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Neue Studie: Was McKinseys Bankern für die Zukunft rät

Zukunft

Die Zukunft des Bankings kann einem schon Angst einjagen.

Der neue Bankenreport von McKinsey hat es in sich. Immerhin 200 Führungskräfte von 175 Banken haben die Strategieberater dazu befragt. Wie nicht anders zu erwarten, enthält die Studie einige unangenehme Wahrheiten. Obgleich die Institute bereits kräftig Personal und Kosten abgebaut haben – so gingen zwischen 2010 und 2015 allein ein Drittel der Jobs im Geschäft mit Anleihen, Währungen und Devisen verloren – ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Laut McKinsey müssten die zehn größten Banken durchschnittlich noch 20 Prozent ihrer Kosten oder 2,5 Mrd. Dollar einsparen. Keine gute Nachricht für Banker.

Allerdings enthält der Report auch einige nützliche Informationen, wie Banker dem Rotstift entgehen:

1. Passen Sie sich den neuen Marktgegebenheiten an

Die Strategieberater rechnen damit, dass sich in den kommenden drei bis fünf Jahren eine neue Marktstruktur entwickeln wird. Von den heute zehn wirklich globalen Banken werden erstens nur drei bis fünf wahre Universalbanken übrig bleiben. Einige Großbanken würden sich von ganzen Regionen und Produktlinien verabschieden, die einfach nicht die kritische Größe für das jeweilige Geschäft mitbringen. Zweitens werde sich eine zweite Gruppe von acht bis zwölf Banken herausbilden, die in ausgewählten Produktbereichen eine globale Größe erreichen. Drittens würden einige Banken ihre starke nationale oder regionale Stellung vor allem im Firmenkundengeschäft verteidigen und weiterhin einige Produkte des Investment Bankings anbieten. Viertens werden neue Konkurrenten aus dem Nichtbankenbereich in bestimmte Geschäftsbereiche vorstoßen.

Laut McKinsey haben diejenigen Banker die besten Überlebenschancen, die sich einen Arbeitgeber aussuchen, der unter diesen Bedingungen erfolgreich ist. Umgekehrt will niemand bei einer Bank arbeiten, die im jeweiligen Produktsegment oder der Region zu den Verlierern zählt.

2. Vorsicht vor Sales-Jobs

Auch die Vertriebsstrukturen befinden sich im Investment Banking im Umbruch. Laut McKinsey beklagen sich die Kunden darüber, dass sie von den Vertriebsleuten mit digital generierten Massenprodukten überschwemmt werden und die Banken in wirklich wichtigen Produkten keine ausreichende Liquidität bieten könnten. Künftig würden die Banken deutlicher zwischen aufwändigen und schlichten Jobs unterscheiden. Wer seine Karriere im Investment Banking-Sales fortsetzen wolle, müsse sich klar in einem der beiden Marktsegmente positionieren und nicht zwischen beiden changieren.

3. Stellen Sie sich auf die Digitalisierung ein

Die Digitalisierung stellt in der umfangreichen McKinsey-Studie den einzigen Lichtblick dar. Der Siegeszug der Digitalisierung könne die Erträge um 4 bis 12 Prozent und die Profite sogar um 16 Prozent beflügeln.

Die unten stehende Grafik zeigt auf, wie das vor sich gehen dürfte. Im Front Office würden „Data Mining, Maschinenlernen und künstliche Intelligenz die Entscheidungsfindung sowie Qualität und Effizienz der Einsichten verbessern“. Im Middle Office wiederum würden die Erfassung der Trades, die Abstimmung und die Ursachenanalyse erleichtert. Durch die Automatisierung dürften Risiken ebenfalls leichter erkannt werden.

Digital agenda

4. Hände weg von Middle Office-Jobs, die automatisiert werden können

Bei Digitalisierung handelt es sich um eine gute Sache – solange nicht die eigene Stelle wegrationalisiert wird. Die sogenannte „Front-to-back“-Automatisierung bedrohe vor allem Stellen in der Produktkontrolle und im Risikomanagement, die durch intelligente Algorithmen ebenso gut erledigt werden könnten.

5. Vorsicht vor europäischen Großbanken

Auch den größeren europäischen Investmentbanken stehen turbulente Zeiten bevor. Laut McKinsey generierten die größten von ihnen 2015 eine Eigenkapitalrendite von gerade einmal 5 Prozent und kämpfen mit hohen Kosten. Auch wenn McKinsey keine Namen nennt, scheinen Deutsche Bank und Credit Suisse gemeint sein.

6. Das schwierige Geschäft im Zins-Trading

Nach dem jüngsten Bericht des Datenanbieters Coalition verlief 2016 im Zins-Trading bislang gut. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das so bleiben wird, wenn Eigenkapitalanforderungen und Regulierungen wie die sogenannte „Fundamental Review of the Trading book“ weiter steigen. Besonders letzteres dürfte das Trading-Geschäft nach 2019, dem Datum der voraussichtlichen Einführung, weiter belasten. „Nicht alle Player werden bis dahin in der Lage sein, die fortgeschrittenen [Risiko-]Modelle einzuführen und müssen sich daher auf die engen Standardmodelle beschränken.“

7. Bitten Sie niemals um eine Gehaltsanhebung

Wer glaubt er könne eine Gehaltserhöhung durchsetzen, sollte sich das lieber noch einmal überlegen. Wie die folgende Grafik zeigt, stagnieren im Banking die Erträge pro Kopf, während die Kosten pro Mitarbeiter weiter zulegen. Auch wenn Sie selbst steigende Erträge generieren, kämpfen Sie doch gegen den Trend.

McKinsey pay rise

8. Arbeiten Sie für eine übergreifende IT-Plattform

Laut McKinsey konzentrieren sich die Banken zu sehr auf Einsparungen im Front Office, während ihnen die Probleme bei Kostensenkungen im Middle und Back Office weniger bewusst seien. Selbst wenn die Banken ganze Trading-Abteilungen dichtmachen, müssen sie immer noch eine bestimmte IT-Infrastruktur für andere Geschäftsbereiche vorhalten.

9. Arbeiten Sie nicht für einen zweitklassigen Research-Anbieter

Und dann gibt es da noch die EU-Richtlinie MiFID II. Diese scheint darauf hinauszulaufen, dass die Banken versuchen die großen Namen unter den Analysten zu beschäftigen, um bereit zu sein, wenn die Kunden fürs Research bezahlen sollen. McKinsey denkt nicht, dass die Anbieter ihre Teams bereits ausreichend verkleinert und verjüngt hätten. Vielmehr rechnen die Strategieberater damit, dass sich einzelne Anbieter ganz aus dem Research zurückziehen und sich voll auf die Ausführung von Trading-Aufträgen konzentrieren werden.

10. Arbeiten Sie für das richtige Fintech-Unternehmen

Schließlich dürfte die Attraktivität von Fintech auch weiterhin erhalten bleiben. Viele hätten die jungen Unternehmen der Branche immer noch nicht richtig verstanden. Es gehe ihnen nicht darum, gegen die Banken anzutreten, sondern mit ihnen bei bestimmten Elementen der Wertschöpfungskette zusammenzuarbeiten. Einige der interessanteren Fintech-Unternehmen finden sich in folgender Grafik.

McKinsey fintech

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