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Leistungssport und Karriere: Schweizer schicken Ex-Banker ins Achtelfinale

Fabian Schaer

Fabian Schär, wohl der einzige Ex-Banker auf dem Rasen. (Foto: Marcel Rickli)

In der Schweiz gibt es so viele Banker, dass selbst die Nationalmannschaft – kurz „Nati“ – nicht ohne sie auskommt. Innenverteidiger Fabian Schär war maßgeblich daran beteiligt, dass die Franzosen im gestrigen EM-Spiel keine ihrer immerhin neun Ecken in ein Tor verwandeln konnten. Obgleich die Partie mit einem glanzlosen 0:0 endete, sind die Eidgenossen damit fürs Achtelfinale qualifiziert. Die Chancen stehen gut, dass der Gegner in der ersten KO-Runde Deutschland heißt – sofern die Deutschen auf dem zweiten Gruppenplatz landen.

Schär hat von 2007 bis 2010 seine Ausbildung zum Bankkaufmann bei Raiffeisen in Wil (St. Gallen) absolviert. Anschließend hat er zwei Jahre Teilzeit in der Fachabwicklung Kredite gearbeitet und intensiv beim FC Wil trainiert. Im Juli 2012 wechselte er dann in den Profifußball beim FC Basel, mit dem er dreimal in Folge den Titel der Schweizer Spitzenliga holte. Pikanterweise ist sein ehemaliger Arbeitgeber auch der Hauptsponsor der „Raiffeisen Super League“. Seit der vergangenen Saison kickt Schär übrigens bei TSG Hoffenheim. Bei einer etwaigen Partie gegen die deutsche Auswahl dürfte der 24jährige auf einige alte Bekannte aus der Bundesliga treffen.

Leistungssport stellt gutes Auswahlkriterium bei Bewerbungen dar

Schär ist kein Einzelfall. „Ich habe in diesem Jahr schon zwei ehemalige Fußballer in Prozessen vorgeschlagen“, berichtet Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt. „Der eine war drauf und dran Profifußballer zu werden. Nach einer Verletzung musste er jedoch ausscheiden, hat studiert und ist anschließend ins M&A gegangen.“ Wichtig sei, dass Leistungssportler noch jung genug umsatteln.

Leistungssport stelle ein ausgezeichnetes Auswahlkriterium bei Bewerbungen dar. „Neuere wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Motivation von Leistungssportlern der von Top-Managern ganz ähnlich ist“, sagt Tamm. Leistungssport spreche für Motivation, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft die eigenen Ziele und Interessen unterzuordnen und sich auf ein Thema zu konzentrieren. Teamsportarten zeugten wiederum von Führungs- und Teamfähigkeit. „Dabei ist es egal, ob Sie Libero oder Verteidiger gewesen sind.“

Teamsportarten lassen sich mit Arbeitszeiten im Investment Bank kaum vereinbaren

Allerdings finden sich Teamsportler unter den Investmentbankern eher selten. „Teamsportarten lassen sich erfahrungsgemäß kaum mit den langen Arbeitszeiten im Investment Banking vereinbaren“, sagt Tamm. „Dagegen sind individuelle Leistungssportarten wie Marathon weit verbreitet. Sie lassen sich besser mit den Arbeitszeiten verbinden und sorgen für einen Ausgleich.“

Mit Sport Sympathiepunkte sammeln

„Bei einer Position, bei der es auf fachliche und analytische Fähigkeiten ankommt, stellt Leistungssport schon einen kleinen Vorteil dar. In erster Linie kommt es aber auf Ausbildung und Berufserfahrung an“, erläutert Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich. „Etwas anders sieht dies in Client Relationship-Positionen aus. Wenn man sich dort im Leistungssport einen Namen gemacht hat, handelt es sich schon um einen großen Vorteil.“ Gerade bei Juniorjobs mit einem elitären Bezug wie in der Strategieberatung, im Investment Banking oder in Private Equity würden außercurriculare Tätigkeiten wie Leistungssport gern als Auswahlkriterium genutzt. „Da trennt sich dann schnell die Spreu vom Weizen“, kommentiert Surber. „Wenn der Vorgesetzte bei dem neuen Arbeitgeber den gleichen Sport wie man selbst betreibt, dann kann darüber hinaus auch noch Sympathiepunkte sammeln.“


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