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GASTBEITRAG: Sieben Gründe, wieso Investment Banking den besten Ort für den Karrierestart darstellt

Five swimmers jumping together into water isolated blue background

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Als ich nach zehn Jahren dem Investment Banking dem Rücken gekehrt habe, hätte ich vor lauter Glück singen und tanzen können. Ja, ich war über den Abschied glücklich. Mittlerweile sind über zwei Jahre vergangen und ich habe den Schritt niemals bereut.

Eine Karriere im Banking zu starten, bringt Sie an Ihre Grenzen, während Sie in dieser Zeit wesentliche Kompetenzen sowohl fachlicher als auch persönlicher Art aufbauen. Damit werden Sie in Ihrer Karriere immer ganz vorne mit dabei sein – gleich wo es sie hin verschlagen sollte.

1. Vergütung

Vergessen wir die Kompetenzen für einen Augenblick und lassen Sie uns übers Geld reden. Für jemanden frisch von der Uni fallen die unerreichten Gehälter und Boni der Analysten und Associates mehr als üppig aus. Es handelt sich um den kürzesten Weg zu finanzieller Sicherheit. Diese Stabilität ermöglicht es Ihnen, einige Jahre später größere Risiken in Ihrer Karriere einzugehen. Auch wenn IT-Startups die Aussicht mitbringen, sie einmal für Millionen verkaufen zu können, zahlen sie doch nicht die alltäglichen Rechnungen.

2. Durchhaltevermögen

Kaum jemand zählt die durchgearbeiteten Wochenenden, die schlaflosen Nächte und das mangelnde Privatleben zu den Vorteilen. Doch nachdem man 90 und mehr Stunden die Woche gearbeitet hat, steht zumindest eines fest: Es kann nur besser werden. Auch wenn dies den Blick durch die rosarote Brille gleichkommt, trifft es doch zu. Wenn Sie schon einmal gespürt haben, wie sich totale Erschöpfung anfühlt, dann kommt einem alles, was kurz am physischen Zusammenbruch vorbeiführt, schon fast wie Urlaub vor. Um fair zu bleiben: Auch so mancher Arzt im Krankenhaus kann hiervon ein Lied singen. Glücklicherweise kostet es keine Menschenleben, wenn einem Banker um 3 Uhr nachts Fehler unterlaufen – auch wenn das so manche Führungskraft anders sieht.

3. Zeitmanagement

Die einzige Möglichkeit ein wenig Freizeit abzuzweigen besteht darin, das meiste aus seiner Arbeitszeit herauszuholen. Leider ist es recht verbreitet, dass jüngere Banker stundenlang herumsitzen, während sich die Senior Banker ums Geschäft kümmern, nur um dann am Ende des eigentlichen Arbeitstages noch Aufträge zu verteilen. Niemand kümmert sich darum, den Ablauf Ihrer Aufgaben möglichst effizient zu gestalten. Eben daher kommt Ihrem Zeitmanagement eine entscheidende Rolle zu. Sobald Sie mit einem großen Loch am Nachmittag konfrontiert sind, müssen Sie sicherstellen, dass Ihnen nichts im Weg steht, sobald die Aufträge eintrudeln. Und das wird schließlich doch der Fall sein und alles wird als besonders dringend bezeichnet. Selbst wenn es nur darum geht, flink zum Friseur zu gehen oder die Schuhe zu putzen, sollten Sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

4. Sinn für Dringlichkeit

Wenn im Banking etwas so schnell wie möglich verlangt wird, dann ist es eigentlich schon zu spät. Es wird Ihnen schon angekreidet, wenn Sie auf eine E-Mail nicht innerhalb von zehn Minuten reagieren. Erst als ich das Banking verlassen habe, wurde mir klar, wie wenig verbreitet ein Sinn für Dringlichkeit ist. Für den Rest der Welt bedeutet „so schnell wie möglich“ eben nicht „sofort und möglichst noch schneller“. Als „so schnell wie möglich“ geht auch schon einmal eine Antwort nach zwei Tagen durch. Nachdem Sie das Banking aufgegeben haben, werden viele Ihrer neuen Kollegen über ihre Reaktionsgeschwindigkeit erstaunt sein.

5. Auge fürs Detail

Was bedeutet das heute noch? Seit jeder Bewerber im Vorstellungsgespräch Sorgfältigkeit als eine seine Stärken aufzählt, handelt es sich um einen reichlich abgegriffenen Begriff. Dennoch gibt es tatsächlich Leute, die sich darin auszeichnen. Für jeden, der schon einmal im Investment Banking gearbeitet hat, bedeutet dies, wieder und wieder die Fußnoten aufs Laufende zu bringen, die Unternehmenslogo bis auf den Pixel genau in eine Linie zu bringen und alles dreimal zu prüfen, bevor man es an Vorgesetzte weiterleitet. Es handelt sich darum, ein Glücksgefühl zu empfinden, wenn man kurz vor dem Drucktermin noch entdeckt, dass man eine von hundert Seiten falsch beschriftet hat. Es geht darum zu erkennen, dass in einem Schriftstück einige Zeilen in 10,5 statt in 10 Punkt formatiert sind. Ein Banker lernt den Wald, die einzelnen Bäume und jedes Detail der Rinde zu beachten. Ob gut oder schlecht: Es handelt sich um eine Fähigkeit, die Sie niemals verlieren werden.

Bei der Hochzeit eines Bankers, an der viele Banker teilnahmen, fragte jemand reihum, was sie von der Zeremonie hielten. Einem fiel dazu tatsächlich ein: „Es gab einen Formatierungsfehler auf der zweiten Seite des Programms.“ Kein Witz, das war tatsächlich seine erste Reaktion. Rasch stellte sich heraus, dass allen anderen Banker in der Gruppe derselbe Fehler aufgefallen war. Ich selbst hielt mich zurück und verschwieg, dass die Überschrift auf der dritten Seite eine falsche Schriftart aufwies.

6. Schmerztoleranz

Um 20 Uhr klingelt das Telefon: Eine Führungskraft braucht Input für eine Konferenzschaltung mit dem Management am folgenden Morgen. Er verlangt auch eine Zusammenfassung zu den Kredit-, Aktien- und M&A-Märkten im vergangenen Quartal – nur falls er sie benötigen sollte. Schließlich will er auch noch die aktualisierten Daten eines Leveraged Buy Out-Modells, von dem Sie dachten, dass es bereits seit dem vergangenen Jahr passé wäre. Am Ende des Gesprächs lässt er auch noch fallen: „… aber ich brauche das nicht vor 9.30 Uhr morgenfrüh“ und ergänzt: „Bleiben Sie also nicht zu lange.“

In einer solchen Situation könnten Sie explodieren. Doch nachdem sich dieses Szenario 17 oder 18 Mal wiederholt hat, haben Sie ein ziemlich dickes Fell entwickelt. Die langen Arbeitszeiten, das Zeitmanagement, der hyperaktive Sinn für Dringlichkeit und das geforderte Auge fürs Detail summieren sich zu einer unrealistischen Erwartungshaltung. Die darin liegende Absurdität zu erkennen und damit umgehen zu können, stellt schon eine Kompetenz für sich dar – vielleicht sogar die schwierigste. Für viele Leute, wie mich selbst, handelt es sogar um den Hauptgrund, wieso sie die Branche verlassen. Gleich, wo Sie Ihre weitere Karriere hin verschlagen wird und auf welche unvernünftigen Leute Sie dort auch immer treffen, können Sie sich immer noch selbst sagen: „Immerhin handelt es sich nicht ums Banking.“

7. Empathie

Deal getriebene Banker sind nicht gerade für ihre Einfühlsamkeit und ihr Verständnis bekannt. Vielmehr mehren sich die Hinweise, dass es sich bei einigen der besten „Regenmacher“ der Branche um veritable Soziopaten handelt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die meisten Banker keine anständigen Menschen wären. Besonders seit sich die Philosophie der Branche verändert, sehen sich immer weniger Leute gezwungen, den immer gleichen Teufelskreis mitzumachen. Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass der Job stressreich und fordernd ist. Und es kommt noch schlimmer: Einige denken sogar, dass es noch ein Leben außerhalb des Büros gibt. Hoffentlich beherzigen Sie diese Philosophie während Ihrer gesamten Laufbahn wie alles andere auch, was Sie am Anfang Ihrer Karriere im Banking gelernt haben.

Mark Franczyk hat zehn Jahre als Investmentbanker gearbeitet. Nachdem er zum Vice President befördert worden war, hat er sich zum Verlassen der Branche durchgerungen, eine professionelle Kochschule besucht und arbeitet mittlerweile als Konditor in New York.

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