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Die Frage aller Fragen: Wieso arbeiten junge Investmentbanker so hart?

Arbeitszeiten

Dass junge Investmentbanker hart arbeiten müssen, ist allgemein bekannt. Wochenarbeitszeiten von 80 Stunden stellen für Analysten und Associates geradezu eine Selbstverständlichkeit dar. Doch wieso ist dies überhaupt der Fall? Wieso stellen die Banken in ihrer Investment Banking Division nicht einfach statt 100 Jungbankern mit 90 Stunden Wochenarbeitszeit 200 mit 45-Stunden-Woche ein? Wir haben diese Fragen mit jungen und altgedienten Bankern sowie mit Recruitern diskutiert. Hier die Ergebnisse:

1. Doppelt so viele Jungbanker würden halb so viel verdienen

Diese Idee ist auch schon so manchem Arbeitgeber eingefallen. So hat etwa JP Morgan 2013 angekündigt, mehr Analysten direkt von der Uni einzustellen, um die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Allerdings ist nicht ganz klar, ob die US-Bank den gut gemeinten Ansatz in die Tat umgesetzt hat.

Recruitern zufolge gibt es allerdings gute Gründe, wieso die Banken nicht einfach die Zahl ihrer Nachwuchsbanker verdoppeln. „Wenn Sie doppelt so viele Juniors haben, dann können Sie ihnen auch nur die Hälfte zahlen“, erzählt ein Londoner Personalvermittler. „Und wenn sie viele Absolventen haben, die 50.000 Pfund (64.000 Euro) im Jahr verdienen, dann sind Sie auch nicht für die gleiche Qualität an Talenten attraktiv. Die meisten gehen des Geldes wegen ins Banking.“

Die Bruttogehälter um die Hälfte zu kürzen, scheint möglich zu sein, wenn es sämtliche Banken umsetzen würden – doch daran ist kaum zu denken. „Dann hätten Sie all die strebsamen und motivierten jungen Menschen, die 40 statt 80 Stunden in der Woche arbeiten und 50.000 Pfund (64.000 Euro) statt 100.000 Pfund (128.000 Euro) kassieren. Sobald ihnen aber eine Bank 100.000 Pfund anbietet, werden Sie dorthin weiterziehen“, prophezeit Headhunter Andrew Pringle von Circle Square in London.

2. Die Arbeit fällt stoßweise an und nur ein Teil davon bringt Geld

Die Arbeitsabläufe im M&A-Geschäft hängen mit der schlanken Aufstellung der Teams zusammen. „Es handelt sich um ein sehr volatiles Geschäft“, erzählt ein Associate einer europäischen Bank. „Manchmal geht es ganz schnell los und manchmal nicht.“

Wenn gerade keine Deals anstehen, verbringen die jungen Banker einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit der Erstellung von Marketingmaterialien, den sogenannten „picht books“,  für Deals, die niemals umgesetzt werden und für die folglich auch niemand zahlt. „Sie müssen pitchen, pitchen und noch mehr pitchen“, betont Pringle. „Die Kunden wenden sich an mehr Banken als in der Vergangenheit, weshalb ihre Chancen auf den Deal schwinden.“

Einige Banken wie Goldman Sachs haben versucht, durch die Einführung von Templates den Aufwand für die Erstellung der Marketingmaterialien zu reduzieren. Angeblich hat dies jedoch nicht zu einer Verminderung der Arbeitsbelastung geführt, sondern nur zu noch mehr Pitching.

3. Die Banken wollen keine „Nine-to-five-Kultur“ (oder „Eight-to-eight“-Kultur)

Doch es gibt auch kulturelle Gründe, wieso Arbeitgeber ihre jungen Investmentbanker so lange arbeiten lassen. „Sie haben lieber einen Mitarbeiter, der sich die Finger wundarbeitet, als zwei, die zeitig nachhause gehen. Sie wollen nicht, dass die Acht-bis-Acht-Kultur Wurzeln schlägt.“

4. Die Kunden hassen den Wechsel ihrer Ansprechpartner

Auch die Kundenwünsche tragen zu der Entwicklung bei. „Bei Großbanken wie auch Boutiquen ist es üblich, schlanke Deal-Teams zu unterhalten, die es den Mitarbeitern erlauben, einen beständigeren Kundenkontakt zu pflegen“, sagt ein Analyst. „Die Arbeit ist kundengetrieben und es ist sinnvoll, sie bei Laune zu halten.“

5. Die Deals sind komplex und es wäre ineffizient, zu viele Analysten zu beteiligen

Laut Analysten mache es keinen Sinn, zu viele Leute an der Dokumentation eines Deals mitarbeiten zu lassen. „Ich weiß, wo all die Dokumente liegen und ich würde viel Zeit benötigen, sie an Kollegen weiterzuleiten“, ergänzt er. „Wenn Sie die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen, würde die Kommunikation innerhalb des Teams mehr Zeit erfordern.“

6. Die Arbeit in einem schlanken Team bereitet auf die Zukunft vor

Ein Analyst in einem kleinen Team hat größere Chancen selbst an der Umsetzung eines echten Deals beteiligt zu werden. „Die Arbeit in einem schlanken Team ermöglicht Ihnen das Sammeln von Dealerfahrung“, sagt ein Analyst. „Dies ebnet den Übergang zu Positionen mit mehr Verantwortung, in der Sie tatsächlich den Deal durchführen.“

7. Die Ausbildung von zusätzlichen Jungbankern würde mehr Zeit kosten und viele davon müssten wieder gehen

Eine M&A-Führungskraft warnt vor der Einstellung von zu vielen Jungbankern. Wenn es doppelt so viele Analysten gebe, würde dies die doppelten Ausbildungsanstrengungen der älteren Banker nach sich ziehen.

Diese Anstrengungen wären überdies wertlos. Denn die Banken müssten die zusätzlichen Analysten nach einigen Jahren wieder vor die Tür setzen. „Banken sind wie Pyramiden aufgebaut“, sagt er. „Es gibt immer weitaus mehr Analysten und Associates als Vice Presidents, Directors und Managing Directors.“ Mit anderen Worten: Der gesamte Aufbau der Investmentbanken müsste sich ändern. Entweder werden junge Banker ohne Chancen auf eine Weiterentwicklung eingestellt, es gibt mehr Leute auf den verschiedenen Ebenen der Bank oder sie müssen die zusätzlichen Juniors nach einigen Jahren auf die Straße setzen.“

8. Die Einstellungsprozesse sind lang und es lässt sich kurzfristig kaum Personal finden

Einem Analysten zufolge würde es Banken selten gelingen, die Einstellungswünsche der M&A-Abteilungen zeitnah zu erfüllen. Wenn die M&A-Aktivitäten rasch steigen – wie das im vergangenen Jahr der Fall gewesen ist –  dann sei es schwierig, zügig frisches Personal aufzutreiben.

„Einstellungen finden üblicherweise erst spät in einem konjunkturellen Zyklus statt und die Banken stellen meist erst bei erheblichen Nachholbedarf ein und nicht vorsorglich“, berichtet ein Analyst. Theoretisch könnten Banken auch die Arbeit von Analysten outsourcen oder an billigere Standorte im Ausland verlagern, wenn viel Arbeit ansteht. Das geschieht auch tatsächlich. So verlagert Goldman Sachs mehr und mehr Arbeit nach Mumbai. Allerdings berichten Analysten davon, dass die dortige Arbeitsleistung oft von zweifelhafter Qualität sei. „Junge Banker befinden sich oft näher an den Verhältnissen und sind daher eher in der Lage die ästhetischen und fachlichen Anforderungen zu erfüllen.“

9. Billige Jungbanker zählen genauso wie erfahrenere Arbeitskräfte, wenn ein Personalabbau ansteht

Schließlich scheuen sich die Banken zu viele Nachwuchsbanker einzustellen, weil sie insgesamt Personal abbauen wollen. Auch wenn jüngere Banker verhältnismäßig günstig sind, werden bei Abbaumaßnahmen regelmäßig Köpfe gezählt. „Analysten zählen genauso wie Managing Directors, wenn es darum geht, Kosten abzubauen“, erzählt ein altgedienter Banker. „Obwohl das eigentlich nicht der Fall sein sollte.“

Foto: Way von Hernán PiñeraCC BY 2.0.

 

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