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Die heißesten Jobs nach den Sommerferien

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Das gute Wetter trügt. Ab Montag kommender Woche beginnt zumindest in Hessen wieder der Ernst des Lebens, die Sommerferien sind passé. „Da kann man nicht mehr in die Stadt hineinfahren“, jammert ein Frankfurter schon vorsorglich. Damit erwachen auch Personalabteilungen aus ihrem Dornröschenschlaf. Wir haben Personalberater nach den Trends in der zweiten Jahreshälfte gefragt.

Einbruch im Firmenkundengeschäft, M&A und Equity Capital Markets

Die traurige Wahrheit lautet: Die Einstellungswelle im Firmenkundengeschäft hat ihren Zenit längst überschritten. Nachdem in- und vor allem ausländische Banken in den zurückliegenden Jahren im Mittelstandsgeschäft einen großen Appetit auf Mitarbeiter hatten, herrscht jetzt eher Katerstimmung. Auch die Nachfrage für das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie Aktienemissionen (Equity Capital Markets, ECM) hat laut Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal deutlich nachgelassen.

Dies bestätigen die Zahlen des Datenanbieters Dealogic für das erste Halbjahr. Demnach gab das Volumen in M&A gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent auf 35,6 Mrd. Euro nach und in ECM stürzte es sogar um 70 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro ab.

Die Unsicherheit durch den Brexit führe dazu, dass die Investmentbanken sich bei ihren Einstellungen im Front Office zurückhalten. Dennoch gibt es vereinzelt Stellen. „Wir suchen gerade Kandidanten im Bereich Sales Fixed Income und Equities“, erzählt Headhunterin Magdalena Bohn von MB Consulting in Frankfurt. Dennoch handle es sich um einen schwierigen Markt. „Ich rate Kandidaten, die wechseln wollen, nicht nervös zu werden, sondern auf die richtige Position zu warten.“

Risikomanagement, Regulierung und Compliance

„Wir leben im Jahrzehnt der Compliance“, meint Headhunter Marcus Michel von Contagi in Frankfurt. Während in den Jahren 2000 bis 2008 der Stellenmarkt im Kapitalmarkgeschäft boomte, seien es heute Risikomanagement, Compliance und Regulierung. Ein Ende ist nicht absehbar.

„Im Risikomanagement suche ich aber weniger Quants als die Prozessspezialisten“, konkretisiert Michel. Dabei werde die gesamte Risikopalette vom Marktrisiko über das Kreditrisiko bis hin zum operationellen Risiko nachgefragt. Kandidaten sollten sich vor allem mit BCBS 239 auskennen. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die Regulierung Nr. 239 des Basler Ausschusses zur Bankenüberwachung (Basel Committee on Banking Supervision). „Es geht um die Schnittstellenfunktionen zwischen der IT und dem operationellen Geschäft“, ergänzt Michel. In Regulierung suche er weniger Juristen als erfahrene Projektmanager.

Gesucht werde prinzipiell auf allen Hierarchieebenen. In Risikomanagement, Regulierung und Compliance klafften Angebot und Nachfrage besonders bei Experten mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung auseinander. „Vielen Unternehmen fehlt der Mittelbau“, beobachtet Michel.

„Der Klassiker sind Regulatorik-Experten mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung“, bestätigt Riske. „Mit 70.000 bis 80.000 Euro sind die einfach noch nicht so teuer.“

Consulting

„Die drei großen Strategieberatungen suchen in jedem Bereich. Aber auch die kleineren Beratungshäuser stellen ein“, beobachtet Headhunter Raphael Rosenfeld von Argos Advisors. Besonders gefragt seien Consultants mit Erfahrung in Private Equity und Berater mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung. „Bei den Einsteigern erhalten die Strategieberatungen immer noch genügend Bewerbungen“, meint Rosenfeld. „Allerdings haben die auch immer mehr mit der Konkurrenz von Startups zu kämpfen.“ Viele erstklassige Absolventen mit guten Praktika in der Strategieberatung würden mittlerweile den Einstieg bei Startups bevorzugen.

Das klassische Problem, dass Berater nach einigen Jahren Berufserfahrung nicht mehr aus dem Koffer leben wollen und geringere Reisetätigkeit bevorzugen, verschärfe den ohnehin grassierenden Personalmangel. „Da haben alle Beratungen einen großen Aderlass“, sagt Rosenfeld. Eine erste Beratung versuche dem Mangel zu begegnen, in dem sie einigen Beratern vertraglich zusichere nur in Frankfurt oder München eingesetzt zu werden. Dies sei jedoch mit einem Gehaltsabschlag verbunden.

Fintech und Fintech affine Banken

Weiter beobachtet Rosenfeld eine rege Nachfrage aus den Fintechs und Banken, die dem Fintech nahestehen. Die suchen u.a. Vertriebsspezialisten und Produktmanager. „Da ist die Palette sehr breit“, sagt Rosenfeld. „Da stößt man auch bei den Kandidaten auf offene Ohren.“ Diese Unternehmen seien einfach kreativer als konventionelle Banken.

Verstärkte Nachfrage nach Experten für Kernbankensysteme

Nachdem sich bei vielen Banken über Jahre ein wahres Antiquariat an IT-Lösungen angesammelt hat, machen die Privatbanken jetzt bei der Erneuerung ernst. „Ich suche verstärkt nach Leuten, die sich in Kernbankensystemen wie Avaloq, Kordoba und Temenos auskennen und Kenntnisse im Bereich MUREX und MiFID sowie Anti Fraud mitbringen“, sagt Headhunterin Stefanie Storck von Capital Talent in Frankfurt. Nachdem die Banken früher vieles selbst programmiert haben und diese kostenaufwändig den wachsenden Compliance-Anforderungen anpassen mussten, setzen die Banken jetzt vermehrt auf Standardlösungen wie die der genannten Anbieter. „Die Nachfrage kommt sowohl von Banken als auch von IT-Beratungen“, berichtet Storck. „Die Kandidaten müssen den ganzen Prozess betreuen: von den Anforderungsanalyse über die Implementation der Kernbankensoftware bis hin zur Migration der Daten.“

Aktuare

Ein weiterer Klassiker auf dem Arbeitsmarkt stellen Aktuare dar. „In der Vergangenheit konzentrierten sich die Projekte zumeist auf die Lebensversicherungen“, sagt Rosenfeld. „Jüngst erweitert sich das Themenspektrum auf andere Bereiche, wie die privaten Krankenversicherungen.“

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