☰ Menu eFinancialCareers

Brexit: Morgan Stanley erwägt Europazentrale nach Frankfurt oder Dublin zu verlegen

Morgan Stanley image

Kurz vor dem Brexit-Referendum am morgigen Donnerstag (23. Juni) verdichten sich die Zeichen, dass es vor allem amerikanische und Schweizer Banken ernst meinen. „Dies [der Brexit] wäre das schwerwiegendste Ereignis seit dem Krieg“, warnte Morgan Stanley-Präsident Colm Kelleher in einem Interview mit Bloomberg-TV. „Die ersten Folgen könnten kontrolliert werden, aber die politischen Verwerfungen wären tatsächlich tiefgreifend.“

Noch setzt die US-Bank auf eine Ablehnung des Brexits durch die Wähler. „Aber klar schauen wir uns unsere Pläne an“, ergänzte der Leiter des Investment Bankings und Trading-Geschäfts. Die Bank erwäge im Falle eines EU-Ausstiegs ihre Europazentrale nach Frankfurt oder Dublin zu verlegen.

Dies käme einer kleinen Revolution in der Hackordnung der europäischen Finanzplätze gleich. Denn derzeit beschäftigen die US-Banken jeweils tausende von Mitarbeitern an der Themse, am Main aber nur wenige hundert für den Vertrieb und das Beratungsgeschäft.

Unterdessen berichten Branchenbeobachter, die namentlich nicht genannt werden möchten, dass sich ausländische Banken nach der raschen Anmietung ganzer Büroetagen in Frankfurt erkundigen. Diese schon seit einigen Wochen in Frankfurt umlaufenden Gerüchte bestätigte jetzt kein geringerer als der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Laut dem Grünen-Politiker hätte sich „in den vergangenen zwei Monaten“ eine ganze Reihe ausländischer Banken in Frankfurt nach Büroräumen erkundigt. Al-Wazir wollte indes nicht verraten, um welche Banken es sich genau handelt. Die Äußerung von Kelleher lässt indes vermuten, dass sich Morgan Stanley darunter befindet. Es „handle sich um ein gutes halbes Dutzend“ amerikanischer und Schweizer Banken, ergänzte der Wirtschaftsminister.

Die Hintergründe hat Professor Martin Hellmich von der Frankfurt School kürzlich gegenüber eFinancialCareers erläutert. Viele Banken würden ihre Produkte und Dienstleistungen in der EU mit einer britischen Bankenlizenz vertreiben. Falls Großbritannien der Gemeinschaft den Rücken kehre, verlören diese Banken den sogenannten „EU-Pass“.

Im Falle eines Brexits wären also diverse Banken gezwungen, eine Bankenlizenz in einem der restlichen EU-Länder zu beschaffen. Aufgrund der rechtlichen Vorgaben müssten allein in den Bereichen Compliance und Regulierung zahllose neue Stellen geschaffen werden. „Im Falle eines Brexits würden mindestens 10.000 bis 20.000 Stellen von Großbritannien in die Eurozone verlagert“, schätzt Hellmich. Unklar sei indes, ob diese Jobs in Frankfurt, Dublin, Luxemburg oder Paris wiederauferstehen.


Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier