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Was der ehemalige Chef des Deutsche Bank-Devisenhandels fürs berufliche Überleben rät

Kevin Rodgers

Als Kevin Rodgers nach 30 Jahren in den Finanzdienstleistungen seinen Job als Global Head of FX bei der Deutschen Bank aufgab, hatte er beinahe jedes Investment Banking-Produkt selbst gehandelt.

„Meine Mutter glaubt immer noch, ich sei Aktienhändler gewesen, aber Aktien sind ausgerechnet das einzige, mit dem ich während meiner Zeit im Banking nicht gehandelt habe“, erzählt er heute schmunzelnd. „Mein Schwerpunkt lag auf Devisen und Rohstoffen, aber ich habe auch alle festverzinslichen Produkte gehandelt.“

Doch wieso hat Rodgers seinen Job in der größten Devisenhandelsabteilung der Welt hingeschmissen und die Branche verlassen?

„Ich bin an den Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr jeden Morgen mit Spaß zur Arbeit gegangen bin“, sagt er heute. „Das ist so, als wenn Sie jeden Abend ein Steak essen. Das ist schön, aber irgendwann wollen Sie kein Steak mehr essen. Mir hat es keinen Spaß mehr gemacht. Den Job nur des Geldes wegen zu machen, welches ich – offen gesagt – nicht brauchte, schien mir keine gute Verwendung für meine Zeit zu sein, da mir doch andere Möglichkeiten offenstanden.“

Der moderne Schwindel

Zu diesen anderen Möglichkeiten zählt Rodgers eine Tour als Opernsänger, die Rückkehr an die London School of Economics, um dort einen Master in Wirtschaftsgeschichte zu erwerben, aber hauptsächlich doch das Verfassen eines Buches zum Thema: „Ein moderner Schwindel“.

Bei „Wieso schreien Sie nicht“ (Why Aren’t They Shouting), das soeben erschienen ist, handelt es sich um ein autobiographisches Werk, welches vom Wandel des Devisenhandels während seiner langen Karriere und dem Einzug der modernen Technologien handelt, was zu so vielen Krisen und Skandalen geführt hat. Letztlich sei das Banking dadurch „fragiler“ geworden und Banken und Regulierungsbehörden seien „äußerst vorsichtig“ geworden, um die Wiederkehr solcher Krisen „unter anderen Vorzeichen“ zu vermeiden.

„Die Leute haben ihr Image weg und es fällt leicht, immer wieder darauf zu verfallen und von bösen Bankern zu sprechen, die durch ihre Gier kontinuierlich für Finanzkrisen sorgen“, warnt Rodgers. „Doch beim Banking handelt es sich tatsächlich um Menschen UND Technologie. Sich auf eine unglaublich komplizierte Technologie zu verlassen, verfügt über das Potenzial extreme Schäden anzurichten.“

Zunächst fand der technologische Wettlauf im Devisenhandel nur zwischen wenigen Großbanken statt, weil einfach nicht jeder die Ressourcen besaß um hier mitspielen zu können. Dies habe nicht nur dazu geführt, dass die Großbankern ihre Marktanteile immer weiter steigern wollten, sondern auch dass das neue System weniger in der Lage war, große Schocks zu absorbieren. Die Computer trugen dazu bei, stets noch kompliziertere Produkte zu entwickeln. Laut Rodgers habe 2008 bei der Deutschen Bank und bei anderen Großbanken die Auffassung geherrscht, dass „Komplexität gut ist und schließlich belohnt wird.“

Wie Sie heute im Devisenhandel überleben

„Als ich im Devisenhandel angefangen habe, musste man noch jede Order auf ein Stück Papier schreiben. Anschließend ist ein junger Bursche namens Mickey mit einem Handwagen herumgefahren und hat sie eingesammelt“, erinnert sich Rodgers. „Als ich die Deutsche Bank verlassen habe, wurde alles im Bruchteil einer Sekunde verbucht. Dadurch wurden viele Kompetenzen, die es im Handelssaal einer Bank gab, im Verlauf der Jahre einfach überflüssig.“

Doch was müssen Trader heute mitbringen, um im Devisengeschäft einer Investmentbank zu überleben? „Viele Leute, die heute eingestellt werden, bringen einen IT-Background mit und lernen noch mehr technische Elemente des Devisenhandels, wenn sie erst einmal eingestiegen sind“, erzählt Rodgers. „Die Leute, die langfristig überleben, besitzen jedoch ein Kernverständnis für die Märkte und ein gutes Risikomanagement. Sie sind aber auch unglaublich flexibel gewesen und konnten sich an die sich verändernden Märkte anpassen.“

Laut Rodgers falle es den Großbanken immer schwerer, im immer weiter computerisierten Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie verfügen zwar über das Geld für die Technologie, aber sie haben auch mit den Altsystemen zu kämpfen, die sie im Wettbewerb mit Start-ups arg belasten.

„Schauen Sie sich meinen alten Kollegen Zar Amrolia an und was sie bei XTX oder Citadel mit dem Einstieg ins Swap-Geschäft erreicht haben. Ich denke es wird durch den Einstieg von Hedgefonds und anderen Nichtbanken mehr Wettbewerb entstehen“, sagt er. „Und sie werden sich auf die saftigsten und profitabelsten Geschäftsbereiche konzentrieren. Wenn ich der Chef einer Bank wäre, dann würde mich das um den Schlaf bringen.“

Unterdessen gibt Rodgers freimütig zu, dass er das Glück hatte, in den „Goldenen Zeiten“ des Investment Bankings eingestiegen zu sein. Damals handelte es sich für Absolventen mit Spitzenabschlüssen um die naheliegende Berufswahl. Doch heute müssen die Banken bei den Talenten mit anderen Branchen wie etwa den Technologie-Konzernen konkurrieren.

Dennoch ist er überzeugt, dass Beständigkeit und das Vermeiden von Jobhopping Schlüsselelemente für eine lange erfolgreiche Karriere im Investment Banking sind.

„Ich habe in meiner Karriere eigentlich nur für zwei Unternehmen gearbeitet und die meisten Leute, die ich kenne, sind bei einem guten Arbeitgeber geblieben“, erzählt Rodgers. „Dort kennt man Sie. Sie können Vertrauen aufbauen und es werden sich im Verlauf der Jahre mehr Chancen ergeben als wenn Sie ständig wechseln. Vielleicht predige ich auch nur meine eigene Karriere, aber Sie gelangen weiter, haben eine geradlinigere Karriere und verdienen – im Verlauf der Zeit – auch mehr Geld als wenn Sie ständig wechseln.“

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