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Fluchtziel Schweiz: Skandaltrader Perkins erhält zweite Chance in Genf

Bislang hat sich die Schweiz vor allem als sicherer Hafen für hochbesteuerte Hedgefondsmanager aus der Londoner City einen Namen gemacht. So beläuft sich der britische Spitzensteuersatz mittlerweile auf sagenhafte 50 Prozent, was reihenweise Hedgefondsmanager in die Flucht schlägt und laut den Befürchtungen aus der City den Standort an der Themse gefährdet. Mithin hat erst kürzlich Hedgefondsstar Alan Howard der City in Richtung Genfer See den Rücken gekehrt – aus privaten Gründen, wie Howard beteuerte.

Doch die eidgenössischen Finanzplätze scheinen in einigen Bereichen einen dringenden Bedarf an Fachkräften zu haben. So hat der weltgrösste Händler von Biokraftstoffen Starsupply Renewables in Genf jetzt den britischen Skandalhändler Steve Perkins angeheuert, wie der britische Daily Telegraph meldet.

Riesenverlust nach durchzechtem Wochenende

Der 34jährige Rohstoffhändler war in die Schlagzeilen geraten, weil er in 2009 unerlaubt sieben Mio. Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent kaufte und damit den Ölpreis auf Jahreshoch katapultierte. Doch am Ende verursachte der Deal seinem ehemaligen Arbeitgeber einen Verlust von rund 10 Mio. US-Dollar (10,6 Mio. Franken).

Das pikante an dem unerlaubten Deal: Perkins hatte ein durchzechtes Golfwochenende hinter sich und war auch noch bei der Ausführung des Trades betrunken, wie die britische Finanzaufsicht FSA festhält. Ausserdem habe der 34jährige versucht, die Angelegenheit zu verschleiern.

“Die Financial Services Authority (FSA) hat Steven Noel Perkins, einen ehemaligen Rohöl-Futures Händler, wegen Marktmissbrauchs zu einer Geldstrafe von 72.000 Pfund (115.000 Franken) verurteilt. Überdies hat die FSA Perkins untersagt, im Finanzdienstleistungsbereich zu arbeiten, weil er keine geeignete und anständige Persönlichkeit ist”, heisst es seitens der FSA.

Neue Stelle trotz fünfjährigen Berufsverbots

Doch in einer globalen Welt zählt ein fünfjähriges Berufsverbort einer nationalen Aufsichtsbehörde offenbar wenig. Denn keine 24 Stunden später sass Perkins im Flieger zu einem Vorstellungsgespräch bei Starsupply Renewables in Genf. Mittlerweile hat der 34jährige den Job, wie der Telegraph erfahren hat.

Laut einem Starsupply-Sprecher hat sich Perkins seit 2009 einer Entziehungskur unterzogen. “Wir glauben, dass Steven Perkins ein guter Mann ist, der eine dumme Sache gemacht hat. Die Sanktionen, die ihm von der FSA legitimerweise auferlegt wurden, werden geachtet. Der Schaden, der von Perkins Handlungen vor über einem Jahr verursacht wurde, ist beträchtlich”, heisst es weiter.

Finanzaufsicht als Papiertiger

“Dennoch glauben wir auch an Rehabilitierung. Wir wollen Perkins eine Gelegenheit bieten, seine Karriere in einer anderen Richtung wiederaufzunehmen”, ergänzte der Unternehmenssprecher.

Der Vorfall zeugt laut Branchenkreisen auch von dem Bedarf an qualifizierten Rohstofftradern am Standort Schweiz. Demgegenüber scheint auch die Warnung der FSA nicht viel wert zu sein: “Sein Verhalten stellt ein Risiko für das korrekte Funktionieren des Marktes dar.” Indem Perkins nur wenige Tage nach der FSA-Entscheidung eine neue Stelle in Genf antreten kann, erweist sich die nationale Aufsichtsbehörde als Papiertiger.

Kommentare (1)

Comments
  1. Wieso stellen wir eigentilch alle möglichen Leute ein, die bereits anderswo gescheitert sind??? Die Schweiz ist doch kein Auffangbecken für gescheiterte Existenzen!!!

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