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GASTBEITRAG: Die feinen Unterschiede zwischen den Interview-Fragen von Goldman und Perella Weinberg

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Zwischen großen Investmentbanken und Boutiquen herrschen in der Unternehmenskultur feine Unterschiede. Dies bedeutet nicht nur, dass dort jeweils ein anderer Menschenschlag arbeitet, sondern dass auch die Fragen bzw. die angemessenen Antworten in Vorstellungsgesprächen oft anders ausfallen.

Marc Hatz hat seine Karriere bei der US-Investmentbank Goldman Sachs begonnen, bevor er zur Boutique Perella Weinberg Partners wechselte. Dort hat er auch viele Absolventen für Einstiegsjobs interviewt. Heute ist Hatz als Karrierecoach tätig. Hier seine besten Tipps für Vorstellungsgespräche bei Großbanken und Boutiquen:

„Wieso bewerben Sie sich bei uns?”

Diese Frage ist schier unvermeidlich. Im Grunde will jede Bank nur erfahren, dass Sie Ihre Entscheidung für eine Bewerbung bewusst getroffen haben und nicht einfach Ihre Unterlagen wahllos an diverse Adressen verschicken. Sicherlich sollten Sie bei Ihrer Antwort auch ein paar schmeichelnde Worte finden; in keinem Fall aber dürfen Sie hierbei patzen.

Was Großbanken hören möchten: Erzählen Sie bloß nicht, dass es sich um die beste Bank der Welt handelt. Eine solche Kriecherei wird weder geglaubt noch geschätzt. Vielmehr sollten Sie greifbare Transaktionen aus der jüngsten Vergangenheit aufzählen oder von Mitarbeitern des Unternehmens berichten, die sie in der einen oder anderen Weise als Vorbilder betrachten. Dazu müssen Sie eingehend recherchieren, denn mit offensichtlichen Antworten lässt sich kaum punkten.

Was eine Boutique hören möchte: Vorab sollten Sie sich intensiv über die entscheidenden Mitarbeiter und die Boutique selbst informieren. Bedenken Sie, wie klein das Unternehmen ist und dass alles nur an einer Handvoll Personen hängt. Eine Antwort könnte wie folgt lauten: „Vor allem wegen der Mitarbeiter möchte ich für Moelis arbeiten. Ich habe Charles Gibson getroffen, der im UK-Team arbeitet, und ich halte ihn für besonders intelligent. Auch während des Interviewprozesses hatte ich die Gelegenheit, mit einigen Mitarbeitern zu sprechen. Ich würde sehr gerne mit ihnen zusammenarbeiten.”

„Wieso wollen Sie für eine Boutique / großen Investmentbank arbeiten?”

Was eine Großbank hören möchte: Eine Antwort könnte z.B. lauten: „Für eine Großbank wie Morgan Stanley zu arbeiten, stellt für mich gleich aus mehreren Gründen einen großen Wert dar: Zunächst ist mir natürlich die Bedeutung des großen Markennamens bewusst, der mir sicherlich während meiner gesamten Karriere hilfreich sein wird. Zweitens verfügt Morgan Stanley über ein großes und vielseitiges Netzwerk in aller Welt und allen Branchen. Und schließlich sind es auch die internen Ressourcen. Sie besitzen z.B. Abteilungen, die bei der Erstellung von Präsentationen oder der Datenrecherche helfen. So etwas erlaubt es sich auf die anspruchsvolleren Arbeitsschritte zu konzentrieren und seine Zeit nicht mit Powerpoint zu vergeuden.”

Was eine Boutique hören möchte: „Ganz einfach: Bei einer Boutique sind die Teams kleiner. Junge Mitarbeiter werden daher schneller eingebunden und können wertvolle Erfahrungen sammeln. Auf diese Weise kann man in Transaktionsprozessen schneller größere Verantwortlichkeiten übernehmen. Die flachen Hierarchien bedeuten, dass man eher mit Führungskräften zusammenarbeiten darf. Auch gelangt man rascher in Kundenkontakt. Das Verhältnis von Junior- zu Senior-Mitarbeitern fällt günstiger aus, wodurch  Kundenkontakt wahrscheinlicher ist. Am Ende des Tages erhoffe ich mir hier, besser und schneller zu lernen als bei einer Großbank- genau darum geht es mir.”

„Wieso würden Sie gut zu uns passen”

Was eine Großbank hören möchte: „Ich denke, dass ich bei Ihnen aus zwei Gründen erfolgreich sein kann: Erstens kann ich hart arbeiten. Im vergangenen Jahr habe ich ein sechsmonatiges Praktikum bei Rothschild in Shanghai absolviert und ich bin dort mit den langen Arbeitszeiten sehr gut zurechtgekommen. Um zwei Uhr nachts nachhause zu gehen und am Wochenende zu arbeiten, war ganz normal. Zweitens bin ich auch eine flexible Persönlichkeit und kann sehr gut als Teil eines Teams arbeiten. Bei den Praktika, die ich bereits absolviert habe, wurde das sogar hervorgehoben. Ich denke, vieles hängt von der Persönlichkeit ab, wenn man mit den Kollegen lange Zeit gemeinsam im Büro verbringen möchte.”

Und was eine Boutique hören möchte: Dazu können Sie das eben gesagte wiederholen und anfügen: „Schließlich besitze ich eine unternehmerische Einstellung. Während meines Praktikums habe in lange nur mit einem einzigen Vice President und dem Managing Director zusammengearbeitet. Ich arbeite gerne eigenverantwortlich und ich bringe den Vorteil mit, dass ich bereits während meiner diversen Praktika bei großen und kleinen Investmentbanken viel gelernt und an Trainings teilgenommen habe.”

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