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„Ich bin Investmentbanker und will in Rio Gold holen“

Alex van Holk

Alex van Holk

Als die Olympischen 2012 zu Ende gingen, hatte Alex van Holk, ein Vice President im Investment Banking von Morgan Stanley, noch nie in einem Ruderboot gesessen. Doch nur vier Jahre später tritt der 32jährige für die Niederlande bei den Paraolympischen Spielen in Rio im Einer an.

Van Holk hat nicht nur neben seinem anspruchsvollen Job mit einer 70-Stunden-Woche hart trainiert, sondern überdies auch noch von ganz vorn angefangen. Die Herausforderung kam seiner Kämpfernatur entgegen, meint er. Vor seiner Querschnittslähmung, die er sich im Alter von 16 Jahren bei einem Autounfall zuzog, hatte er Hockey auf nationalem Niveau gespielt.

„Nach den Londoner Spielen habe ich zum ersten Mal ein Boot betreten und 2014 habe ich mich für das niederländische Trainingsprogramm eingeschrieben“, erzählt er heute. „Doch damals hielt der technische Direktor die Teilnahme an Tokyo 2020 für ein realistischeres Ziel. Dennoch habe ich mich in den zurückliegenden Jahren derart angestrengt, dass mir die Qualifikation gelungen ist und ich werde in Rio mein Bestes geben.“

Die Olympischen Spiele in Rio beginnen am morgigen Samstag und die Paraolympischen am 7. September. Es verwundert also kaum, dass van Holk in den zurückliegenden Monaten nicht viel Zeit im Büro verbracht hat.

„Es brauchte schon einige Zeit, bis ich herausgefunden habe, wie sich mein Training mit meinem Investment Banking-Job vereinbaren lässt, der viel von meiner Zeit beansprucht“, sagt er. „Während des Winters arbeite ich und trainiere am Ergometer in meinem Fitnessstudio. 2015 habe ich vier Monate unbezahlten Urlaub genommen, um mich auf die Weltmeisterschaften vorzubereiten, wo ich mich für Rio qualifizieren konnte. Diesen Sommer habe ich mir wieder fünf Monate freigenommen, um mich auf Rio vorzubereiten.“

Unterdessen hat Sophie Christiansen bereits fünfmal im Para-Dressurreiten eine Goldmedaille geholt und trat für Großbritannien bei den Paraolympischen Spielen an, bevor sie in der IT-Abteilung bei Goldman Sachs in London anfing. Sie arbeitet nur zwei Tage die Woche, um so das erforderliche Training zu bewältigen. Sie war eine Frühgeburt mit Zerebralparese (spastischen Lähmungen).

„Ich habe mit dem Dressurreiten als Therapie für meine Behinderung begonnen, um meinen Gleichgewichtssinn und meine Koordination zu verbessern. Ich habe mich sofort in die Pferde und das Reiten verliebt, weil es mir einen Sinn von Freiheit vermittelte“, erzählt sie.

„Ich arbeite zwei Tage die Woche bei Goldman Sachs und reite drei bis vier Mal pro Woche“, sagt sie. „Ich gehe auch dreimal die Woche ins Fitnessstudio, weil mich die Fitness reittauglicher macht. So kann ich das Beste aus meinem Körper und meinem Pferd herausholen.“

„Ich trainiere elfmal die Woche für 16 bis 17 Stunden. Die meiste Zeit verbringe ich dabei im Boot, um meine Leistungsfähigkeit zu steigern“, erzählt van Holk. „Aber sich zu entspannen, sich Eisbäder und Zeit zur Entspannung zu genehmigen, ist ebenso wichtig.“

Wie sich Banking mit Sport vereinbaren lässt

Viele Investmentbanker betreiben Leistungssport. Auch Annie Panter, die mit dem britischen Hockeyteam 2012 in London eine Goldmedaille holte, arbeitet bei Goldman Sachs. Der Segler Andrew Mills ist beispielsweise CDS Trader bei Citi und der ehemalige American Football-Profi Brandon Short arbeitet bei der Private Equity-Gesellschaft Cerberus European Capital Advisors.

„Ich wollte schon immer in den Finanzdienstleistungen arbeiten und habe festgestellt, dass sich eine Menge an Kompetenzen, die ich im Leistungssport erworben habe, auf die Geschäftswelt übertragen lassen“, sagt Christianson.

Van Holk hat seine Karriere nach einem Praktikum 2008 bei Morgan Stanley begonnen und fand es schwierig, den Stress des Arbeitsalltags abzustellen und sich voll auf sein Training zu konzentrieren. „Die größte Herausforderung bestand darin, dem Londoner Arbeitsethos zu entkommen“, erzählt er. „Im Banking arbeitet man oft unter dem Druck von Deadlines und das hört in London niemals auf. Jetzt arbeitet ich in Amsterdam, wo alles etwas langsamer läuft, aber ich muss mich immer noch zwingen, mir nach dem Training die Zeit zum Entspannen zu nehmen.“

Während van Holk sich voll auf Rio konzentriert und vielleicht auch noch auf Tokyo besitzt Christianson den Luxus, in einer Disziplin anzutreten, in der das Alter eine untergeordnete Rolle spielt. Dennoch stellt sich die Frage, was nach dem Leistungssport kommt?

„Um ehrlich zu sein, denke ich nicht über die nächsten vier Jahre hinaus“, gesteht Christianson. „Aber es wird irgendwann die Zeit kommen, wenn ich im Sport alles erreicht habe oder sich meine Prioritäten ändern. Es ist schwierig immer ganz oben mitzuspielen – vor allem in einer derart teuren Sportart. Wir werden sehen, wann das eintritt.“

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