beiden Schweizer Großbanken: Den offiziellen Lebensläufen zufolge besitzt keiner der zusammen 24 UBS- und CS-Vorstände über den vermeintlichen „Goldstandard“ für Finanzprofis.


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