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GSElevator: Wieso die Wall Street immer noch einen guten Ort für den Karrierestart darstellt

Wall Street jobs

John LeFevre hat als @GSElevator mit seinen kritischen Kommentaren zur Branche – und ganz speziell zu einer Bank – in den sozialen Netzwerken für Furore gesorgt. In einem Gastbeitrag für eFinancialCareers erzählt er, wieso er dennoch seine Karriere immer wieder an der Wall Street beginnen würde.

Banken haben viel von ihrem Sexappeal verloren: Riesenboni gehören der Geschichte an, die Unternehmenskultur ist langweilig, die Branche schrumpft und Fintech schneidet sich ein Stück vom Wall Street-Kuchen ab. Doch die Work-Life-Balance fällt immer noch schlecht aus, die wilden Eskapaden sind ausgestorben und die schillerndsten Persönlichkeiten sind auf die Buy-Side gewechselt. Die Wall Street ist einfach nicht mehr cool und die College-Kinds wollen heute hier einfach nicht mehr arbeiten.

Es gibt keinen Grund für mich, dies alles noch einmal aufzurollen; schließlich hören wir das bereits seit der Finanzkrise. Seitdem ich ein Buch über „Verbreitete Abweichung von den Verhaltensnormen und systematische Korruption“ an der Wall Street geschrieben habe, werde ich immer wieder gefragt: „Stellt die Wall Street immer noch einen guten Ort für den Karrierestart dar?“

Es gibt zehn Gründe, wieso die Wall Street einen phänomenalen Ort darstellt, um seine Karriere zu beginnen – und nicht nur wegen der gelegentlichen Ausschweifungen:

1. Die Ausbildung

Die Wall Street bietet eines der angesehensten Ausbildungsprogramme auf dem Planeten. Wo sonst kann man mit einem Bachelor-Abschluss in Politik, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften (PPE) von Oxford auftauchen und die Grundlagen von Unternehmensbewertung, Finance, VWL, Rechnungslegung, Modellierung , IT- und Präsentationskompetenzen innerhalb von nur sechs Wochen lernen? Einige Hedgefonds ziehen nach, aber nur wenige Unternehmen wenden für das Training so umfangreiche Ressourcen wie die Großbanken auf.

2. Die Mentoren

Den meisten Einsteigern werden gleich zwei Mentoren zugewiesen. Einer ist lediglich wenige Jahre älter (zumeist handelt es sich um einen Associate). Er stellt die erste Anlaufstelle für Alltagsprobleme dar und bietet erste Orientierung. Der andere ist erfahrener. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Managing Director, der 2, 3 oder mehr Millionen Dollar im Jahr verdient. Er ist gerissen, versiert, und immer ganz oben mit dabei. Er kann Ihnen nicht nur bei der Karriere helfen, sondern auch im Leben. Wo anders erhält man solche Möglichkeiten?

3. Die Ressourcen

Kurz nach dem Training sitzt man vor vier Bildschirmen, einem Bloomberg-Terminal, einem „Dealerboard“ mit 100 Telefonleitungen und dem direkten Zugang (per Zuruf) zu den wichtigsten Finanzzentren rund um den Globus. Dabei stehen einem fast unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung. Wenn man ein Problem mit der rechtlichen Dokumentierung hat, eine Frage zum Research, den Märkten oder zu einem IT- Problem hat, dann ist die Antwort immer nur einen Knopfdruck entfernt. Falls es Ihnen jedoch wichtiger ist, einen kostenlosen iMac oder eine Tischtennisplatte im Konferenzraum zu haben, dann stellt für Sie wahrscheinlich das Silicon Valley die bessere Wahl dar.

4. Das Arbeitsumfeld

Jeder mir bekannte Banker, der die Branche für eine andere Karriere verlassen hat, ist dennoch für seine Zeit an der Wall Street dankbar. Sie sind umgeben von den „besten und hellsten Köpfen“ in einem heftig umkämpften, stressreichen, zermürbenden und auf eine einzige $ache konzentrierten Umfeld.

5. Der Wert

Alle – IT-Startups, die Buy-Side, Großunternehmen, Business- und Law-Schools, Freunde und Familie, ja sogar mögliche Liebespartner – wissen, wie schwierig es ist, einen Top-Bankingjob zu erhalten. Sie wissen, wie streng die Trainings-Programme ausfallen. Sie wissen, dass Sie auch unter Druck gut arbeiten können, über eine solide Arbeitsethik verfügen und Intelligenz und Effizienz schätzen. Eine Station an der Wall Street auf seinem Lebenslauf stellt ein Qualitätssiegel ohne Ablaufdatum dar.

6. Die Verbindungen

Der Job kann schon an einem zehren. Ihre Kollegen und viele Ihrer Konkurrenten werden zu Ihren besten Freunden werden. Auf der anderen Seite werden es sich viele Ihrer alten Freunde von der Uni nicht leisten können, mit Ihnen schrittzuhalten. Im Laufe der Zeit werden Ihre neuen Freunde immer erfolgreicher und einflussreicher und breiten sich über die ganze Welt und alle Aspekte unserer Wirtschaft und Gesellschaft aus.

7. Arbeitsort und Mobilität

Erstens starten Sie Ihre Karriere an Finanzzentren wie New York oder London und nicht in Detroit oder Manchester. Zweitens bieten sich Ihnen unerreichte Chancen für kurze oder lange Mobilität. Es gibt wenige Karrieren und Kompetenzen, mit denen Sie in Dubai, Hongkong, Singapur oder Sydney arbeiten können.

8. Die Erfahrung

Viele Studenten wissen nicht, welche Karriere sie einschlagen möchten. Selbst falls dies doch der Fall sein sollte, dann sind sie sich nicht vollständig bewusst, worauf sie sich dabei einlassen. Oft hassen sie ihren ersten Job, können aber nicht viel dagegen unternehmen. Als ich anfing, hatte ich indes mit einer langen Liste von Branchen und Kunden zu tun. Ich habe an Deals für General Electric, Unilever, Rolls-Royce, AIG und sogar für chinesische Taikune oder indonesische Strolche mitgearbeitet. Selbst wenn ich das Banking gehasst hätte, hätte mir diese Art von Erfahrung das Wissen und die Chancen verliehen, damit etwas anderes anzufangen.

9. Die Aufregung

Immerhin arbeiten Sie an Geschäften, die am nächsten Tag im Wall Street Journal stehen.

10. Das Geld

Die Vergütungsstrukturen der Wall Street wurden überarbeitet und tendieren dazu, geringer auszufallen. Darüber kann man weinen. Dennoch sind Sie wahrscheinlich auf dem besten Weg genügend zu verdienen, um noch vor Ihrem 40. Geburtstag auszusteigen, je nachdem wie hoch Ihre „Zahl“ ausfällt.

Nehmen wir einmal an, Sie würden meinen Rat beherzigen und Ihre Karriere an der Wall Street beginnen. Wo bringt Sie das in drei bis vier Jahren hin? Falls Sie Ihren Job lieben – wofür es viele Gründe gibt (siehe oben), dann lässt sich nichts Weiteres sagen als Sie willkommen zu heißen.

Falls Sie die Wall Street hassen, dann sind Sie immerhin gut positioniert, besitzen gute Verbindungen, sind besser informiert und qualifiziert, um irgendetwas anderes zu machen: IT, Buy-Side, Großunternehmen, Ihr eigenes Start-Up oder die Rückkehr an die Uni. Selbst wenn Sie dann eine Welt umsegeln wollen, können Sie sich das wahrscheinlich leisten.

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