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Mit welchen Fragen Sie das Herz eines Schweizer Recruiters erobern

Vorstellungsgespräch

Die eigenen Fragen im Vorstellungsgespräch werden häufig unterschätzt.

Ein Vorstellungsgespräch stellt kein Verhör dar. Vielmehr schätzen es Arbeitgeber und Headhunter, wenn Kandidaten mit eigenen Fragen glänzen. „Bei einem Vorstellungsgespräch handelt es sich um keine Einbahnstraße. Hier findet idealerweise eine Unterhaltung statt, in der von beiden Seiten – Personalberater als auch Kandidaten – Fragen gestellt und Antworten gegeben werden“, sagt Personalberater James Hambly-Smith von Robert Walters Schweiz. Doch mit welchen Fragen können Bewerber die Herzen von Arbeitgebern und Recruitern im Sturm erobern und welche bleiben lieber unausgesprochen. Wir haben bei Schweizer Personalprofis nachgefragt:

Was Recruiter hassen…

Keine Fragen

Keine Fragen in einem Interview zu stellen, zeigt, dass ein Kandidat unvorbereitet ist und kein grundlegendes Interesse mitbringt“, warnt Hambly-Smith. Er empfiehlt Kandidaten sich auf jedes Vorstellungsgespräch eingehend vorzubereiten und sich mindestens drei bis fünf konkrete Fragen zum Stellenprofil zurechtzulegen. „Dies zeigt einfach, dass sich jemand vorab mit der Stelle auseinandergesetzt hat“, betont Hambly-Smith. Teilweise genügen schon einfache fachspezifische Fragen sowie Fragen zur Teamgröße und Teamstruktur. „Wichtig ist, dass die Fragen immer an die betreffende Position angepasst werden“, betont Hambly-Smith.

Fragen zu Gehalt, Urlaub und Arbeitszeiten

„Es kommt weniger gut an, wenn man gleich am Beginn des Gesprächs nach den Rahmenbedingungen fragt, nach Salär, Urlaub und Zusatzleistungen“, warnt Vogler. „Dann fragt man sich: Was interessiert den Kandidaten mehr: das Geld oder die Stelle.“

Insbesondere in der ersten Gesprächsrunde sollten die Fragen hauptsächlich zur Position und den fachlichen Voraussetzungen gestellt werden und weniger zu Themen wie Mittagspause oder Work-Life-Balance“, meint auch Hambly-Smith. „Obwohl das Thema Work-Life-Balance in der Schweiz eine größere Rolle spielt als z.B. in anderen internationalen MärktenDies liegt allerdings auch an der Unternehmens- und Arbeitskultur in der Schweiz. Ist aber auch oft branchenabhängig.”

… und welche Fragen Recruiter lieben

Fragen, die von Vorbereitung und Interesse zeugen

Vogler hört von Kandidaten gern Fragen, die für ein Lesen „zwischen den Zeilen des Stellenangebotes“ sprechen. Wenn in der Annonce beispielsweise Teamfähigkeit gefordert werde, könne ein Bewerber fragen, wie das Team beschaffen ist, wer dazu gehöre und wie die Zusammenarbeit konkret funktioniere.

Laut Headhunterin Karin Signer von Signer Beratungen in Zürich zeichnen sich gute Fragen dadurch aus, dass sie die Informationen aus der Stellenanzeige vertiefen. „Ich empfehle jedem Kandidaten, die Stellenanzeige zum Vorstellungsgespräch mitzubringen und sich einige Fragen zu notieren“, sagt die Expertin. „Es wirkt einfach engagierter, wenn jemand bereits Fragen mitbringt.“

Fragen nach der Unternehmenskultur

Vogler rät Fragen zur Unternehmens- und Arbeitskultur sowie den Werten zu stellen. Dies bewahre vor unschönen Überraschungen. Ganz ähnlich sieht dies Signer: Kandidaten könnten beispielsweise fragen, wie das Team aufgestellt sei. Werde Englisch, Deutsch oder vielleicht sogar Schweizerdeutsch gesprochen.

Fragen nach der längerfristigen Entwicklungsperspektive

Jobhopping ist in der Schweiz ebenso unbeliebt wie in Deutschland. „Bewerber sollten möglichst nach den längerfristigen Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten der Stelle fragen“, meint Vogler daher. Diese Frage sei für Bewerber aus dem Ausland besonders wichtig, da diese hiermit eine längerfristige Orientierung in die Schweiz signalisieren.

Auch Hambly-Smith rät zu Fragen nach den mittel- und langfristigen Perspektiven. „Auch hier sollten Kandidaten vorab ausführlich über die Branche und das Unternehmen recherchieren, um dann Fragen gezielter stellen zu können“, sagt der Personalprofi. „Bei einigen Banken oder Unternehmen, ist es von vornherein klar, dass es kurzfristig keine Entwicklungsmöglichkeiten geben wird – langfristig aber sieht es anders aus. Dies ist natürlich auch von der Unternehmensgröße und der aktuellen wirtschaftlichen Situation abhängig oder wie das Unternehmen aufgestellt ist.”

Wieso die Stelle neu besetzt wird

Mit der Frage, wieso die Stelle neu besetzt wird, erntet ein Bewerber selten Begeisterung. Dennoch hält Signer sie für legitim: „Wurde die Stelle neu geschaffen oder nur neu besetzt? Wie lange hat der vorherige Stelleninhaber dort gearbeitet? Waren es drei Monate oder zehn Jahre“, führt Signer weiter aus.

Fragen an den Personalvermittler

Das Herz von Recruitern lässt sich jedoch nicht nur mit Fragen an den potenziellen Arbeitgebern erobern. Vielmehr freuen sich auch Personalberater über bestimmte Fragen von Kandidaten. „Ich schätze es, wenn mir z.B. Kandidaten – insbesondere internationale Kandidaten, die eventuell noch keine Erfahrungen mit Bewerbungsprozessen in der Schweiz haben – grundlegende Fragen zum Layout des Lebenslaufes, Bewerbungsprozessen und den Schweizer Anforderungen stellen“, erzählt Hambly-Smith. Tendenziell herrsche bei Schweizer Finanzdienstleistern noch ein Arbeitgebermarkt. „Daher sollten sich Kandidaten grundsätzlich mit ihrem Personalberater absprechen, wie sie aus der Masse der Bewerber herausstechen können.“

Die Frage nach den Chancen

Am Ende des Vorstellungsgesprächs – egal ob mit dem Unternehmen direkt oder mit dem Personalberater – empfiehlt Hambly-Smith den Kandidaten den Ball zurückzuspielen. „Für den Abschluss eines Gesprächs rate ich zu Rückfragen. Auch hier gilt wieder, dass ein Interview unter anderem nur dann erfolgreich und positiv verlaufen kann, wenn Unternehmen und Kandidat interaktiv eine Unterhaltung führen. Fragen, die deutliches Interesse seitens des Kandidaten zeigen, runden das Gespräch natürlich ab: Haben Sie Feedback für mich? Wie geht der Prozess weiter?“, erläutert Hambly-Smith. Dies setzt natürlich voraus, dass sich der Bewerber tatsächlich für die Stelle interessiert und das Gespräch gut verlaufen ist. „Damit bleibt man beim Arbeitgeber in Erinnerung.“ Außerdem sei die Reaktion des Arbeitgebers auf diese Frage höchst aufschlussreich.


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