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GASTBEITRAG: Wieso ich mir eine Auszeit von der Credit Suisse gegönnt habe

Der Flug ins Ungewisse

Der Flug ins Ungewisse

Vielleicht bin ich mutig, vielleicht aber auch nur dumm – aber in meiner 16-jährigen Karriere habe ich mir zwei längere Auszeiten gegönnt. Das erste Mal war im Jahre 2001. Meine Tochter war gerade geboren worden und ich fand es schöner, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Eigentlich hatte ich eine Auszeit von drei Monaten geplant; am Ende wurden es zehn.

Ich war nur ein Vertragsarbeiter. Man könnte also sagen, dass sich eine Auszeit von mir leichter umsetzen ließ. Doch wie jeder Contractor weiß, gibt es dabei immer ein Risiko. Ich war bei der Credit Suisse so etwas wie ein Hardcore-Entwickler und obwohl ich meine Arbeit mochte, wusste ich nicht, ob ich das langfristig machen wollte. Neben dem Kontakt mit meiner Tochter habe ich die zehn Monate genutzt, um herauszubekommen, was ich künftig machen wollte und ich entwickelte eine Webanwendung, die ich einige Jahre lang verkaufte.

Während dieser ersten Auszeit habe ich festgestellt, dass ich auch etwas mit Management und nicht nur mit Entwicklung machen wollte. Dies bedeutete jedoch auch, dass ich eine Festanstellung finden musste. Ich habe an einigen Vorstellungsgesprächen teilgenommen und das interessanteste Angebot stammte von der Credit Suisse. Sie suchten jemanden für eine aufregende neue Abteilung mit dem Namen „Derivatives IT“.

Ich fing also an und managte zunächst zwei Leute. Am Ende sollten es etwa 300 werden.

Die Banking-IT hat sich verändert, heute dreht sich alles um Regulierung

Die folgenden 14 Jahre verbrachte ich damit, das IT-Geschäft der Credit Suisse in einer Phase großen Wachstums und Wandels zu managen; vieles davon wurde von den Regulierungsbehörden angeordnet. Es war unglaublich interessant: Wir schufen die IT für das Derivategeschäft von der Pike auf und haben es ständig an die neue Regulierung angepasst: FCA, MiFID, Dodd Frank etc.

2015 begann ich mich wie in alten Tagen zu fühlen. Als ich bei der Credit Suisse angefangen hatte, sind wir von der Idee von drei Derivateshops ausgegangen: einen für Trades, einen fürs Risiko und einen für das Bargeld. 2015 waren diese Shops entwickelt und an die regulatorischen Anforderungen angepasst. Die nächste Vision der Bank bestand darin, alle Handelsgeschäfte in nur einem Shop zu bündeln. Dieses Mal hatte ich den Eindruck, dass sich mein Leben wiederholt und ich schaute mich bei der Bank nach anderen Aufgaben um. Ich fand jedoch keine andere Position, die ich gerne übernommen hätte. Also entschied ich mich, meinen Hut zu nehmen und mir eine Auszeit zu gönnen.

Handelt es sich um einen Schritt, vor dem man Angst haben muss? Das kommt darauf an. Ich war schon immer ein kleiner Spinner, was die Angelegenheit vereinfacht. Ich habe auch nie das ganze Geld ausgegeben, das ich verdient habe, und ich habe die Risiken gedanklich durchgespielt. Ja, es stellt sich immer die Frage, wie lange die Auszeit dauern darf und ob der Markt die Rückkehr akzeptiert. Für mich stellt sich das nicht als allzu großes Problem dar.

Ich verließ die Credit Suisse im Mai 2015. Mithin dauert die jüngste Auszeit mittlerweile rund zwölf Monate. Ich habe abgewogen, was ich weiter machen wollte und habe mich fortgebildet.

Mit der Zeit kam ich zu dem Schluss, dass sich das Banking verändert hat. Der regulatorische Druck ist zum zentralen Problem das Bankings geworden. Bei der Arbeit von Leuten wie mir geht es zunehmend darum, wie erfülle ich die regulatorischen Anforderungen und nicht, wie generiere ich Mehrwert. In der Vergangenheit habe ich mit dem Front Office zusammengearbeitet, um ihren Output zu erhöhen. Dabei stellte sich ein Gefühl der Erfüllung ein. Jetzt geht es nur darum, die nächste Regulierungsfrist einzuhalten.

Und Sie müssen Mitarbeiter in Zeiten des Wandels motivieren…

Indem Banken immer kleiner werden, werden Beförderungen auch immer schwieriger. Die Bezahlung fällt und Sie müssen härter arbeiten. In einem Moment managen Sie ein Team in Ihrer Nähe, im nächsten wird die Entwicklungsabteilung ganz weit weg verlagert. Sie bauen also hier Stellen ab und dort  wieder auf. Sie müssen diese Veränderung managen und gleichzeitig darauf achten, dass die Leute ihre Motivation nicht verlieren.

Mitarbeiterführung in der Finanz-IT war noch nie so schwierig wie heute und soweit ich das von außen beurteilen kann, eröffnen sich immer weniger interessante Chancen. Es handelt sich nur noch um Contractor und externe Berater, die die Veränderungsprozesse managen, wie sie durch die Regulierer auferlegt werden. Ich hoffe, dass sich das wieder ändert, denn ich habe meine Karriere im Banking wirklich geliebt.

Während meiner letzten Auszeit habe ich sieben Monate für eine Fortbildung zum Coach verwendet. Ich denke, dass mich dies zu einem besseren IT-Manager macht – und zwar nicht nur im traditionellen Banking. Nachdem ich mir eine Auszeit genommen habe, habe ich erkannt, dass ich mich auch für andere Gebiete wie Start-ups oder sogar Unternehmen interessiere.

Das Banking wird sich immer ändern. Sich freiwillig eine Auszeit zunehmen, birgt somit stets Risiko in sich, aber es bietet auch immer die Chance, seine Karriere kritisch zu hinterfragen und herauszufinden, worin der nächste Schritt bestehen soll. Diese Strategie hat sich für mich als unschätzbar erwiesen und ich würde sie jedem anderen empfehlen.

Nicholas Foster schreibt für den Blog develite.com. Bis vor einiger Zeit leitete er als Director das Derivative Change Managements der Credit Suisse.

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