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GASTBEITRAG: Wieso ich gerne Aktuar bin

Aktuar

Die Frage, was man als Aktuar macht, kann man gar nicht so schnell in einem Satz beantworten – das ist zumindest die Meinung von Florian Büchting, der seit 2005 bei der ehemaligen Revios und heutigen SCOR in Köln arbeitet und seit 2010 auch den Titel des Aktuars (DAV) trägt.

Das Berufsfeld ist so vielfältig. Den Back-Office-Tarife-Schrauber mit einem Touch zum Nerd mag es noch geben, aber er ist definitiv ein Auslaufmodell. Ich mag das Bild, dass Aktuare die Sicherheits-Ingenieure eines Versicherungskonzerns sind.

Auch wenn Aktuare typischerweise einen mathematischen oder wirtschaftsmathematischen Background haben, ist das Thema Risikomanagement und Risikosteuerung das moderne Arbeitsfeld des Aktuars. Risikomanagement fängt schon da an, wo der potenzielle Versicherungskunde noch gar nicht das Produkt abschließen kann: In der Produktentwicklung und der Tarifierung, also der Prämienberechnung, werden die Weichen gestellt, dass eine Versicherungspolice nicht nur den aktuellen Erwartungen und Bedürfnissen des Kunden entspricht, sondern auch garantiert die Leistung erbringt, wenn sie im Schadensfall benötigt wird. Aktuare sind dabei am Zahn der Zeit.

Die Arbeit der Aktuare endet aber nicht mit der Produkteinführung. Denn eine Police muss während ihrer Laufzeit ständig betreut werden. So erfordern bspw. die anhaltende Niedrigzinsphase und die gestiegenen Anforderungen durch das neue europäische Aufsichtsregime für Versicherungen (Solvency II) regelmäßige Nachreservierungen, für deren Berechnungen die Aktuare ebenfalls verantwortlich sind. Solvency II verlangt sehr strukturierte Prozesse, Du sollst eigentlich immer in der Lage sein, Dir ein aktuelles Bild Deiner Risiken zu machen. Der Aktuar ist da mittendrin. Du kannst Dich anhand Deiner persönlichen Vorlieben entwickeln.

Dabei ist der typische Aktuar übrigens nicht mehr alt und männlich. Vielmehr entwickelt  sich der Beruf immer mehr zur Frauendomäne. Sechzig Prozent der Einsteiger in diesen Teil der Versicherungswelt sind mittlerweile weiblich.

Ich selbst arbeite bei der SCOR, einem der größten Rückversicherer der Welt. Rückversicherungen garantieren die Stabilität der Versicherungsbranche, indem sie das Risiko großer Schäden abmindern und auch dafür geschätzt werden, dass ihre globale Expertise oft breiter aufgestellt ist als dies bei einem national agierenden Versicherungsunternehmen der Fall sein kann.

Aktuare arbeiten aber längst nicht mehr nur in klassischen Versicherungssparten, sondern oft auch in der Altersvorsorge, bei Beratungshäusern oder in der Wirtschaftsprüfung. Ich bezeichne mich auch als „Dolmetscher“ zwischen der Welt der Aktuare und der IT: Unser Team ist dafür verantwortlich, dass alle SCOR-Einheiten der Lebensrückversicherung zuverlässige Daten für das interne Modell der SCOR liefern. Dabei arbeiten wir mit Aktuaren aus der ganzen Welt zusammen. Meine Aufgabe ist es, die Softwaretools, mit dem wir die Daten sammeln, zu warten und auszubauen. Gerade für Solvency II werden sehr große Mengen an Daten benötigt. Da die Daten aus der ganzen Welt kommen, sind auch kommunikative Fähigkeiten von zentraler Bedeutung. Hinzu kommen immer neue Anforderungen. Als ich bei der SCOR anfing, passte unsere jährliche Berechnung noch in ein Excel-Sheet. Heute liefern die Einheiten für jeden einzelnen Vertrag in jedem Quartal deutlich mehr Daten.

Außerdem gibt es immer neue Erwartungen wie veränderte Buchungsstandards. Eigentlich bin ich so etwas wie ein Prozess-Manager. Bei der Diskussion mit unseren IT-Entwicklern kommt mir zugute, dass ich früher an Computern rumgeschraubt habe und im Studium auch viel über Software-Engineering gelernt habe. Dass mir das einmal in einem Versicherungs-Job zu Gute kommen würde, hätte ich nicht erwartet.

Berufseinsteigern empfehle ich, der Branche eine Chance zu geben. Ich wollte nie zu einer Versicherung. Trotzdem halte ich es jetzt schon fast elf Jahre aus und will eigentlich nicht mehr weg.

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