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GASTKOMMENTAR: Fassen Sie sich damit ab, Ihr Job ist banal

Jüngst ist im “New Yorker” ein Artikel über den Wert von Checklisten in der Medizin erschienen. Die These lautete, dass Mediziner wesentlich bessere Resultate erzielen würden, wenn sie sich an ganz simple Arbeitsabläufe halten würden, besonders wenn sie die besten Vorgehensweisen anhand einer Checkliste abarbeiten würden. Zu dieser Checkliste können auch so simple Dinge gehören, wie sich die Hände zu waschen oder vor einer Injektion die Einstichsstelle abzutupfen.

Der Vorteil von Checklisten in der Medizin ist unbestreitbar. Ihre Befolgung führt zu einer beträchtlichen Steigerung der klinischen Resultate und zu einer erheblichen Verringerung der Infektionsraten. Dabei zog der Autor folgende Analogie: Wenn es sich bei einer Checkliste um eine pharmazeutische Innovation handeln würde, dann würde ihre Wirksamkeit einer Wunderdroge, einem milliardenschweren Blockbuster gleichen. Doch trotz der überwältigenden Vorteile einer Checkliste, ist die Bereitschaft von Medizinern, Checklisten zu nutzen, recht gering.

Wenn man darüber nachdenkt, dann ist das auch nicht weiter überraschend. Können Sie sich einen erfahrenen Arzt vorstellen, der sich zu einer derart langweiligen, um nicht zu sagen lächerlichen Aufgabe herablässt, Punkte auf einem Blatt Papier abzuhaken – auch wenn die Vorgehensweise von einem ebenso erfahrenen und professionellen Arzt entwickelt wurde und nicht von einem pickligen 24jährigen Management Consultant? Dies ist ein kulturelles Problem. Doch das Problem muss beim Namen genannt werden: Professionelle Krankenhausärzte sind einfach zu arrogant, um sich von jemanden sagen zu lassen, wie sie ihren Job zu machen haben.

Gut ausgebildet und erfahren, große Egos und arrogant, die niemanden brauchen, der ihnen etwas sagt, klingt das nicht vertraut? Richtig, so benimmt sich der idealtypische Investmentbanker, gleich ob er in der Unternehmensfinanzierung, Trading oder im Sales arbeitet.

Die Parallelen zwischen Medizin und Banking sind einfach schlagend. Beide haben eine Kultur, an vorderster Front zu arbeiten und der Herr im Haus zu sein. Derartige Profis verfügen über sehr spezielle Kompetenzen und Fähigkeiten sowie über sehr große Egos. In beiden Berufen gibt es oft eine negative Korrelation zwischen zwischen ihren exzellenten professionellen Kompetenzen und ihrer Fähigkeit, die Performance eines Teams zu managen. In beiden Fällen hassen es die Profis, sich sagen zu lassen, was sie tun sollen.

Ich hege keine Zweifel daran, dass Banker weit effizienter arbeiten würden, falls sie sich nur diszipliniert an einige Verfahren in ihrem Job halten würden. Nehmen wir beispielsweise ein Pitch Book für ein Mandat im Bereich Corporate Finance. Es gibt einige Standardabläufe, wie ein exzellentes Pitch Book produziert werden sollte. Gleiches gilt beispielsweise für einen Sales-Mitarbeiter – auch hier gibt es Standardverfahren, wie ein Kunde zu bedienen ist: So sollten sie das Geschäft des Kunden verstehen, z.B. ihre Benchmarks, die Zusammensetzung ihrer Portfolios und ihren Investmentansatz. Auch sollten sie verstehen, was sie von einem Broker erwarten, z.B. die Zusammenarbeit mit dem Research, Trading Ideen oder die Märkte einzuschätzen.

Banker glauben oftmals, dass ihr Job mit Talent und Beziehungen zu tun habe. Daran mag einiges richtig sein – aber nur am Rande. Denn im Kern sind es die langweiligen Dinge, die wirklich zählen.

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