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Ni hao Deutschland: Blick hinter die Kulissen der chinesischen Banken in Frankfurt

Chinesische Banken in Frankfurt

Ni hao - Hallo auf Chinesisch. (Foto: Claudio Rampinini/Getty Images)

Auch wenn die Namen in Deutschland nur Kennern bekannt sind, zählen die fünf chinesischen Staatsbanken zu den globalen Bankenriesen. „Die sind auch alle hochprofitabel“, erläutert Prof. Horst Löchel von der Frankfurt School of Finance & Management, der sich intensiv mit chinesischen Banken beschäftigt. Die Aufwands-Ertragsquote liege teilweise bei nur 26 bis 38 Prozent.

Dabei haben Bank of China, Industrial and Commercial Bank of China, die China Construction Bank, die Agricultural Bank of China und die Bank of Communications bis in die jüngste Vergangenheit von einem sensationellen Privileg profitiert: Guthabens- und Kreditzinsen wurden von der Zentralbank vorgeschrieben und nicht etwa am Markt ermittelt. „Der Spread lag bei etwa 230 Basispunkten“, betont Löchel. „Die westlichen Banken verdienen mit durchschnittlich etwa 120 Basispunkten deutlich weniger.“ In Deutschland seien es sogar noch weniger. Löchel erwartet, dass diese üppigen Zeiten durch die Zinsfreigabe bald passé sein dürften.

Darüber hinaus würden Fintechs den Staatsbanken langsam das Geschäft abgraben. „Ich war kürzlich in Schanghai in einem Restaurant. Da haben schätzungsweise 80 Prozent der Gäste mit ihrem Handy bezahlt. Das sind wir hier noch im Mittelalter“, kommentiert Löchel. Dagegen werde das Problem mit den notleidenden Krediten angesichts der guten Kapitalausstattung und hoher Kundeneinlagen überschätzt.

Auch in Frankfurt klingelt es in der Kasse

Das Deutschlandgeschäft stellt in den Bilanzen der Riesenbanken nur eine Fußnote dar. Dennoch wird auch hierzulange gutes Geld verdient. Für 2015 hat bisher lediglich die Bank of Communications ihre Frankfurter Geschäftszahlen veröffentlicht. Demnach haben die 34 Mitarbeiter der Niederlassung bei Erträgen von 83,8 Mio. Euro einen Jahresüberschuss von 14,7 Mio. Euro eingefahren. Von den Erträgen entfallen über 60 Mio. auf den Zinsüberschuss.

2014 belief sich der Jahresüberschuss der Bank of China auf 58,3 Mio., der China Construction Bank auf 4,8 Mio. Euro und der Agricultural Bank of China auf 2,4 Mio. Euro.

Keine großen Ambitionen für Deutschland

Die chinesischen Banken in Frankfurt verdienen ihr Geld hauptsächlich mit Transaction Banking und der Handelsfinanzierung, erläutert Löchel. Entweder würden sie chinesischen Unternehmen bei ihrem Deutschlandgeschäft oder deutschen bei ihrem Chinageschäft helfen. „Die machen hier kein großes Geschäft“, meint Löchel. Vielmehr gehe es darum hier überhaupt an den Start zu gehen und Flagge zu zeigen. „Die Denkweise der Chinesen ist eine andere. Die denken nicht an das Geschäft von Morgen, sondern an das in 20 Jahren.“ Der Experte rechnet damit, dass die chinesischen Banken ihre Expansion in Deutschland vorerst nicht aktiv vorantreiben werden. „Die chinesischen Banken hinken bei der Internationalität immer noch hinterher“, sagt Löchel.

Die erstaunlichen Unterschiede bei der Bezahlung der chinesischen Banken in Frankfurt

Laut Löchel basiere das Geschäftsmodell der Banken „auf hohen Zinseinkommen bei gleichzeitig niedrigen Personalkosten“. Von daher wundert es kaum, dass das Klischee herrscht, chinesische Banken würden wenig zahlen. Doch dies scheint zumindest für Frankfurt revisionsbedürftig zu sein. So ließ die Agricultural Bank of China nach eigenen Angaben für ihre gerade einmal 22 Beschäftigten 2014 immerhin 3,2 Mio. Euro springen. Daraus errechnet sich ein Personalaufwand pro Kopf von fast 145.500 Euro. In diesen Werten sind jedoch die Arbeitgeberbeiträge für die Sozialversicherungen enthalten. Der Bonuspool war mit 262.000 Euro gefüllt.

Kein Einzelfall. Bei der China Construction Bank belief sich 2014 die durchschnittliche Bruttovergütung auf beinahe 117.000 Euro. Bei der Bank of Communications lag diese 2015 mit 117.700 Euro auf ähnlicher Höhe

Weniger prall gefüllt sind indes die Gehaltstüten der mit 221 Mitarbeitern weitaus größten chinesischen Bank in Deutschland, der Bank of China. Dort belief das durchschnittliche Jahresgehalt 2015 auf gut 64.300 Euro. Hinzu kommt ein Bonus von durchschnittlich 20.000 Euro.

Welche Chancen deutsche Banker haben

Üblicherweise besitzen die chinesischen Banken in Frankfurt eine Doppelspitze: Ein chinesischer Manager ist für das Geschäft zuständig, während sein deutscher Kollege für die „Marktfolge“ verantwortlich zeichnet. Bei der Bank of China sind dies Guang Li und Bernd Meist

„Der deutsche Manager kümmert sich um Compliance und Regulierung und arbeitet mit den Behörden zusammen“, erläutert Löchel. Ein Großteil der Beschäftigten seien Chinesen. Tatsächlich hieß es von einer der chinesischen Banken, dass der deutsche Managing Director im Urlaub weile. Die übrigen Führungskräfte könnten weder Deutsch noch Englisch sprechen.

Doch so ganz scheint dies nicht zuzutreffen. Denn in den sozialen Netzwerken finden sich etliche Profile von deutschen Mitarbeitern der chinesischen Banken. Die meisten davon sind allerdings in Bereichen wie dem Risikomanagement, der Compliance oder der Verwaltung beschäftigt. Von den derzeit sechs ausgeschriebenen Stellen der Bank of China stammt das Gros ebenfalls aus dem Middle Office. Allerdings wird auch ein „Senior Manager Global Markets“ gesucht.

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