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Programm-Trader verlassen sich 2005 auf Algorithmen

Programmhandel oder “Program Trading” bezeichnet eine Anzahl automatisch initiierter und ausgeführter Trades, die auf einmal gesetzten Parametern basieren. Gemäß der Definiton der New York Stock Exchange (NYSE) beinhaltet ein Programmhandel den Handel von mindestens 15 Wertpapieren mit einem Volumen von mindestens 1 Million US-Dollar.

Das Researchhaus Greenwich Associates hat errechnet, dass der Anteil elektronisch ausgeführter Trades an der NYSE im Jahr 2004 auf 50% angestiegen ist, nach 44% im Jahr 2003. Auch die Vermittlung qualifizierten Personals in diesen Bereich wuchs dementsprechend. Merrill Lynch, Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW), Citigroup, JP Morgan und UBS stellten weitere Arbeitskräfte in diesem Bereich ein, während Banken wie HSBC und HypoVereinsbank neue Teams aufbauten.

Programmhandel ist jedoch zumeist nur Teil eines Pakets mit anderen Handelsformen, inklusive “Direct Market Access” (Bereitstellung von Systemen, die Fondsmanagern die direkte Platzierung von Orders an der Börse ermöglichen) und Algorithmikhandel (Handel, der durch Algorithmiksoftware auf Computern basiert, die eine weitaus schnellere Durchführung von Orders erlaubt, als es Menschen überhaupt möglich wäre).Entlassungen könnten das Ergebnis sein.

Londoner City: Strategische Anstellungen

Paul Trapp, ein auf den Programmhandel spezialisierter Headhunter in London, erwartet, dass Banken in diesem Jahr strategisch einstellen werden und dass die Höhe der Boni für 2004 maßgeblich davon abhängen werde, in welchem Unternehmensbereich der Programmhandel angesiedelt ist. Bei DrKW beispielsweise ist der Programmhandel Teil der Wertpapierderivate-Abteilung, während er bei der deutschen Bank Teil der “Cash Equities”.

Da die “Cash Equities”-Abteilungen ein relativ schwaches Jahr 2004 hinter sich haben, werden die Boni für die in diesen Sektoren angesiedelten Programm-Trader wahrscheinlich schwächer ausfallen. Programmhändlern in Wertpapierderivate-Abteilungen hingegen sollte es ganz gut gehen. Zahlen der Bank for International Settlements belegen, dass das Gesamtvolumen der umlaufenden Derivate auf OTC-Wertpapiere in der ersten Hälfte 2004 um nahezu 20% angewachsen ist.

Tapp erwartet ein Anstieg der Bonifikationen für Nachwuchskräfte im Programmhandel in London um 10%. Die Top-Leute unter den Führungskräften können sogar mit Steigerungsraten von 20% und mehr rechnen. Diese Steigerungsraten mitgerechnet, können sie, je nach Position im Unternehmen, Boni von bis zu 960.000 britische Pfund (1,4 Millionen Euro) rechnen.

Wall Street: Programmhandels-Bonifikationen steigen um 15 Prozent

David Korn, geschäftsführender Partner bei Options Group und ausgewiesener Spezialist für die Personalvermittlung im Programmhandelsbereich, erwartet, dass die Bonifikationen sowohl für die Händler als auch für die Vertriebsleute in diesem Bereich um 15 % steigen werden.

In einer Umfrage unter mehr als einhundert Bewerbern und Personalvermittlern fand die Options Group heraus, dass Bonifikationen je nach Stellung im Unternehmen auch schon einmal mehr als 1 Million US-Dollar (750.000 Euro) und mehr betragen können.

Algotithmisches Trading: Wächst und wächst

Sowohl Tapp als auch Korn deuten auf einen Trend hin, der Programmhandel mit anderen Dienstleistungen bündeln wird. Korn bemerkt, dass dies zu Entlassungen führen kann. “Während früher drei Leute Programm-Trading, Direct Market Access und Algorithmikhandel an den Mann gebracht haben, wird es bald nur einen geben, der alle drei Produkte vertreibt.”

Es ist unwahrscheinlich, dass das Programm-Trading der heißeste Wachstumssektor dieser drei Bereiche ist. Diese Ehre gebührt dem Algorithmikhandel. Dushyant Shahrawat, Berater beim US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen TowerGroup, berichtet, dass im vergangenen Jahr lediglich 7 % aller Trades in den USA von mit algorithmik-basierte Software versehenen PCs abgeschlossen wurden. Dieser Anteil soll gemäß Vorhersagen der TowerGroup bis zum Jahr 2006 auf 21 % ansteigen. Europa hat sogar ein noch größeres Wachstumspotenzial. Shahrawat erklärt, bislang sei bei lediglich 3 % aller getätigten Geschäftsabschlüsse an europäischen Börsen algorithmik-basierte Software im Spiel gewesen.

Laut Richard Evans, Kopf des “Alternative Execution Desks” der Citigroup in London, einer Abteilung, in der die genannten drei Dienstleistungen bereits gebündelt sind, schaffen Algorithmen die Nachfrage einem neuen Händler-Typus: “Die Bankhäuser stellen zunehmend sehr statistik-versierte Händler ein, die eine große Anzahl von Abschlüssen analysieren und daraus Algorithmen bilden können, die genauso sicher handeln können wie ein menschlicher Trader.”

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