☰ Menu eFinancialCareers

Wiener Großbanken droht Fusion

In Österreich bahnt sich krisenbedingt und auf Druck der Finanzkontrolleure ein Zusammenschluss an: Erstmals hat die Raiffeisen Zentralbank ihr Interesse an der Volksbanken AG (ÖVAG) bekundet – wenn auch nicht gerade überschwänglich.

Die ÖVAG ist das Spitzeninstitut der Volksbanken in Österreich, mit 50 Mrd. Euro Bilanzsumme das viertgrößte Geldhaus des Landes und auf Partnersuche, um ihrer Verstaatlichung zu entgehen.

Falls die ÖVAG Österreichs drittgrößte Bank zu Verhandlungen einlade, “haben wir sehr klare Vorstellungen”, sagte Raiffeisen-Aufsichtsratschef Christian Konrad. Er koordiniert die Arbeit im Raiffeisensektor und gilt als einer der einflussreichsten Banker des Landes.

Noch Mitte Dezember hatte sich Raiffeisen-Zentralbank-Chef Walter Rothensteiner gegen den Kauf der ÖVAG ausgesprochen. Der Sinneswandel ist Beleg für den Druck, den Politik und Aufsicht auf die Banken ausüben.

Die ÖVAG ist wegen der Finanzkrise in Existenznot. Das Volksbanken-Spitzeninstitut hatte im vergangenen Jahr 1 Mrd. Euro Staatshilfe von der Wiener Regierung erhalten. In den ersten drei Quartalen 2009 verlor die ÖVAG 607 Mio. Euro vor Steuern – vor allem wegen hoher Wertberichtigungen auf Immobilien in Osteuropa.

Genau wie die kürzlich verstaatlichte BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria – Österreichs Nummer fünf – kann die ÖVAG die Zinsen für das Staatsgeld nicht zahlen. Die Finanzmarktbeteiligung AG (Fimbag) hält die Lage der ÖVAG für “besorgniserregend”.

Ähnlich wie der deutsche Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) ist sie für die Verwaltung staatlicher Hilfsgelder zuständig. Fimbag-Vorstand Klaus Liebscher findet, die beiden Banken passen von ihrer genossenschaftlichen Grundidee her gut zusammen. Wegen ihrer Größe sind allerdings kartellrechtliche Probleme denkbar.

Überhaupt macht die Fimbag weitere Staatshilfen von einer Flurbereinigung des Finanzsektors abhängig – die Wiener Bankenchefs sperrten sich indes bislang vehement gegen Fusionen. Die Institute müssten durch Fusionen wettbewerbsfit gemacht werden, forderte Fimbag-Vize Hannes Androsch erst kürzlich. “Österreich hat sechs systemrelvante Großbanken. Die Schweiz nur zwei”, verwies er auf UBS und Credit Suisse im Nachbarland.

Allerdings gilt die Konzentration der Bankenlandschaft auf nur wenige große Häuser als enormes Risiko für das Finanzsystem, wie das Beispiel Schweiz gezeigt hat. Als Lehre aus der Finanzkrise dringen daher viele Aufseher darauf, Banken zu verkleinern, damit ein eventueller Zusammenbruch nicht das gesamte Wirtschaftssystem eines Landes in den Abgrund reißt.

Andererseits hat es gerade wegen der Krise, vor allem in den USA, einige Notfusionen von Banken gegeben, durch die zum Beispiel JP Morgan Chase noch größer geworden ist.
Dem Vernehmen nach würde sich die genossenschaftliche Frankfurter DZ Bank, die 25 Prozent der ÖVAG-Anteile hält, nicht gegen einen Zusammenschluss der beiden Spitzeninstitute in Österreich wehren. ÖVAG-Chef Gerald Wenzel hatte vor Kurzem angekündigt, 2010 das Kapital um 400 Mio. Euro zu erhöhen.

Davon soll die DZ 100 Mio. Euro beisteuern. Sie verweigert jedoch die Unterstützung. Die DZ Bank hatte sich selbst jüngst 400 Mio. Euro von ihren Eigentümern geholt.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier