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GASTBEITRAG: Welche Nationalitäten im Investment Banking am härtesten arbeiten

Die Italiener befinden sich im Café, die Briten im Pub und die Inder bei der Arbeit.

Die Italiener befinden sich im Café, die Briten im Pub und die Inder bei der Arbeit.

Bekanntlich muss jeder in einer Investmentbank hart arbeiten. Es stellt sich also gar nicht erst die Frage, wer lange arbeitet und wer es sich mit einem Tässchen Kaffee gemütlich macht. Vielmehr stellt sich die Frage, wer 75 Stunden die Woche oder aber mehr als 80 Stunden arbeitet.

Nach meinen Erfahrungen bei einer großen US-Bank in London gibt es einige Nationalitäten, die definitiv härter als andere arbeiten. Dabei behaupte ich nicht, dass jeder mit einem gewissen Pass sich so verhält. Ich sage nur, dass es oftmals der Fall ist.

Inder und Chinesen arbeiten am härtesten

Das Muster ist aus dem US-Bildungssystem vertraut, wo Studenten aus Indien und China einen Großteil der akademischen Auszeichnungen einheimsen. Falls es um die Zeit geht, in der der Hintern den Bürostuhl berührt, befinden sich diese beiden Nationalitäten ganz oben auf der Liste, keine Frage. Ich kann mich an meine Studienzeit an der London School of Economics erinnern, als es in der Prüfungszeit üblich war, die längste Zeit des Tages in der Bibliothek zu verbringen. Allerdings haben nur einige Übereifrige dort auch ganze Nächte verbracht. Sie kamen nur nachhause, um dort zu duschen und sich einige Dim Sums (chinesische Klöße) oder Samosas (indische Teigtaschen) zu schnappen und dann sofort wieder in die Bibliothek zurückzukehren. Sie kamen fast ausschließlich aus China oder Indien.

Bei jungen Indern spielt womöglich eine kulturelle Disposition zu Hierarchien eine Rolle. Während die meisten Juniorbanker sich daran stören, Tag für Tag ausgenutzt zu werden, die Nächte durchzuarbeiten und zum Kaffeeholen geschickt zu werden, ist ein junger indischer Analyst eher bereit das zu akzeptieren. In dieser Hinsicht erweisen sich junge Inder geradezu als Gottesgeschenk für Banken, die nichts als Gefolgsamkeit verlangen.

Die Amerikaner kommen kurz dahinter

Sicherlich arbeiten amerikanische Analysten nicht ganz so lange wie ihre chinesischen oder indischen Kollegen, aber diesen Nachteil machen sie mit ihrem Arbeitseifer wett. Wenn es jemanden gibt, der wirklich genauso eifrig ist wie ein Duracell-Häschen mit frischen Batterien, dann handelt es sich meist um einen Amerikaner. Wen schert es schon, dass sie nicht ganz so lange arbeiten, wenn sie so viel erledigt bekommen.

Die Italiener sind in der Investment Banking Division besonders faul

Am anderen Ende des Arbeitspensums befinden sich die Italiener. Die italienische Vorliebe für Kaffee spielt dabei eine besondere Rolle. Als ich in Canary Wharf in London arbeitete, gab es dort einen Laden, der den besten Kaffee in der ganzen Gegend servierte. Am Morgen kamen dort sämtliche Banker vorbei, deckten sich mit Kaffee ein und hasteten zu ihren Arbeitsplätzen. Doch es gab eine Gruppe, die niemals einen Kaffee zum Mitnehmen orderte: die Italiener. Man sah sie lässig an der Bar lehnen und plaudern, während Sie Ihren morgendlichen Kaffee genossen.

Carlo, ein italienischer Analyst, der den italienischen Markt abdeckte, erläuterte mir: „Kaffee in einem Papierbecher schmeckt wie Benzin. Die Engländer stört das nicht. Wir Italiener drinken ihn in Porzellan; wir genießen ihn in einem Café und mein Arbeitsplatz stellt kein Café dar.“

Doch am schlimmsten sind die Briten

Doch die Arbeitseinstellung der Italiener ist geradezu enthusiastisch im Vergleich zu den Briten. Dabei trifft „faul“ die Sache nicht wirklich. Die Briten, mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren meist für die britischen Kunden zuständig. Und seien wir einmal ehrlich: Die Geschäfte in diesem Bereich der Welt sind sauberer als in vielen anderen Teilen der Welt wie z.B. in den Schwellenländern. Ich war hingegen für den Mittleren Osten zuständig und blieb regelmäßig bis nach Mitternacht. Denn mein Kunde, ein Bauunternehmen aus Dubai, hatte sich in den Kopf gesetzt, eine Skipiste inmitten der Wüste zu errichten. Das war nicht nur dumm, sondern risikoreich und erforderte allgemein mehr Arbeit. Meine britischen Kollegen verließen unterdessen das Büro um 18 Uhr und gingen in den nächsten Pub – nicht dass ich nachtragend wäre.

Ibanker hat früher bei einer großen Investmentbank gearbeitet, bevor er eine Investmentfirma für Family Offices gründete. Er hat bereits einen Ratgeber zum Einstieg ins Investmentbanking verfasst.

Photo credit: @ Arabica by Mike Chaput is licensed under CC BY 2.0.

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