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VERDI: Viele Bankmitarbeiter sind mit ihrem Job unzufrieden!

Auf einer Internetseite haben Arbeitnehmervertreter Erfahrungsberichte von Bankmitarbeitern anonym gesammelt. Weit weg vom Investmentbanking und satten Boni zeichnen diese Stellungnahmen ein Schreckensbild – nicht zuletzt auch für Bankkunden.

“Wie bei einer Drückerkolonne geht es bei vielen Banken zu”, sagt Uwe Foullong, Vorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. “Wenn Schläge erlaubt wären, dann bekämen wir sie von den Vorgesetzten”, zitiert er die Aussage eines Bankangestellten.

In der Tat haben Banken spätestens seit der Lehman-Pleite ein Vertrauensproblem. Im Privatkundengeschäft wendet sich die gehobene Klientel ab und sucht ihr Heil bei kleinen Privatbanken und freien Vermögensverwaltern.

Kleinsparer setzen dagegen vermehrt auf Klassiker wie Festgeld oder Tagesgeld, also Produkte, die ohne große Beratung abgeschlossen werden können. Zwar geloben Bankvorstände Besserung und propagieren eine Rückbesinnung auf die Werte des ehrbaren Bankiers, doch aus Gewerkschaftssicht ist das Augenwischerei. Durch die Entlassungen habe der Verkaufsdruck eher noch zugenommen, sagt Foullong. Und mit dem Bankmitarbeiter bleibe auch der Kunde auf der Strecke.

Der Gewerkschafter sieht die Privatbanken als Trendsetter eines Produktverkaufs, der die kundengerechte Beratung ersetzt habe. Bei Deutscher Bank, Dresdner Bank und anderen Großbanken habe nach 2002 der Vertriebsdruck kräftig zugenommen. Die Sparkassen stünden erst am Anfang einer solchen Entwicklung.

Als Musterschüler der großen Privatbanken erweisen sich laut Foullong hingegen die Genossenschaftsbanken. “Hier wird mit einem Malus-System gearbeitet.” Im Klartext: Mitarbeiter von Volks- und Raiffeisenbanken, die ihr Verkaufssoll nicht erfüllen, müssen mit Gehaltseinbußen rechnen.

Der Genossenschaftsbankenverband BVR verneint, dass es solch eine Praxis gibt. Die Aussagen von Verdi würden den “am Geschäftsmodell ausgerichteten Führungs- und Zielsystemen unserer Bankengruppe nicht gerecht”, sagte Sprecher Stefan Steudel. Bei Zielvorgaben würden “regelmäßig Kundenpotenziale und Kundenbedarfe berücksichtigt”.

Auch die Zeitschrift Finanztest kritisiert den Vertriebsdruck vieler Banken. So habe etwas die Postbank einer 77-jährigen Rentnerin aus Dortmund einen Bausparvertrag über 80.000 Euro angedreht, der kurz vor ihrem hundertsten Geburtstag zugeteilt werden soll.

Um flugs an die Abschlussprovision für den Vertrag zu kommen, beendete der Vermittler noch einen bereits bestehenden Baussparvertrag und schob die Guthaben des Rentnerhaushalts so lange hin und her, bis er möglichst schnell an die Erfolgsprämie von 640 Euro kam.

Kein Einzelfall! “Weit über 100 Jahre alt müssten drei Postbank-Kundinnen werden, denen verschiedene Berater die Vorteile des Bausparvertrags BHW Dispo maXX schmackhaft machten”, heißt es in einem Bericht von Finanztest.

Ein Ex-Vertreter der Postbank schildert in dem Magazin, worum es bei den Kundengesprächen in erster Linie geht. “Verkaufen, verkaufen, verkaufen”, laute das Motto. So werden Altverträge vorzeitig gekündigt, um neue abzuschließen, für die es eine weitere Provision gibt. Der Druck auf die Berater sei enorm.

Die Postbank bestreitet die Einzelfälle nicht, weist aber den Vorwurf einer generellen Falschberatung zurück. “Wir haben sehr hohe Qualitätsstandards”, beteuert Sprecherin Iris Laduch. Vertrauen und gute Beratung seien Teile des Geschäftes.

Dennoch erscheint die Vertriebsstruktur der Bank Interessenkonflikte zu begünstigen. Dabei geht es nicht um die Beratung in der Filiale oder am Telefon. Dort arbeiten fest angestellte Banker. Darüber hinaus hat das Institut aber vor drei Jahren eine Vertriebsgesellschaft gegründet, in der Finanzmanager tätig sind, die zu Hausbesuchen ausschwärmen. Die Vertreter leben allein von der Provision, brauchen also möglichst viele Abschlüsse. “Ich kann den Interessenkonflikt nicht sehen”, beteuert Laduch.

“Provisionsgeleitete Beratung ist nicht nur ein Problem der Postbank”, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. “Das ist leider Alltag.” Leidtragende seien die Verbraucher, die Abschlusskosten und Provisionen bezahlen für eine haarsträubende Beratung.

“Vor einem Jahr verkaufte man Rentner Lehman-Zertifikate, heute scheinen es mitunter Bausparverträge zu sein, beides war sicher nicht bedarfsgerecht”, so Nauhauser. Der Gesetzgeber müsse die Beratung überwachen, derartig unsinnige Beratungen sollten verboten werden.

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