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Die einzige Frage, die heute in einem Vorstellungsgespräch fürs Investment Banking zählt

Benchmarking

Wie findet man den richtigen Vergleichsmaßstab?

Wer in den kommenden Monaten zu einem Vorstellungsgespräch bei einer Investmentbank erscheint, muss mit einer Vielzahl an Fragen rechnen. Doch nur eine davon zählt wirklich: „Was können Sie besser als unsere bisherigen Mitarbeiter?“

„Banken führen bereits Vorstellungsgespräche, die sie erst im nächsten Jahr besetzen wollen“, berichtet Personalvermittler Michael Karp von der Options Group. „Bei den meisten Gesprächen geht es aber um ‚Upgrades‘, nicht um neue Stellen“, weiß Karp.

Ja, „Upgrades“ gibt es auch in Human Resources und sie bedeuten dort genau das gleiche wie anderswo auch. Sie müssen eine Verbesserung gegenüber den alten Modellen darstellen. Bei den meisten Banken stellen neue Stellen ein Ding der Unmöglichkeit dar. Wenn also jemand neues eingestellt wird, muss vorher jemand anderes gegangen sein – aus welchen Gründen auch immer. Der Neuankömmling muss dabei regelmäßig einen Fortschritt gegenüber der alten Besetzung darstellen.

Banken können ihre „Upgrades“ erst durchführen, wenn sie ihr aktuelles Personal mit dem anderswo verglichen haben. Sie benötigen also einen Vergleichsmaßstab, neudeutsch auch als Benchmark bekannt. Der einfachste Weg hierzu besteht in der Prüfung einer mehr oder weniger repräsentativen Stichprobe. Daher dienen die Vorstellungsgespräche nicht allein dazu, Kandidaten auszuwählen, sondern auch um festzustellen, wie die aktuellen Beschäftigten im Vergleich zum Markt abschneiden.

„Gegenwärtig findet sehr viel Benchmarking statt“, beobachtet Headhunter Russell Clarke von Figtree Search. „Alle Banken versuchen die besten 20 Prozent der Kandidaten für sich zu gewinnen und es wird viel Aufwand betrieben herauszufinden, wie diese Talente aussehen, wo sie sich finden und wie sie sich ködern lassen.“

Während es sich für diese Top-20-Prozent um einen Arbeitnehmermarkt handelt, finden sich die übrigen 80 Prozent in einem Arbeitgebermarkt wieder und sehen sich somit in der Endlosschleife von Vorstellungsgesprächen und erneuten Bewerbungen gefangen. Daher stellt sich bei vielen Kandidaten eine gewisse Müdigkeit ein, beobachtet Personalberater Christian Robbins von Alpha Tradestone. Darüber hinaus gewöhnen sich die Bewerber langsam an die sogenannten „Benchmarking Interviews“. „Sie wissen, wie wichtig die Teilnahme an Vorstellungsgesprächen und der Aufbau von Beziehungen ist. Sie wissen aber auch, dass es derzeit so wenige offene Stellen gibt, dass die Frage schon sinnvoll ist, ob der Interviewer überhaupt eine Stelle zu vergeben hat“, sagt Robbins.

Doch was können Bewerber unternehmen, falls es tatsächlich eine offene Stelle gibt? Wenn Sie beweisen wollen, dass Sie besser als die übrigen Angestellten sind, dann müssen Sie in der Lage sein klipp und klar zu erläutern, was Sie machen und wie Sie es machen. „Es dreht sich alles darum, wie genau Sie bei Ihrer aktuellen Plattform zu den Erträgen beitragen und ob Sie dies auch bei dem Unternehmen umsetzen können, bei dem Sie zum Vorstellungsgespräch erscheinen.“

Das Problem lautet: Nur weil Sie bei Ihrem alten Arbeitgeber außerordentlich sind, muss dies beim neuen Arbeitgeber nicht ebenso sein. Der Erfolg von Front Office-Bankern hängt heute im hohen Grade von internen Systemen, der Verfügbarkeit von Eigenkapital und der Marktposition des Unternehmens ab. Da die altgedienten Mitarbeiter bereits wissen, wie der Hase läuft, verfügen sie gegenüber Neuankömmlingen über einen veritablen Wettbewerbsvorteil. Sie müssen also nicht nur überzeugend darlegen können, dass Sie besser als die bisherigen Mitarbeiter sind, sondern dass Sie auch besser sein werden, sobald Sie in das Ökosystem der neuen Bank eingetaucht sind. Doch die Beantwortung dieser Frage fällt schon deutlich schwerer. Wenn Sie jedoch 2017 einen neuen Job im Investment Banking anstreben, dann müssen Sie bei genau dieser Frage brillieren.

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