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Traurige Aussichten für Frankfurter Trader: Bringt der Brexit endlich die Wende?

Handelssaal der Deutschen Bank.

Handelssaal der Deutschen Bank.

Trader stellt lange schon keinen Traumberuf mehr dar. Die fortschreitende Automatisierung und der Trend zu margenschwachen Produkten drücken gewaltig auf die Arbeitskräftenachfrage. „In Frankfurt gibt es gar nichts, außer man ist nach 15 bis 20 Berufsjahren bereit, sich auf Stellen einzulassen, bei denen man wie beim Berufsbeginn bezahlt wird“, klagt ein deutscher Trader, der anonym bleiben möchte. „Junior möchte ich heute nicht mehr sein.“

Traurige Aussichten auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt

„Wir haben im vergangenen Jahr nur wenige Trader vermittelt“, bestätigt Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim bei Frankfurt. Dabei habe es sich neben Aktienhändlern für die Buyside lediglich um FX Trader für das Treasury von Großunternehmen gehandelt. Auch im Derivate- und Rohstoffhandel gebe es gelegentlich noch Vakanzen. Generell sehe es jedoch düster aus. „Trading stellt kein Berufsfeld dar, in das man einsteigen sollte“, warnt Behrens.

„Seit 15 Jahren beobachte ich eine deutliche Automatisierung und Digitalisierung des Tradings“, sagt der aufs Kapitalmarktgeschäft spezialisierte Personalberater Tim Zühlke von Indigo Headhunters in Frankfurt. „Damals konnten Broker im Trading noch richtig Geld verdienen.“

Drei Trends drücken auf die Beschäftigung

Doch diese Zeiten sind lang passé. Für die Entwicklung macht der Headhunter hauptsächlich drei Trends verantwortlich: „Ausgehend vom Aktienhandel haben Automatisierung und Digitalisierung deutlich zugenommen.“ Eine Ähnliche Entwicklung stehe dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpieren bevor. Im Aktienhandel sei das Rationalisierungspotenzial inzwischen weitgehend ausgeschöpft.

Bei kleineren Werten ließe sich die Automatisierung jedoch nicht so leicht vorantreiben. „Mit illiquiden Mid- und Small-Caps lässt sich noch Geld verdienen“, erläutert Zühlke. „Dort kommt es darauf an, dass Sie gut vernetzt sind und wissen, wo die großen Aktienpakete liegen.“

Unterdessen hat der Appetit der Investoren auf Aktien mittlerer und kleinerer Unternehmen deutlich zugenommen, wie ein Blick auf die Entwicklung von DAX und MDAX belegt. Während der deutsche Leitindex innerhalb von zehn Jahren bis zum Mittwoch (20. April) um etwa 72 Prozent auf 10.421 Punkte zulegte, verdoppelte sich der MDAX um 136 Prozent auf 20.650 Punkte. Mittlerweile haben sogar Investoren von anderen Kontinenten den deutschen Mittelstand entdeckt.

Der zweite Grund liegt in dem Verbot des Eigenhandels der Banken im Anschluss an die Finanzkrise. „In gewissen Grenzen findet noch Eigenhandel statt, aber das echte Prop Trading ist das nicht mehr.“

Drittens gebe es einen Trend zu simpleren Finanzprodukten. „Damals gab es noch viele komplexe Derivate, mit denen sich höhere Margen erzielen ließen“, erinnert sich der Headhunter. Dagegen setzen Investoren heute auf einfachere Derivate. „Heute gibt es sogar Emittenten, die Turbos auf dem DAX mit 0 Spreads anbieten.“ Darüber hinaus sind ehemals große Derivatehäuser wie Sal. Oppenheim und WestLB ganz vom Markt verschwunden und mit ihnen zahlreiche Jobs.

All das drücke auf die Beschäftigung in Frankfurt. „Die Zahl der Trader hat kontinuierlich abgenommen. Wo es früher zehn Trader gab, sind es heute vielleicht noch drei.“ Ein gewisses Wachstum sieht Zühlke hauptsächlich im ETF-Geschäft.

Ein Brexit würde die Nachfrage nach Tradern befeuern

Vor diesem Hintergrund dürfte ein Brexit von vielen Tradern begrüßt werden. Ein Austritt der Briten aus der EU würde wahrscheinlich eine Verlagerung der Handelsaktivitäten von London nach Frankfurt erfordern. Derartige Spekulationen nährte jetzt niemand geringeres als der neue Deutsche Bank Co-Chef John Cryan. „Es wäre schon seltsam, wenn europäische Staatsanleihen und Devisen von einer Niederlassung einer deutschen Bank außerhalb der EU in London gehandelt würde“, sagte der Brite gegenüber der Financial Times. „Bedenken Sie: Sie müssen dort sein, wo die Investoren sind.“ Falls die Briten tatsächlich für einen EU-Austritt stimmen, dann würden wahrscheinlich Teile der 12.200 Arbeitsplätze der Deutschen Bank in die EU-Staaten verlegt. Stellt sich noch die Frage, welches Finanzzentrum von einer Verlagerung in die Eurozone profitieren würde: Paris, Frankfurt oder Dublin? Für den deutschen Branchenprimus ist die Sache jedenfalls klar. „Für uns wäre das Frankfurt“, ergänzte Cryan.

„Dann würden sicherlich viele Banken Trading-Aktivitäten von London nach Frankfurt verlegen“, meint auch Zühlke. Die rechtliche und steuerliche Situation erzwinge derartige Schritte geradezu. „Wenn die Briten nicht mehr Teil der EU sind, dann bringt das Trading von London aus einen enormen Aufwand mit“, sagt Zühlke.

„Ich gehe davon aus, dass Frankfurt der große Gewinner eines Brexits werden würde“, betont Behrens. Die erforderliche Infrastruktur und der Büroraum fürs Trading seien bereits vorhanden. Die Umsiedlung von Tradingjobs von der Themse an den Main werde überdies zusätzliche Stellen in der Handelsabwicklung, in Middle und Back Office, nach sich ziehen, schätzt Behrens. „Wie sich das allerdings konkret entwickeln würde, ist noch völlig offen.“

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