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GASTBEITRAG: Die fünf Typen von Investmentbankern

investment banking personality

Alljährlich beginnen milchgesichtige Analysten und Associates frohgemut ihre Karriere im Investment Banking und fallen – selbst wenn sie sich für einzigartig halten –  unter einen von fünf Charaktertypen.

Werfe ich hier mit Klischees um mich? Vielleicht, aber nach zehn Jahren in der Branche habe ich gelernt, dass nach spätestens einem Jahr die gleichen Tendenzen und Charakterzüge zum Vorschein kommen. Ein wenig Selbsterkenntnis kann dabei von Vorteil sein. Gut möglich, dass sie sich in einem der folgenden Charaktertypen wiedererkennen.

1. Der Schlaueste von allen

Wir sprechen hier nicht von Egos wie bei Enron. Können Sie sich noch an den Typ von der Business School erinnern, der das Leben aller anderen veränderte? Diesen Typus findet man allerdings auch in den Finanzdienstleistungen.

Es handelt sich um den Schlauesten von allen. Er liegt selten falsch, wie er meint, und ist ein Meister der akademischen Finanzwissenschaften. Als laufendes Lehrbuch stellt es zweifelsohne ein Asset dar. Er entwickelt sich schnell zu dem Menschen, zu dem man geht, wenn sich irgendeine fachliche Frage ergibt. Weniger gut kommt hingegen seine Neigung an, auf die Fehler in der Arbeit der Kollegen hinzuweisen.

Mit dem Kopf voller Theorie hat er meist mit den Realitäten der Finanzwelt zu kämpfen. Leider muss ich sagen, dass es sich bei einer Analyse des Cash Flows nicht um eine akademische Übung handelt. In der realen Welt beginnt die Bewertung vielmehr mit einer Zahl, die sich in das Hirn eines Senior-Bankers eingeschlichen hat. Diese müssen Sie mit Leben erfüllen.

Auf jemanden, dessen bisherige Erfolge aus der schwarz-weißen Welt der Lehrbücher stammen, muss das Grau der realen Welt beängstigend wirken. Der Schlaueste von allen hat zwei Optionen: sich zu biegen oder zu brechen.

Wer sich zu biegen lernt, stellt fest, dass seine analytischen Künste einen beträchtlichen Vorteil darstellen, sobald diese von ein wenig Pragmatismus abgemildert werden. Und wenn es darum geht, die Fehler in der Arbeit der Kollegen aufzuspüren, dann müssen sie erkennen, dass ein wenig Taktgefühl begrüßt wird.

Wer indes zerbricht, der zerbricht gründlich. Wenn Stolz vorherrscht, dann wird er für alle anderen zur Belastung – besonders für die Kunden. Bestenfalls wird er in irgendeine Ecke abgeschoben und nur konsultiert, wenn seine akademischen Kenntnisse gefragt sind. Für die Karriere stellt dies jedoch eine Sackgasse dar.

2. Der Geschäftemacher

Die meisten Neuankömmlinge sind bereit, die Ärmel hochzukrempeln und bei der Arbeit hart anzupacken. Sie wissen, dass sie über Jahre ihre Schulden abbezahlen müssen, bevor sie selbst das große Geld verdienen. Doch einige träumen schon beim Unterschreiben des Arbeitsvertrags von Martini Lunches und Verhandlungen auf dem Golfplatz. PowerPoint sei für Trottel, er selbst sei hier, um groß mitzuspielen.

Engagement ist lobenswert. Schließlich betreiben Unternehmen dieses Geschäft, um Geld zu verdienen, was ohne Kunden und Geschäfte kaum möglich ist. Doch es dauert Monate oder sogar Jahre, bevor ein Analyst an einem Kundenmeeting teilnehmen darf – was nicht bedeutet, dass er den Mund aufmachen sollte.

Die Geschäftemacher sind üblicherweise bitter enttäuscht, wenn sich die älteren Kollegen auf den Weg zum Kunden machen, um ein großes Geschäft anzubahnen. Diejenigen, die ihrem Frust nachgeben, mustern häufig in der Hoffnung ab, einen Job mir einem früheren Kundenkontakt zu finden. Es handelt sich um die Job-Hopper. Doch Betroffene seien gewarnt: HR-Manager erkennen sie auf den ersten Blick.

Doch wer seine Ansprüche ein wenig herunterschraubt, ist häufig für den Erfolg wohlpositioniert. Ein großer Nachteil des Bankings besteht darin, dass sich der Arbeitsalltag und die erforderlichen Kompetenzen von einer Karrierestufe zur anderen radikal verändern. Der Super-Associate mit seiner analytischen Kompetenz kann später einmal als Managing Director scheitern, weil er sich einfach nicht traut, Kunden anzurufen. Wenn ein Nachwuchsbanker hart und lange arbeitet und dabei viel bewältigt, während er seinen Blick auf den Kunden nicht vergisst, dann kann er die Karriereleiter ungewöhnlich rasch hinaufklettern.

3. Der Schein-Arbeitswütige

Montagmorgen um 7 Uhr, Sonntag zur Mittagszeit und am Neujahrstag: Für den nächsten Typ ist das einerlei. Es gibt Analysten und Associates, die niemals das Büro zu verlassen scheinen. Der Schein-Arbeiter ist von seiner physischen Präsenz am Arbeitsplatz überzeugt und liegt damit sogar richtig. Denn Führungskräfte lieben es, wenn ihre Ressourcen jederzeit verfügbar sind. Sie scheinen nur vor dem Telefon zu sitzen, um auf den nächsten Anruf zu warten.

Die bloße Anwesenheit am Arbeitsplatz stellt jedoch ein zweischneidiges Schwert dar. Denn wer kaum das Büro verlässt, befindet sich offensichtlich auf dem direkten Weg zum Burnout.

Und mit der Einführung von mehr und mehr Work-Life-Balance-Programmen wird die ständige Anwesenheit mehr und mehr hinterfragt. Dabei ist es gleich, ob dies aus Gutmütigkeit oder aus der Furcht vor einem erneuten Todesfall unter den Analysten geschieht. Einsichtigere Manager beschleicht überdies ein weiterer Gedanke: Handelt es sich womöglich um ein Zeichen für Ineffizienz? Falls Mr. oder Ms. Face-Time keine höhere Arbeitsleistung als ihre Kollegen vorweisen, dann wird das wohl so sein. Darüber hinaus gibt es auch noch den sozialen Aspekt. Wer will schon mit jemanden zusammenarbeiten, der nichts als Arbeit kennt, mit jemanden, der seine Kollegen am Freitag nicht auf ein Feierabendbier begleitet? Persönliche Beziehungen stellen einen ganz wichtigen Faktor für die Karriere dar.

Es handelt sich um einen Balanceakt, den Sie beherrschen müssen. Tatsächlich ist der Face-Timer ungemein gerissen. Wenn er weiß, dass sein Chef um 8 Uhr erscheint, dann ist er pünktlich um 7.59 Uhr zur Stelle. Er nutzt auch die Technik zu seinem Vorteil und reagiert in Lichtgeschwindigkeit, wenn es erforderlich wird. Doch wie immer kommt es allein darauf an, dass die Arbeit auch tatsächlich erledigt wird.

4. Der Gläubige

Als Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein sagte, dass er und sein Unternehmen „das Werk Gottes leisten“, dann hat er das vielleicht sogar geglaubt, auch wenn er vom Rest der Welt schräg angeschaut wurde. Es fällt schwer, dies einem der einflussreichsten Banker der Welt abzunehmen. Bei Analysten und Associates sind derartige Überzeugungen eher selten. Doch der Gläubige braucht etwas Zeit, um sich zu entwickeln.

Dies beginnt meist mit einer Art Verteidigungsmechanismus. Es handelt sich um eine Maßnahme, um die langen Arbeitszeiten, die verpassten Partys und die abgesagten Urlaube zu rechtfertigen. Über die ersten Zweifel hilft noch das Geld hinweg bzw. die Aussicht auf mehr Geld in der Zukunft. Doch im Laufe der Jahre beginnen sich einige zu fragen, ob es die Opfer wirklich wert war.

Schließlich wird die vermeintliche Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns jenseits des Gehaltsschecks erkannt. Und wer einen solchen Sinn für sich erkannt hat, dem gelingt eine gesündere Karriere. Beim wahren Gläubigen handelt es sich oft um einen Teamspieler, dessen Arbeitszufriedenheit mit dem Glauben wächst.

Doch auch der Gläubige sollte eine gewisse Selbstkritik wahren. Selbst wenn es keiner zugeben mag, kennt doch jeder die Pointe: Die Aussicht auf den Bonus bringt die Banker dazu, jeden Morgen wieder zu erscheinen und nicht etwas Nützlicheres für die Gesellschaft zu leisten.

5. Der Zweifler

Jeder tritt seinen ersten Job in den Finanzdienstleistungen mit einer gewissen Vorahnung an. Für einige handelt es sich aber eher um einen Würgegriff. Sie hoffen, dass dieser Eindruck im Laufe der Zeit vergehen wird, nur um zu erleben, wie die Vorahnung sich ins nackte Grauen verwandelt.

Einige verschwinden einfach und werden nie wieder gesehen. Doch die meisten tauchen jeden Tag wieder auf, sind von ihrer Situation paralysiert und starren stundenlag auf eine leere Excel-Tabelle. Sie warten auf den Tag der Abrechnung, an dem die Dinge so schlimm werden, dass ihnen schließlich der Laufpass gegeben wird.

Wieso tritt dies so vorhersehbar jedes Jahr wieder ein? Die naheliegende Antwort lautet: Der Job ist schwierig. Die Menge und die Dringlichkeit der Anforderungen sind ohne Gleichen. Selbst wer seinen Job liebt, wird Momente erleben, in denen er sich um 4 Uhr morgens wortwörtlich die Haare ausreißt. Wer schon mit Zweifeln beginnt, empfindet das alles nur noch schlimmer.

Es kommt darauf an, wie mit Unsicherheit, Stress und Angst umgegangen wird. Die Hände in den Schoß zu legen, stellt dabei keine Option dar, sondern um Hilfe zu bitten.

Dies darf nicht als Schwäche missverstanden werden. Vielmehr profitieren von einem frühzeitigen Hilferuf alle. Ein Unternehmen gibt ein Vermögen aus, um Analysten und Associates zu finden, einzustellen und auszubilden. Von daher verwundert es kaum, dass sie ein Interesse mitbringen, dass alle erfolgreich sind. Vakanzen zu füllen, kostet lediglich noch mehr Geld. Wenn im schlimmsten Fall jemand erkennt, dass er definitiv am falschen Ort ist, dann sollte er schon aus eigenem Interesse möglichst rasch abmustern. Sie können sich nach neuen Karrierechancen umsehen und das Unternehmen kann die Stelle neu besetzen. Es handelt sich um einen harten, aber ehrlichen Weg.

Wer mit jemanden zusammenarbeiten muss, der panisch ist, sollte ihm möglichst Hilfe anbieten, sobald er darum gebeten wird. In jeder Karriere kommt man an einen Punkt, in dem man schließlich selbst ein wenig Hilfe vertragen kann.

Mark Franczyk hat zehn Jahre als Investmentbanker gearbeitet. Als Vice President hat er sich entschieden, der Branche den Rücken zu kehren, hat eine professionelle Kochschule besucht und arbeitet als Konditor in New York City.

Kommentare (1)

Comments
  1. Leider werden hier wohl nur Unfähige vorgestellt, denn es muss doch noch paar Fähige geben.
    Zu denen scheint der Autor zu gehören, der sich nicht klischeehaft beschreibt. Es scheint zudem nur eine Variation von Typenbeschreibungen über Büroarbeiter aus dem Amerikanischen zu sein. Damit gar nichts Neues.
    Typisierungen sind ohnehin fraglich, denn viele Mitarbeiter sind vermutlich Mischtypen bzw. sogar gegensätzlich.
    Tatsächlich sind die Leistungen der Mitarbeiter grob nach der Pareto-Regel einzuteilen, wer es grob mag, also 15% Hochleister, 70% Mittelmaß, 15% Minderleister und wer es komplizierter mag nicht die Normalverteilung.
    Um Mißverständnisse um das Wort Leistung zu vermeiden, soll diese als das Ergebnis definert, was betrieblich bzw. vom Management erwartet wird – auch diese Definition hat Mängel jedoch für diese Beschreibung anwendbar.

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