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GASTBEITRAG: Was ich in einem Trading-Vorstellungsgespräch bei JP Morgan erlebte

JPMorgan first quarter 2015

Vor ein paar Monaten war ich zu einem Vorstellungsgespräch für ein Sommer-Praktikum im Handelssaal von JP Morgan in London eingeladen. Der Interviewverlauf war sehr strukturiert und detailliert. Daher möchte ich meine Erfahrungen mit all denjenigen teilen, die in Zukunft zu einem solchen Gespräch eingeladen werden.

Zunächst muss festgehalten werden, dass ich mich für einen Job im Trading bei JP Morgan beworben hatte. Wenn Ihr eine Stelle im Trading anstrebt, dann werdet Ihr von Beginn an von verschiedenen Desks interviewt.

Die erste Runde:

Mein erstes Vorstellungsgespräch erfolgte mit dem Desk, der mit Unternehmensanleihen des Investment Grade handelte. Mir wurden die Standardfragen von JP Morgan gestellt, die ziemlich langweilig ausfallen können: Wieso bewerben Sie sich gerade bei JP Morgan? Wieso wollen Sie Trader werden? Was für ein Trader wollen Sie werden? Wo sehe ich mich in fünf oder zehn Jahren?

Ihnen war wichtig, dass ich den Unterschied zwischen Eigenhandel und Market Making kannte und dass mir klar wäre, dass ich nur als Market Maker bei ihn arbeiten könne. Sie wollten wissen, ob das für mich in Ordnung sei oder ob ich bei der nächsten Gelegenheit zu einem Hedgefonds weglaufen würde. Sie wollten auch wissen, bei welchem Desk ich arbeiten wolle und warum. Dabei erwarteten sie, dass ich bereits ein recht profundes Wissen von Wertpapieren mitbringe und wie die Märkte für diese Wertpapiere funktionieren.

Die zweite Runde:

Mein zweites Vorstellungsgespräch fand mit dem Desk für exotische Aktienderivate statt. Sie stellten mir einige sonderbare Denksportaufgaben wie z.B.: Wie würden Sie einen Berg versetzen? Und einige Fragen zur Funktionsweise der Märkte. Weiter diskutierten wir 15 Minuten die Krise in der Ukraine. Sie wollten meine Meinung dazu hören, wie sie begann, wie sie eskalierte – mit besonderer Berücksichtigung der Energiemärkte und der Nebeneffekte der Sanktionen.

Sie wollten auch meine Einschätzung hören, welche Auswirkungen das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank für den EUR/USD-Wechselkurs habe und welchen Einfluss Ebola auf die Märkte habe.

Bevor Ihr also einen Fuß in ein Vorstellungsgespräch von JP Morgan setzt, solltet Ihr viel über die weltpolitischen Vorgänge wissen und Euch eine wohldurchdachte Einschätzung zurechtlegen, welche Folgen diese für die Märkte haben.

Das Assessment Centre:

Nachdem ich die beiden ersten Vorstellungsgespräche überstanden hatte, wurde ich zu einem abschließenden Assessment Centre eingeladen. An diesem Punkt des Auswahlprozesses wurde es konkreter. Das Assessment-Centre war in die verschiedenen Bereiche unterteilt: Sales, Trading oder Research und man nahm nur an einem davon teil.

Ich wurde fürs Trading geprüft, woran rund 20 Leute in drei Stufen teilnahmen. Zunächst musste am Morgen eine Präsentation gehalten werden. Mir wurde ein 30seitiges Schriftstück mit Informationen zu einem Unternehmen überreicht. Anschließend wurden mir 20 Minuten zur Vorbereitung einer Investmentidee zum Unternehmen zugestanden, die ich einem JP Morgan-Mitarbeiter gegenüber präsentieren sollte, der vorgab ein Hedgefondsmanager zu sein. Ich hielt die Präsentation und beantwortete einige detaillierte Fragen zu meiner Überlegung.

Als zweites fand eine Reihe von Vorstellungsgesprächen statt. Dabei handelte es sich um eine allgemeine Fragestunde. Jedem der Desks mit offenen Stellen wurde die Gelegenheit eingeräumt, mit den Studenten aus dem Trading-Pool zu sprechen. Jeder von uns nahm an ein bis drei Gesprächen teil. Die Fragen drehten sich allein um Motivation und Kompetenz. Anschließend wurden einige Teilnehmer nachhause geschickt.

Am Nachmittag fand eine zweite Runde von Gesprächen statt. Wenn Ihr es so weit geschafft habt, dann habt Ihr das Interesse von wenigstens einem Gesprächsführer vom Morgen auf Euch gezogen. Diese Gespräche erfolgten auf einem ganz anderen Niveau. Erstens fanden sie vollständig im Handelssaal statt. Zweitens waren es ziemlich viele. Es gab alles – von einem bis sieben. Dabei kann es um Eure Motivation und Eure Kompetenz gehen. Es kann aber auch sehr fachlich werden, je nachdem für welchen Desk Ihr interviewt werdet.

Falls Ihr diese Runde übersteht, dann habt Ihr es geschafft.

Ihr seid also vorgewarnt!

Viel Glück.

Bei Lewis Naylor handelt es sich um ein Pseudonym.

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