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Compliance-Boom: Wie Seiteneinsteiger eine Chance bekommen

Seiteneinstieg-Compliance

In keinem anderen Bereich der Finanzdienstleistungen wird Personal so händeringend gesucht wie in der Compliance – und das bereits seit Jahren. Damit zählt Compliance zu den wenigen Sektoren, in denen auch Seiteneinsteiger Chancen bekommen.

„In der Compliance herrscht in der Schweiz ein Mangel an Experten“, berichtet Headhunter Christian Atkinson von Robert Walters in Zürich. „Daher erwarten wir, dass Compliance Professionals mit entsprechender Erfahrung auch in den kommenden Monaten einen Gehaltsanstieg erhalten können“, ergänzt Atkinson.

Wir haben mit Experten aus Deutschland und der Schweiz gesprochen, wer Chancen auf einen Seiteneinstieg hat und wie sie sich verbessern lassen.

1. Beste Chancen für Juristen

Mit die besten Chancen haben Juristen. Besonders bei den Eidgenossen stellt eine juristische Vorbildung ein großes Plus für eine Compliance-Karriere dar. „In der Schweiz achten die Arbeitgeber natürlich darauf, dass die Kandidaten einen Schweizer Juraabschluss mitbringen, da lokale Fachexpertise mit den Schweizer Gesetzgebungen unabdingbar ist“, sagt Atkinson. „Wer dann zusätzlich Berufserfahrungen aus dem Bankenbereich vorweisen kann, hat gute Aussichten auf einen Seiteneinstieg in der Compliance.“ Atkinson führt dies u.a. auf den Druck der Schweizerischen Finanzaufsicht Finma zurück.

Auch in Deutschland gehört ein Seiteneinstieg z.B. aus den Rechtsabteilungen der Banken zu einem bewährten Weg. „Wer schon in einer Rechtsabteilung einer Bank gearbeitet hat und dort erste Erfahrungen mit regulatorischen Themen sammeln konnte, kann durchaus in die Compliance wechseln“, sagt Jörg Fricke von Fricke Finance & Legal in Frankfurt.

Doch laut Tina Vangelista, Leiterin des Competence Centers Governance & Audit bei Frankfurt School of Finance & Management, bringen nur rund 30 bis 40 Prozent der Teilnehmer an der Fortbildung zum Certified Compliance Professional (CCP) einen juristischen Hintergrund mit. Das Gros verfüge hingegen über ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. „Andere Studiengänge sind eher exotisch“, ergänzt Vangelista.

2. Gute Chancen für Leute mit Erfahrungen in der Wirtschaftsprüfung

Besonders gute Chancen haben Seiteneinsteiger aus den Big 4. „Wer in der Wirtschaftsprüfung gearbeitet hat und dabei schon mit Regulierungsfragen zu tun hatte, kann sich schnell in die Compliance hineindenken“, sagt Fricke. Ein bestandenes Wirtschaftsprüfer-Examen sei hierfür keine Voraussetzung.

4. Gute Chancen haben Seiteneinsteiger aus verwandten Bereichen

„Viele Leute aus verwandten Bereichen wie dem Risikomanagement und der Revision versuchen in die Compliance zu wechseln“, beobachtet Vangelista. Die erheblichen Überschneidungen an Kompetenzen würden den Wechsel erleichtern.

5. Beim Back Office hilft möglicherweise eine Fortbildung

Nach Frickes Erfahrungen fällt ein Quereinstieg aus den Back Office in die Compliance schwer. „Oftmals bringen die Kandidaten auch nicht die erforderliche Vorbildung mit“, sagt Fricke. Dennoch sei dies in Einzelfällen möglich, wenn die Bewerber entsprechende Fortbildungen absolviert hätten.

Dagegen sieht Vangelista durchaus Chancen für einen Seiteneinstieg aus dem Back Office. „Wir haben immer wieder Teilnehmer an unserem CCP-Programm, die keine vorhergehende Compliance-Berufserfahrung mitbringen“, erzählt Vangelista. „Wenn jemand vorher schon in den Finanzdienstleistungen gearbeitet hat und den CCP macht, dann funktioniert der Quereinstieg ganz gut“, meint Vangelista. Während des einjährigen Programms bestünden reichlich Gelegenheiten, um Kontakte zu Dozenten und den übrigen Teilnehmern zu knüpfen, was einen Quereinstieg erleichtere.

6. Operative Compliance

Mit dem kontinuierlichen Wachstum der Compliance differenzieren sich die Berufsprofile zunehmend aus. Neben den eher rechtlichen Themen gibt es auch so etwas wie „operative Compliance“, erläutert Atkinson. Seiteneinsteiger aus dem Back Office hätten in diesen Bereichen am ehesten Chancen. „Das gilt besonders dort, wo es eher technisch zugeht“, ergänzt der Personalexperte.

Gute Berufschancen für Nichtjuristen sieht Fricke in Themen wie Datenschutz und Geldwäschebekämpfung (Anti Money Laundering). „Das hat den Vorteil, dass es unabhängig von Banken ist“, sagt Fricke. Mithin eröffnen sich hiermit Karriereperspektiven jenseits des Bankings.

7. Fortbildung ist Trumpf

Unisono berichten Personalexperten, dass Seiteneinsteiger ihre Chancen durch eine einschlägige Fortbildung verbessern können. Ein Beispiel hierfür stellt der Certified Compliance Professional  (CCP) der Frankfurt School dar. Laut Programmleiterin Vangelista sei das einjährige Programm „sehr breit“ angelegt und erfasse die „verschiedenen Facetten“ des Berufsfeldes.

Die Pflichtfächer des ersten Semesters reichen von der Gefährdungsanalyse, Aufbau und Management einer Compliance-Organisation über Policies und Traininig bis hin zum Arbeitsrecht. „Die Fragen, wie baue ich eine Compliance-Struktur auf und wie implementiere ich sie, spielt dabei eine große Rolle“, erläutert Vangelista. Im zweiten Semester könnten sich die Teilnehmer auf die drei Bereiche Kapitalmarkt-Compliance, Geldwäscheprävention oder Corporate Compliance spezialisieren.

Der Stoff werde von erfahrenen Praktikern an 22 Präsenztagen vermittelt. Die Teilnehmer müssten zwei schriftliche und eine mündliche Prüfung bewältigen. Die Erfolgsquote fällt laut Vangelista sehr hoch aus. Das ganze Programm kostet 9900 Euro.


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