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Karrieremöglichkeiten im Rechnungswesen

Rechnungswesen-Profis können vielfältige Tätigkeiten ausüben

Als Antwort auf die Frage nach einem Berufsbild im Rechnungswesen fällt zumeist “Buchhalter”. Doch diese einfache Antwort ist beileibe nicht immer richtig. Mit einer Qualifikation im Finanz- und Rechnungswesen ist heutzutage eine Reihe von Berufen ausübbar, die ein breites Spektrum an Tätigkeiten abdecken.

Allein im engeren Umkreis der klassischen Buchhaltung sind Aufstiegsmöglichkeiten gegeben. “Viele unserer Mitglieder arbeiten zumindest auf Gruppenleiter-Ebene”, berichtet Heike Kreten-Lenz, Bundesgeschäftsführerin des Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC). “Das Spektrum reicht aber oberhalb davon über den Leiter Rechnungswesen beziehungsweise den kaufmännischen Leiter bis hin zum Mitglied der Geschäftsführung.”
Gerade in kleineren und mittelständischen Unternehmen ist der Sprung aus dem eigentlichen Rechnungswesen bzw. dem Controlling auf Positionen in zweiter oder erster Führungsebene nicht selten.

An der Spitze

Der Finanzvorstand beziehungsweise CFO ist die Spitze der kaufmännischen Karriereleiter. Doch der Weg dahin führt nicht allein über kaufmännische Kenntnisse. Der Finanzchef von heute ist mehr als ein reiner Kostenkontrolleur und arbeitet eng mit der Leitung des operativen Geschäfts zusammen.

“Gerade in Krisenzeiten ist Controlling- und Reporting-Wissen allein zu wenig. Tiefes Verständnis für das Kerngeschäft ist notwendig, um Innovationen herbeizuführen
und langfristiges Wachstum sicherzustellen”, bestätigt Dr. Irmgard Heinz von der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton.

Die Anforderungen an angehende CFOs sind daher umfangreich: Unternehmensstrategien, Bewertungsfragen, Kapitalstruktur, Dividendenpolitik, Management des Working Capital, Finanzierung mit Fremd- und Eigenkapital, Investitionsanalyse, Controlling, Internationale Rechnungslegung, Risikomanagement, Spezialfälle wie Fusionen und Akquisitionen, Steuern und Compliance, aber auch Investor Relations und Kommunikation – all dies sind Kenntnisse, die den Weg in die Unternehmensführung ebnen können. Doch abseits der traditionellen Jobs im Rechnungswesen gibt es gerade für Hochschulabsolventen interessante Positionen für Rechnungswesen-Experten.

Treasurer

Der Treasurer ist verantwortlich für das Management der Zahlungsströme in einem Unternehmen. Dabei sitzt der Treasurer, auch Cash-Manager genannt, an der Schnittstelle zwischen Kapitalanlage und Kapitalbeschaffung. In Großkonzernen gehört das Treasuring heute bereits zum guten Ton, doch auch in rund der Hälfte der mittelständischen Unternehmen wird heutzutage Treasuring betrieben. Tendenz: steigend.

Neben den Finanzabteilungen dieser Unternehmen bieten sich Beschäftigungsmöglichkeiten insbesondere bei Kreditinstituten, die das Management der Liquidität als Service für ihre institutionellen Kunden anbieten.

Die Karrieremöglichkeiten können im Bankbereich zum Leiter Treasury, Leiter Aktiv-Passiv-Steuerung oder Leiter Controlling führen, in anderen Branchen zum Leiter Kreditmanagement, Finanzwesen oder Controlling. Im Bankbereich ergeben sich zusätzlich Möglichkeiten im Geld- und Devisenhandel, bei Versicherungen in den Finanz- und Kapitalanlagebereichen.

Beste Voraussetzungen für einen Einstieg als Treasurer haben Hochschulabsolventen eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiengangs mit starken analytischen Fähigkeiten. Wer neben ausgeprägten Kenntnissen im Rechnungswesen erste Bankerfahrungen im Rahmen eines Praktikums oder einer Banklehre vorweisen kann, hat gute Chancen auf einen Berufseinstieg oder -umstieg. Bei Unternehmen aus Industrie und Handel sind Treasurer mit praktischen Erfahrungen in der Bankpraxis sehr begehrt.

Steuerberater

Eine kaufmännische Ausbildung ist einer der drei Wege, die zum Beruf des Steuerberaters führen – und kein seltener. “Nicht wenige unserer Mitglieder nutzen ihre Tätigkeit im Rechnungswesen als Zwischenstation, zum Beispiel auf dem Weg zum Steuerberater”, bestätigt BVBC-Geschäftsführerin Kreten-Lenz. Vor der Steuerberater-Prüfung ist eine sieben- bzw. zehn-jährige praktische Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern Voraussetzung – und dazu zählt eben auch eine Tätigkeit als beispielsweise Buchhalter.

Die beiden anderen Wege zum Ergreifen des Steuerberaterberufs führen über Hochschulen: Wer ein wirtschaftswissenschaftliches oder rechtswissenschaftliches Studium an einer Universität erfolgreich abschließt kann nach zwei Jahren (bei einer Regelstudienzeit von mindestens acht Semestern) oder drei Jahren (bei einer Regelstudienzeit von weniger als acht Semestern) praktischer Tätigkeit die Steuerberaterprüfung ablegen und abschließend zum Steuerberater bestellt werden. Auch der Abschluss eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums an einer Fachhochschule mit einer anschließenden ebenso langen Praxisphase berechtigt zur Zulassung zur Steuerberaterprüfung.

Projektmanager

Auch für Projektmanager, die heutzutage in Unternehmen nahezu jeder Branche eingesetzt werden, sind bestimmte Fähigkeiten aus dem Bereich Finanz- und Rechnungswesen, insbesondere Controlling-Kenntnisse, von Vorteil.

Der Projektmanager plant und koordiniert die Tätigkeiten der Fachkräfte, die einzelne Spezialaufgaben als Teil des gesamten Projekts ausführen. Das Controlling kommt bei der Projektsteuerung und -überwachung zum Tragen. Das bedeutet die Überwachung und anschließende Qualitätssicherung der Aufgabendurchführung. Neben den Controllingkenntnissen sind im Projektmanagement viele Soft Skills und natürlich branchenabhängige Fachkenntnisse gefragt.

Interne Revision

Die Interne Revision erbringt Prüfungs- und Beratungsleistungen, um ein Unternehmen beim Erreichen seiner Ziele zu unterstützen. Interne Revisoren agieren als Kontroll- und Überwachungsinstanz der Geschäftsführung und agieren im Feld zwischen dem Controller und den externen Wirtschaftsprüfern. Besonders im Kreditgewerbe ist die Funktion der Internen Revisionen seit Jahrzehnten etabliert.

In der Internen Revision werden vorwiegend erfahrene Mitarbeiter eines Unternehmens mit Rechnungswesenkenntnissen angestellt, auch hochqualifizierte Trainees, die verschiedene Abteilungen eines Unternehmens durchlaufen haben, werden engagiert.

Interne Revisoren können sich berufsbegleitend zum Certified Internal Auditor (CIA) qualifizieren. Mit diesem Abschluss werden erfahrene Revisoren für zukünftige höhere Aufgaben qualifiziert. Im CIA-Examen, das weltweit einheitlich vom US-amerikanischen Institute of Internal Auditors (IIA) durchgeführt wird, belegen die Revisoren theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen im Bereich der Internen Revision.

Das Examen gibt einen internationalen Standard für Qualifikationen im Revisonsbereich vor. Das bestandene Examen ist Grundlage für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung, insbesondere in internationalen Gesellschaften und nicht allein in der Internen Revision. Zusätzlich ist das Examen nicht der Endpunkt, sondern vielmehr die Basis für die fachliche Weiterentwicklung, denn CIA-Absolventen sind verpflichtet, eigenverantwortlich ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in Bezug auf Verbesserungen und aktuelle Entwicklungen bei Revisionsgrundsätzen, -verfahren und -techniken durch Weiterbildungsmaßnahmen jeweils auf den neuesten Stand zu bringen und dies auch alle zwei Jahre zu belegen.

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