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Erste Reaktionen: Wer in Frankfurt vom Brexit profitiert

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Die BBC hat schon einmal gemeldet, dass die US-Großbank Morgan Stanley 2000 Jobs von London nach Frankfurt und Dublin verlagern will –derzeit beschäftigen die Amerikaner am Main lediglich 400 Mitarbeiter. Das Dementi von Morgan Stanley ließ allerdings nicht lange auf sich warten.

Dennoch scheinen Großbanken in London bereits aktiv ihren Teilumzug zu planen. Laut einem Frankfurter Headhunter, der anonym bleiben möchte, habe eine Bank schon Listen unter den Mitarbeitern herumgereicht, ob sie lieber nach Frankfurt, Paris oder Dublin umziehen wollen. „Frankfurt hat dabei die Nase vorn gehabt“, berichtet der Headhunter.

Viel hängt allerdings von den Austrittsverhandlungen ab. Laut dem Paragraph 50 des Lissabonvertrages bleibt für zwei Jahre erst einmal alles beim Alten. Dennoch zeichnen sich schon heute einige Profiteure ab:

Legal und Compliance

„Wer Finanzdienstleistungen in der EU anbieten möchte, benötigt hier eine Lizenz“, erläutert Professor Martin Hellmich von der Frankfurt School ofFinance& Management. „Das betrifft nicht nur Banken, sondern sämtliche Finanzdienstleister.“

Viele große Banken in London erzielen aber den überwiegenden Teil ihres Geschäfts mit Kunden aus Kontinentaleuropa. Wenn also eine Bank wie Barclays weiterhin diese Geschäfte betreiben möchte, so der Professor, dann muss sie in der Rest-EU eine Banklizenz erwerben. „Dazu müssen sie hier den ganzen ‚Overhead‘ aus z.B. Compliance oder Risikomanagement aufbauen.“ Hellmich rechnet damit, dass insgesamt eine „hohe fünfstellige“ Zahl an Stellen bei Banken anderen Finanzdienstleistungen und nachgeordneten Dienstleitungen wie der Consultingbranche aus London abwandere. Wo diese Jobs in der EU angesiedelt werden, sei indes unklar. „Neben der Nähe zur Europäischen Zentralbank spricht natürlich auch die Kundennähe für Frankfurt“, ergänzt Hellmich.

Consulting

Die permanente Umstrukturierung der Bankenlandschaft seit der Finanzkrise stellte ein außerordentliches Wirtschaftsförderprogramm für die gesamte Consulting-Branche dar, das bis zum heutigen Tage anhält. Der Brexit dürfte diese Entwicklung nur noch beschleunigen. Entsprechende Freudenbekundungen aus der Branche blieben denn auch nicht aus.
Ein weiterer Personalberater zählt neben Legal und Compliance jedenfalls auch die Consulting-Branche zu den Gewinnern eines Brexits. „Die Auswirkungen werden wohl aber eher mittelfristig absehbar sein“, schränkt er ein.

Devisen- und Eurobonds-Handel

„Der Devisenhandel mit dem Euro wird heute von London dominiert“, sagt Headhunter Thomas von Ciriacy-Wantrup von Fricke Finance& Legal in Frankfurt. „Mir erzählen Devisenhändler, dass das nicht so bleiben wird. Der zentrale Handelsplatz wird künftig irgendwo in der Eurozone liegen und Frankfurt hat dabei gute Chancen.“ Auch beim Handel mit Euro-Anleihen sei es undenkbar, dass dieser nach einem

Brexit weiter in London konzentriert bleibe

Ein anderer Personalberater hält es für möglich, dass ausländische Banken Trading-Aktivitäten nach Frankfurt zurückverlagern. „Historisch haben ausländische Banken auch in Deutschland getraded“, erinnert er sich. „Im Zuge der Automatisierung und durch den Trend weg von regionalen hin zu globalen Märkten wurden Trading-Jobs nach London verlagert oder sind sogar ganz weggefallen.“
Die Immobilienbranche

„Für die Immobilienbranche war Freitag ein guter Tag“, sagt von Ciriacy-Wantrup. „Die Nachfrage nach Büroraum wird sicherlich steigen und die Preise anziehen.“

„Einige Banken haben sich schon Immobilien vorreservieren lassen“, ergänzt Headhunter Andreas Jäger von Korn Ferry in Frankfurt.

Die Verlagerung des Europasitzes

Die meisten amerikanischen und asiatischen Banken betreiben ihr Europageschäft von London aus. Als erste dieser Banken hat kürzlich Morgan Stanley mit einer Verlagerung des Europasitzes nach Frankfurt oder Dublin gedroht. „Für solche Banken stellt es durchaus eine Option dar, ihr Europa-Headquarter nach Frankfurt zu verlegen“, meint Hellmich.

Auch nach Ciriacy-Wantrup könnte Frankfurt der Gewinner eines Brexits werden: „Die Message lautet: mehr Jobs für Frankfurt.“
„Frankfurt wird im Konzert der Finanzplätze sicherlich eine stärkere Rolle einnehmen“, sagt Jäger. „Die Jobs werden sich aber nur peu à peu nach Frankfurt verlagern.“

„Frankfurt wird sicherlich vom Brexit profitieren“, betont Hellmich weiter. „Wie hoch der Stellenzuwachs ausfällt, hängt jedoch von den Verhandlungen ab. Am schlimmsten wäre es, wenn die Briten versuchen die Banken durch eine laxere Regulierung zum Bleiben zu bewegen und die EU ihre Märkte abschottet.“

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