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Was der Brexit für Schweizer Banker bedeutet

Brexit

Die negativen Auswirkungen des Brexit wird auch die Schweiz zu spüren bekommen. (Foto: Getty Images)

Eigentlich können sich die Eidgenossen entspannt zurücklehnen und die Auseinandersetzungen zwischen Großbritannien und dem Rest der EU vom Spielfeldrand beobachten. Schließlich ist die Schweiz kein EU-Mitglied. Doch so einfach ist die Angelegenheit nicht.

Wirtschaftliche Folgen erheblich, aber kaum Londoner Jobs für die Schweiz

Laut Bankenanalyst Andreas Venditti von Vontobel in Zürich könnten die beiden Schweizer Großbanken gezwungen sein Aktivitäten von London in die verbleibenden EU-Länder zu verlegen. Die Credit Suisse habe ja bereits vor Monaten angekündigt 6000 Stellen abzubauen bzw. an günstigere Standorte zu verlagern. „Dieser Trend könnte sich durch den Brexit verstärken“, sagt Venditti. „Die Schweiz wird davon aber wenig profitieren, da hier das gleiche Problem mit dem Marktzugang besteht.“ Die Umsiedlung von Jobs aus London an andere Standorte in der EU würde überdies die Kosten von UBS und Credit Suisse steigern und die Profitabilität beinträchtigen.

Überdies seien die indirekten Auswirkungen eines Brexits auf Schweizer Finanzdienstleister durchaus beachtlich. Die Unsicherheit an den Märkten sei negativ für das Geschäft. Einer etwaigen Rezession in Großbritannien, die sich auf Europa oder sogar global ausdehnt, könne sich auch die Schweiz nicht entziehen. „Wenn man das alles zusammenzählt, dann sind die negativen Effekte auf die Schweiz nicht unerheblich“, sagt Venditti.

„Die Schweizer Banken haben ihre britischen Töchter als britische Banken aufgesetzt, die Schweizer Banken gehören“, erläutert Professor Peter Hahn von The London Institute of Banking and Finance, der früher Senior Finance Officer der Citigroup war. Darin ähnelten sie beispielsweise den amerikanischen Banken. Durch den Brexit könnten sie gezwungen sein, Geschäftstätigkeiten von London in die EU-Länder zu verlagern. Dies würde zu höheren Kosten und dadurch zu geringerer Profitabilität führen. Dadurch würden die europäischen Tochterbanken künftig wohl weniger an ihre Schweizer Muttergesellschaften überweisen.

Noch keine negativen Auswirkungen des Brexits spürbar

Die trüben Aussichten scheinen indes vorerst am Arbeitsmarkt vorbeizugehen. „Keine einzige der von uns zu besetzenden Stellen wurden durch den Brexit auf Hold gesetzt“, entwarnt Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich. „Negative Auswirkungen sind bislang ausgeblieben.“ Die längerfristigen Folgen seien indes noch nicht absehbar. Unsicherheit wirke sich jedoch stets negativ auf den Recruitment-Markt aus.

Wealth Management könnte vom Brexit profitieren

Neben der Schweiz stellt London den größten Wealth Management-Hub der alten Welt dar. „Das schwache Pfund und die gestiegene Unsicherheit in Großbritannien könnten dazu führen, dass mehr Wealth Management-Geschäft von London in die Schweiz abwandert“, sagt Hahn.

„Genf und die Schweiz können beträchtlich vom Brexit profitieren, weil sie immer noch als politisch stabil, multikulturell und mit einem stabilen institutionellen Rahmen versehen gilt“, ergänzt Headhunter Blazo Ivanovic von Norman Alex in Genf. Aus diesem Grund könnte vor allem das Wealth Management als wichtigster Sektor der Schweizer Finanzdienstleistungen von einem Brexit profitieren.

Drittstaatenregelung könnte zu Fachkräftemangel führen

„Wir rekrutieren sehr international“, sagt Headhunter Thomas Bossard von Bianchi & Partner in Zürich. Viele der ausländischen Kandidaten verfügen über einen EU-Pass und profitieren somit aufgrund der Abkommen der Personenfreizügigkeit von vereinfachten Anstellungsbedingungen in der Schweiz. Dagegen ist die Vermittlung von Kandidaten aus Drittstaaten vielfach aufwändiger. „Es wird sich zeigen, wie der Status von Großbritannien nach dem Brexit ausfällt“, wirft Bossard ein. Viele Großunternehmen in der Schweiz würden Briten beschäftigen und weitere rekrutieren. Allerdings bleibe es abzuwarten, was bei den Verhandlungen herauskomme. „Ich bin zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden wird“, ergänzt Bossard.

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