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Der Bund der Mackies: Wie McKinsey-Alumni das deutsche Banking steuern

McKinsey & Co

Der Mackie ist ein seltenes Wesen, erstklassig ausgebildet und stets mit besten Referenzen. Obgleich die Population der ehemaligen McKinsey-Mitarbeiter zahlenmäßig kaum ins Gewicht fällt, findet sich diese Spezies besonders häufig an der Spitze deutscher Banken und Finanzdienstleister. Dabei haben wir uns auf die Vorstände konzentriert und verwandte Arten – wie die Alumni von Boston Consulting, Bain und Roland-Berger – unberücksichtigt gelassen. Konkret:

Oliver Bäte, Allianz-Chef

Obwohl Bäte heute kein Banker mehr ist, hat er seine Karriere im Banking mit einer Lehre bei der WestLB begonnen. Nach einem BWL-Studium in Köln und einem MBA an der Stern School in New York hat er 1993 bei McKinsey angefangen. Dort spezialisierte er sich auf Versicherungen, sodass er 2003 zum Leiter des europäischen Versicherungs- und Asset Management-Sektors aufstieg. 2008 wechselte er in den Vorstand der Allianz – erst als Chief Operating Office und dann als Finanzvorstand. Seit 2013 ist Bäte Allianz-Chef.

Martin Blessing, künftiger Chef der UBS Schweiz

Blessing stammt aus dem Banking-Hochadel. Sein Großvater war Bundesbankpräsident, sein Vater Deutsche Bank-Vorstand und sein Schwager Axel Wieandt leitete zeitweilig die Hypo Real Estate, das allerdings unrühmlich. Nach einer Lehre bei der Dresdner Bank, einem BWL-Studium in Frankfurt und St. Gallen erwarb Blessing 1988 einen MBA der University of Chicago. Anschließend arbeitete er bis 1996 bei McKinsey, wo er es zum Partner brachte. Von 1997 bis 2001 war er Co-Head des Filialgeschäfts der Dresdner Bank bzw. Chef der zum Konzern gehörigen Advance Bank. 2001 wechselte Blessing in den Commerzbank-Vorstand, wo er 2008 zum Vorsitzenden ernannt wurde und die nach Dresdner Bank-Übernahme und Finanzkrise erforderliche Sanierung durchführte. Ab September leitet er das Schweizer Geschäft der UBS.

Marcus Chromik, Risikochef der Commerzbank

Als Risikochef ist Chromik Herr der Zahlen. Von daher wundert es kaum, dass er ein Physikstudium in Göttingen, Kiel, Lansing (Michigan State University) und München mitbringt. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni München, wo er 2001 promoviert wurde. Seine Karriere startete Chromik bei McKinsey in Frankfurt. Von 2004 bis 2009 nahm er verschiedene Funktionen im Risikomanagement der Postbank wahr. 2009 wechselte er zur Commerzbank, bei der er zunächst das Markt- und später das Kreditrisiko verantwortete. Seit Jahresbeginn ist er Vorstandsmitglied. Sein Beispiel zeigt übrigens, wie wichtig Erfahrungen in verschiedenen Risikobereichen für eine einschlägige Karriere im Risikomanagement sind.

Alexander Dibelius, CVC Capital Partners Deutschland-Chef, früherer Chef von Goldman Sachs in Deutschland

Viele junge Investmentbanker wollen ins Private Equity umsteigen. Dibelius wagte den Schritt an die Spitze von CVC Capital Partners erst sehr spät in seiner bewegten Karriere. Nach einem Medizinstudium und einiger Zeit als Assistenzarzt wechselte der Herzchirurg zu McKinsey, wo er es bis 1992 zum Partner brachte. 1993 folgte der Wechsel zu Goldman Sachs, 1997 wurde er zum Managing Director befördert und von 2004 bis 2014 leitete er das Geschäft in Deutschland. In dieser Zeit galt er als Inbegriff des Mackies und Goldmanns. Seit seinem Abgang zu CVC Capital ist es um Dibelius ruhiger geworden.

Michael Mandel, Privatkundenvorstand der Commerzbank

Normalerweise starten die späteren Mackies ihre Karriere gleich nach dem Studium in der Strategieberatung. Doch es gibt Ausnahmen. Nach Banklehre bei der Bremer Bank (Teil der Dresdner Bank) und BWL-Studium in Münster hat Mandel von 1994 bis 2000 im Privatkundengeschäft der Dresdner Bank gearbeitet. 2000 bis 2002 folgte dann ein Abstecher zu McKinsey in Frankfurt, der allerdings genügte, um seiner Karriere neuen Schwung zu verleihen. Zunächst leitete Mandel von 2002 bis 2004 das Business Development der Commerzbank, dann von 2005 bis 2008 das Filialgeschäft und avancierte anschließend zum Comdirect Bank-Chef, einer Perle im Konzernverbund. Seit Ende Mai ist er Privatkundenvorstand der Commerzbank.

Marcus Schenk, Finanzvorstand der Deutschen Bank

Schenk hat VWL in Bonn und Berkeley studiert und anschließend in Köln promoviert. Anfang der 90er Jahre startete er seine Karriere bei McKinsey, wo er erste Kontakte in die Bankenbranche knüpfte. 1997 wechselte er zu Golman Sachs, wo er bis 2002 zum Partner aufstieg und 2006 als Co-Head Investment Banking für Europa, Afrika und den Mittleren Osten ausstieg, um bei E.ON als Finanzchef zu wirken. Nach einem kurzen Zwischenstopp fing Schenk schließlich bei der Deutschen Bank an, wo er seit Mai 2015 als Finanzvorstand agiert. Bei seiner Karriere war sicherlich hilfreich, dass Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner früher das Geschäft von Goldman Sachs in Frankfurt leitete. Achleitner hat übrigens seine Karriere beim McKinsey-Konkurrenten Bain & Company begonnen.

Theodor Weimer, Chef der HVB

Mit langjähriger Berufserfahrung bei McKinsey gelingt offensichtlich auch noch ein später Kickstart in die Banking-Karriere. So hat Weimer nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Tübingen und St. Gallen sowie einer Promotion in Bonn 1988 bei McKinsey begonnen, wo er immerhin bis 1995 blieb. Anschließend wechselte er zum McKinsey-Konkurrenten Bain & Company, wo er sogar zum Mitglied der weltweiten Geschäftsführung avancierte. Erst im Alter von über 40 wechselte er zu einer Bank und wurde dann gleich Managing Director bei Goldman Sachs. 2004 wurde er zum Partner im Investment Banking befördert. 2007 wechselte er zur HypoVereinsbank, wo er zunächst das Investment Banking leitete und ab 2009 die gesamte Bank.

Fazit

Eine Station bei McKinsey im Lebenslauf zu haben, stellt ein gewaltiges Karrierekapital dar, vor allem wenn es mit einem MBA oder eine Promotion verbunden ist. Es zeigt auch, wie ein Karriereaufbau gewissermaßen im Krebsgang im Wechsel zwischen Consulting und Banking zum Erfolg führt.

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