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GASTBEITRAG: Ich bin Fixed Income-Trader und mein Lebensstil ist klasse

Im Handelssaal einer deutschen Großbank.

Im Handelssaal einer deutschen Großbank.

Ich habe hier schon viel über den Lebensstil von jungen M&A-Bankern gelesen: über die schlaflosen Nächte, die verlorenen Wochenenden und die gestrichenen Urlaube. Das hört sich schon brutal an und wenn Sie tatsächlich in der Investment Banking Division (IBD) arbeiten, dann ist es wohl auch so. Dennoch möchte ich auch sagen, dass ich im Handelssaal einer Großbank arbeite und mein Lebensstil ganz anders aussieht. Was mich betrifft, fällt der Lebensstil sogar klasse aus. Konkret:

Ich starte zwar früh mit der Arbeit, aber nicht zu früh. 7.15 bis 7.30 Uhr ist üblich. In den zurückliegenden Jahren ist es sogar später geworden. Zwischenzeitlich schienen sich die Banken in einer Art Wettbewerb befunden zu haben, wer das früheste Meeting abhält, doch damit sind sie durch. Zugegeben: Aktienhändler scheinen etwas früher zu beginnen; vielleicht sollten Sie das also vermeiden. Ich arbeite übrigens in Credit Default Swaps (CDS, sogenannte Kreditversicherungen).

Ich höre aber auch früh auf. Die meisten Leute sind gegen 17.30 Uhr mit ihrer Arbeit durch, wenn nicht sogar um 17.01 Uhr. Anschließend zieht es uns alle zu den schillernden, neuen und teuren Restaurants – gemeinsam mit den Sales-Leuten und den Brokern, mit denen wir tagtäglich sprechen. Unsere Ausgabenbudgets sind tatsächlich geringer als in der Vergangenheit, aber es ist immer noch reichlich. 100 Pfund (138 Euro) sind durchaus üblich.

Anders als in der IBD arbeitet in Sales & Trading niemand am Wochenende. Wenn ich also am Freitag aus dem Handelssaal spaziere, habe ich bis Montagmorgen frei. Nicht zuletzt gibt es auch noch das Geld. Die Gehälter von Tradern sind mittlerweile so hoch und die Boni so niedrig, dass es viele Leute leichter angehen lassen als in der Vergangenheit. Sie erhalten Ihr Geld heute selbst, wenn Sie keine anständigen Profite generieren. Warum sollte man sich also umbringen?

Soweit ich das beurteilen kann, trifft dies aufs Fixed Income-Trading nahezu aller Banken in der Londoner City zu. Die Sales-Leute haben es nicht ganz so leicht: Sie verdienen viel weniger als in der Vergangenheit und leben in der ständigen Furcht, von elektronischen Handelssystemen ersetzt zu werden. Die Trader an der Wall Street scheinen indes früher als wir mit der Arbeit zu beginnen – sie verschicken Nachrichten ab 6.30 Uhr. Allerdings sind sie auch beim Feierabend konsequenter als wir in Europa.

Kurz: Wenn Sie keine 80 Stunden die Woche arbeiten möchten, dann sollten Sie kein M&A-Junior werden. Dennoch dürfen Sie nicht glauben, dass sämtliche Jobs im Banking ähnlich anstrengend ausfallen. Nach meiner Erfahrung ist das wirklich nicht der Fall.

Bei Silas Letts handelt es sich um ein Pseudonym eines CDS-Händlers einer großen Investmentbank in London.

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