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Methusalem-Komplott? Wie die Karriere auch nach 45 weitergeht

Mit 40 erreicht die Karriere erst ihren Zenit.

Mit 40 erreicht die Karriere erst ihren Zenit.

Karriereratgeber konzentrieren sich regelmäßig auf jüngere Beschäftige unter 40. Tatsächlich ist der Karriereaufbau mit der 4 vor der zweiten Ziffer meist abgeschlossen. Da es bis zur Rente jedoch noch über 20 Jahre sind und weil aufgrund der demografischen Entwicklung ältere Arbeitnehmer an Bedeutung zunehmen werden, scheint der Jugendwahn in eine Sackgasse zu führen. Wir haben Karrierecoachs und Personalberatern nach ihren besten Tipps gefragt, damit Ihre Karriere auch nach Ihrem 45 Geburtstag weitergeht.

„50 ist das neue 40“

„Ich denke, dass man mit 45 auf dem Arbeitsmarkt erst den Zenit erreicht hat“, sagt Karrierecoach Gunnar Belden von der Maturias Personalberatung in Offenbach. „Man ist hochattraktiv für Stellen, auf die man passt.“ Ältere Mitarbeiter sollten über einen Track-Record verfügen, der an der eigenen Kompetenz keinerlei Zweifel lässt. Darüber hinaus bleibe die heutige Generation der unter 45jährigen bei der Entwicklung der neuen Technologien auf dem Laufenden. In der Vergangenheit sei dies nicht immer der Fall gewesen. So hätten viele Beschäftigte im alten Jahrtausend die Computer-Revolution verschlafen, was ihre Beschäftigungsfähigkeit deutlich gemindert habe. Das sei zwischenzeitlich ganz anders, meint Belden. „Heute ist 50 das neue 40.“

Die Problemfälle

Die Jobchancen auf dem Arbeitsmarkt hängen sehr vom Profil ab, betont Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. Führungskräfte auf einer höheren Hierarchieebene seien öfter etwas älter. „Da spielt Alter eine geringere Rolle.“ Darüber hinaus gebe es auch Ausnahmen wie etwa bei den Client Relationship Managern im Private Banking. „Welcher wohlhabende Geschäftsmann möchte sich in seinen Vermögensfragen von einem Banker Ende 20 oder Anfang 30 beraten lassen?“, fragt Riske. „Da kommt oft jemand mit graumelierten Schläfen besser an.“

„Der eigentliche Problemfall sind hingegen die Fachspezialisten, die seit 20 Jahren auf der gleichen Stelle sitzen und sich nicht weiterentwickelt haben“, erzählt Riske. Derartige Beschäftigte würden sich oft erst nach einem neuen Job umschauen, wenn sie dazu gezwungen seien. Davon gebe es einige. „Da es sich bei den Hierarchien um Pyramiden handelt, gibt es naturgemäß mehr Fach- als Führungskräfte“, kommentiert Riske. Betroffene müssten sich darauf einstellen, mit jüngeren Finanzprofis zu konkurrieren, die oft günstiger seien und denen eine größere Flexibilität nachgesagt werde.

Die Zahl der passenden Jobs nimmt mit dem Alter ab

Zweifelsohne verringert sich mit fortschreitendem Lebensalter die Zahl der Jobs, für die man in Frage kommt. „Die Flexibilität nimmt im Alter ab“, sagt Belden. Während jüngere Leute mit zwei oder drei Jahren Berufserfahrung auch noch in andere Bereiche wechseln könnten, treffe dies für Mitarbeiter mit 45plus kaum zu. „Die Zahl der Jobs, auf die man passt, nimmt deutlich ab. Für die übrig bleibenden Profile ist man dann aber hochattraktiv“, betont Belden.

Die neuen Formen der Jobsuche

Die sinkende Zahl der in Frage kommenden Vakanzen verändere auch die Jobsuche. „Bei älteren Mitarbeitern wird es schwieriger sich aktiv auf offene Stellen zu bewerben, da es einfach weniger davon gibt“, resümiert Belden. Vielmehr spiele das eigene Netzwerk bei älteren Arbeitnehmern eine stetig wachsende Rolle. „Das eigene Netzwerk sollte mit der Zeit deutlich größer und belastbarer sein als in der Vergangenheit.“

„Mit steigendem Alter findet man keinen Job, sondern der Job findet einen“, meint Belden. Der Karrierecoach rät älteren Finanzprofis daher in Internet, sozialen Netzwerken oder Foren präsent zu sein und die Sichtbarkeit zu erhöhen, um so von Arbeitgebern, Personalberatern und ehemaligen Kollegen leichter gefunden zu werden.

Die Prophylaxe

Unterdessen empfiehlt Riske Finanzprofis fachlich am Ball zu bleiben. „Lebenslanges Lernen ist sehr wichtig“, betont der Headhunter. Betroffene sollten regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen, sich mit neuen Technologien beschäftigen und sich dafür möglichst auch Bescheinigungen aushändigen lassen. „Dabei geht es nicht nur um den Erwerb neuen Wissens“, erläutert Riske. „Vielmehr dokumentiert man damit, dass man auch weiter leistungsbereit und entwicklungsfähig ist.“

Ein gelegentlicher Unternehmenswechsel oder die berufliche Weiterentwicklung bei demselben Arbeitgeber zeugten ebenfalls von Flexibilität und Anpassungsbereitschaft. Gerade in jüngeren Jahren sei ein gelegentlicher Wechsel von Vorteil. „Es geht darum, Flexibilität und Kontinuität im Lebenslauf zu dokumentieren“, sagt Riske. Die Balance zwischen einem gelegentlichen Arbeitgeberwechsel und Jobhopping sei indes nicht immer leicht zu halten. „Wer über 45 ist, sollte sich in jedem Fall genau überlegen, ob ein Wechsel sinnvoll ist. Ich würde nicht nur wechseln, weil ich irgendwo anders einige tausend Euro mehr im Jahr erhalte.“

Bei den Bewerbungstechniken auf den Laufenden bleiben

So mancher blickt schon bei seinem 45. Geburtstag auf eine 20jährige Unternehmenszugehörigkeit zurück und hat sich das letzte Mal beworben, als Anschreiben noch auf der Schreibmaschine und Lebensläufe mit der Hand verfasst wurden. Die Dinosaurier des Informationszeitalters lassen sich mittlerweile nur noch in Museen und Antiquitätenschäften bestaunen.

„Viele langjährige Beschäftigte haben sich seit Jahrzehnten nicht mehr beworben“, erzählt Riske. „Sie müssen sich erst informieren, wie heute ein Lebenslauf aussieht und eine Bewerbung angelegt wird.” Riske empfiehlt Betroffenen, sich hier frühzeitig gründlich auf den aktuellen Stand zu bringen.

Niemals in die Defensive geraten

Belden rät älteren Finanzprofis bei Bewerbung und Vorstellungsgespräch zu einem selbstbewussten Auftritt. „Man muss die langjährige Erfahrung herausarbeiten und zeigen, dass man nichts an Esprit und Agilität eingebüßt hat“, erläutert der Karrierecoach. Betroffene dürften sich keinesfalls in die Defensive drängen lassen. Daher rät Belden auch dazu, Foto und Geburtsdatum in den Lebenslauf aufzunehmen. „Das Alter stellt einfach nichts dar, wofür man sich rechtfertigen muss.“

Foto: iStock / Thinkstock

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