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Warum die ‘Big Four’ in der Krise an Beliebtheit verloren haben!

Die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Price Waterhouse Coopers (PWC), KPMG, Ernst & Young und Deloitte zählen seit Jahren zu den Lieblingsarbeitgebern von Wirtschaftsstudenten.

Weltweit tätige Kundschaft, sehr gute Aufstiegschancen und ein hoher Verdienst üben auf BWLer und VWLer eine magische Anziehungskraft aus. Doch der gute Ruf der “Big Four” hat unter der Wirtschaftskrise gelitten. Das zeigt sich zum Beispiel in der diesjährigen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Universum unter mehr als 19.000 Wirtschaftsstudenten.

Die vier Platzhirsche sind in der Rangliste abgerutscht: KPMG fielt auf der Beliebtheitsskala um satte sechs Ränge nach unten, PWC um fünf, Deloitte um vier und Ernst & Young um einen Platz.

Ein Grund: das Beratungsgeschäft. Zwar müssen die Kunden auch in der Krise weiter ihre Bilanzen prüfen lassen und Steuererklärungen abgeben, doch gerade die Großen Vier tummeln sich seit Jahren auch im boomenden Consultinggeschäft. “Wenn die Mandanten bestimmte Deals in der Krise nicht tätigen, brauchen sie eben an diesen Stellen auch keine Beratung”, sagt Matthias Wehling, Personalvorstand von Ernst & Young.

Dass sich der Wind gedreht hat, bekommen auch neue Mitarbeiter zu spüren. So hat der Branchenprimus PWC im Geschäftsjahr 2008/2009 noch 950 Hochschulabsolventen eingestellt, 2009/2010 soll es aber nur noch knapp die Hälfte sein.

Ernst & Young stellte 2008/2009 nur 750 Absolventen ein, während es im Jahr zuvor mehr als 1.000 waren. KPMG wiederum heuerte 2008/09 rund 300 Absolventen weniger als im Jahr zuvor an. Bei Deloitte fiel die Zahl der Jungakademiker binnen Jahresfrist von 750 auf 350. Zur Begründung verweisen alle vier Gesellschaften auch darauf, dass krisenbedingt die Fluktuation abgenommen habe und daher der Bedarf an neuen Mitarbeitern geschrumpft sei.

Die Auswahlverfahren bleiben dennoch knallhart. Je nach Unternehmen und Bereich müssen Bewerber ein Assessment-Center und/oder Einzelgespräche überstehen. Fließendes Englisch ist wie Auslandserfahrung und Praktika Einstellungsvoraussetzung.

Doch nur fleißig und gut zu sein reicht nicht, Persönlichkeitsbildung gehört ebenfalls dazu. “Da ist mir bisweilen ein halbes Jahr ehrenamtliche Arbeit in Afrika lieber als ein bisschen Prüfungserfahrung in Deutschland”, so Weling weiter.

Letzlich werden vielleicht drei bis fünf Prozent der Bewerber genommen. Die Analogie zum Goldfisch im Teich drängt sich auf. “Daraus die Top-Talente zu angeln bleibt auch in der Krise schwer”, sagt Deloitte-Personalmanagerin Christina de Bakker.

Auch wer zu den Auserwählten gehört, hat noch sechs Monate Probezeit vor sich. Normalerweise gehen weniger als 10 Prozent während dieser Phase von Bord, weil die Leistung nicht stimmt. In der Krise galt das nicht immer. Vor allem PWC machte Schlagzeilen mit einer zeitweiligen Probezeit-Entlassungsquote von 16,8 Prozent.

“Wir hatten neue Mitarbeiter noch in der Boomphase eingestellt und haben dann wegen der Krise die Messlatte selektiver als sonst angelegt”, sagt der Mitte des Jahres neu angetretene Personalvorstand Marius Möller. Mittlerweile liege die Übernahmequote nach der Probezeit wieder deutlich über 90 Prozent. Was PwC durch die Probezeitkündigungen an Image eingebüßt hat, versucht Möller mit offener Kommunikation zu kitten: In den einschlägigen Studentenforen ist er nun selbst präsent, gibt seine E-Mail-Adresse bekannt und lädt die Studenten ein, sich mit Fragen direkt an ihn zu wenden.

Kommentare (3)

Comments
  1. Nanu? Bei den Big 4 war in den vergangenen Jahren die wesentliche Einstellungsvoraussetzung, einen Puls zu haben. Und jetzt sollen nur drei bis fünf Prozent der Bewerber genommen werden? Unglaublich.

  2. Denke auch, dass die Big4 Personaler da etwas übertrieben haben, selbst bei jetzt geringeren Einstellungszahlen können sie gar nicht so selektiv sein, wie sie da behaupten; zugegeben sicherlich eher als in Boom-Zeiten, aber nicht so wie dargestellt …
    Kanonefutter für die Audits brauchen so auch weiterhin, die Fluktuation ist auch während der Krise nicht wirklich weniger geworden

  3. In der Tat etwas übers Ziel hinausgeschossen. Klar steigt in “Krisen-Zeiten” die Selektivität, auch bei den Big4, aber die oben angesprochenen Zahlen sind mehr Marketing als Realtität …

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