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„Der Vice President ist der neue Associate“: Die schwierigen Karriereperspektiven im Investment Banking

So sieht die "Karriere-Pyramide" im Investmentbanking aus: Viele Chefs, viele Einsteiger und ein dünner Mittelbau.

So sieht die "Karriere-Pyramide" im Investmentbanking aus: Viele Chefs, viele Einsteiger und ein dünner Mittelbau.

Der akute Mangel an Associates bei starkem Deal Flow führt dazu, dass im Investment Banking immer mehr Arbeit an den Vice Presidents (VPs) hängen bleibt. „Der Vice President ist der neue Associate“, beobachtet Personalberater Thomas Trunk von Indigo Headhunters in Frankfurt.

Auf VP-Level herrscht Karrierestau

In der Vergangenheit erledigten normalerweise die Analysten und Associates die grundlegenden Arbeiten in den Investmentbanken, während sich die Directors (Ds) und Managing Directors (MDs) auf Kundenkontakt, strategische Fragen und Führungsaufgaben konzentrierten. Die VPs, die sich in der Sandwich-Position zwischen Analysten und Associates einerseits und Ds und MDs andererseits befinden, müssen sich unterdessen sukzessive spezialisieren und ein eigenes Geschäft aufbauen, um später die Führungspositionen ausfüllen zu können.

Doch angesichts des grassierenden Associatemangels fällt dies zunehmend schwieriger, stattdessen müssen die VPs grundlegende Arbeiten länger selbst übernehmen. „Parallel dazu versuchen die Banken die Analysten früher in eine Associate-Rolle zu führen, was bei einigen Adressen konsequenterweise dadurch abgebildet wird, dass man die Analystenzeit von drei auf zwei Jahre verkürzt hat”, erläutert der Headhunter. „Die Pyramide ähnelt in den meisten Häusern aktuell eher einer Sanduhr. Der Mittelbau ist eine dünne Taille der Jahrgänge, die in der Nachkrisenphase kaum eingestellt wurden“, kommentiert Trunk die aktuelle Situation.

„Die MDs und EDs bleiben an ihren Stellen kleben, während bei Analysten und Associates eine hohe Fluktuation herrscht“, beobachtet auch Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim. Nach sechs bis sieben Jahren als Analyst und Associate im Investment Banking erfolge die Beförderung zum VP fast automatisch. Dagegen falle es immer schwerer, von dort aus zum D oder MD aufzusteigen. „Es gibt einen gewissen VP-Stau“, beobachtet Behrens.

Werden die VPs immer schlechter?

Auch Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt beobachtet, dass VPs immer häufiger Unternehmensbewertungen selbst vornehmen und Pitch Books erstellen müssen. „Das geht hoch bis zu den Directors“, ergänzt Tamm. Viele Führungskräfte würden sich über die schwächere Qualität von VPs und Juniors beklagen. „Dies liegt jedoch nicht nur an den VPs.“ In den zurückliegenden Jahren habe der Mangel an Associates dazu geführt, dass Berufseinsteiger immer schlechter ausgebildet wurden. Mit den Folgen hätten die Investmentbanken in Frankfurt jetzt zu kämpfen.

Was ein VP für die Beförderung mitbringen muss

Um Karriere zu machen, müsse sich ein VP eigene Kundenkontakte und Branchenexpertise zulegen. „Dies muss nicht immer der CFO sein; es reicht oft auch schon der Head of M&A bei einem Großunternehmen“, weiß Tamm. Da die VPs aber immer mehr mit der „Execution“, der Abwicklung von Deals also, beschäftigt sind, bleibe immer weniger Zeit, um sich ein eigenes Geschäft aufzubauen. „Mit ‚Execution‘ allein wird niemand zum Director befördert“, sagt Tamm. „Dazu muss man Neugeschäft einwerben, man muss ‚Origination‘ betreiben. Die VPs müssen lernen, das Wild nicht nur zu zerlegen, sondern es zu jagen und nachhause zu bringen.“ Vor fünf Jahren sei dies vielen noch leichter gefallen.

Die harte Lebenswirklichkeit junger Investmentbanker

Um Juniorbanker früher in mehr Verantwortung zu führen, brauche es jedoch intensive (Heran-)Führung, Coaching und Weitergabe von Wissen, meint Trunk. Diese Zeit aufzubringen, sei eine der wesentlichen Herausforderungen, die es aktuell zu meistern gelte, um die stärkeren Juniorjahrgänge schneller in entlastende Eigenständigkeit zu führen und gleichzeitig einen Exodus von Juniorbankern zu verhindern, die zwar viel Druck und gute Boni, aber eine unbefriedigende Work-Life-Balance und zu wenig Guidance und Führung bekämen.

Eine weitere Herausforderung stelle das Aufzeigen von Karriereperspektiven dar. Die Gehälter seien zwar wieder gut, jedoch im Vergleich zur Vorkrisenzeit ebenso gesunken wie die Chancen auf  eine Beförderung zum D oder MD. „Die Ränge an Seniorbankern sind sehr dicht besetzt und das veränderte regulatorische Umfeld tut sein Übriges. Den Investmentbanker, der so viel verdient, dass er mit Mitte 40 aussteigen kann, den gibt es so nicht mehr. Aber es gibt Seniorbanker, die mehrmals nicht promoted wurden, weil einfach keine Ränge frei waren“, erklärt Andreas Krischke, ebenfalls von Indigo Headhunters.

Immer mehr Juniors suchen ihr Glück anderswo

Hohe Arbeitsbelastung bei gesunkenen Karriereperspektiven stellt für die Investmentbanken eine zunehmend fatale Mischung dar: Immer mehr Juniors kehren der Branche nach wenigen Jahren ganz den Rücken und versuchen bei Private Equity-Gesellschaften oder z.B. in M&A-Abteilungen von Großunternehmen unterzukommen. „Dann müssen die Banker hohe Einbußen bei Gehältern und Boni hinnehmen. Einigen ist das egal, wenn dafür die Work-Life-Balance wieder stimmt“, berichtet Trunk. „In toto lässt sich jedoch feststellen, dass der M&A-Bereich wieder gefragt ist wie lange nicht. Da er weiterhin eine sehr gute, wenn auch harte, Ausbildung bei guter Bezahlung bietet. Wer ein paar Jahre Work-Life Balance gegen wertvolle Transaktionserfahrung eintauscht, die aktuell wieder viele anlockt, hat später viele Optionen. Und wer durchhält und die Persönlichkeit mitbringt, gute Kundenbeziehungen aufzubauen und zu pflegen, der wird auch heute noch seinen Weg gehen“, resümiert Trunk.

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